Inter­na­tio­na­le Über­set­zun­gen nicht immer einfach

Der deut­sche Spie­le­ver­lag „Ulis­ses Spie­le“ ver­öf­fent­licht sein Fan­ta­sy-Rol­len­spiel „Das Schwar­ze Auge“ (DSA) mitt­ler­wei­le in immer mehr Spra­chen. Dabei wer­den nicht alle Über­set­zun­gen im eige­nen Hau­se umge­setzt, auch wenn der Ver­lag unterstützt.

© 2021 Cri­ti­cal News ‑Ita­lie­ni­sches Unikat

An die­ser Stel­le soll nicht unter­schla­gen wer­den, dass bereits seit Mit­te der 1980er Jah­re die ers­ten Über­set­zun­gen durch die Vor­gän­ger­ver­la­ge auf Ame­ri­ka­nisch, Fran­zö­sisch, Ita­lie­nisch und Nie­der­län­disch erfolgten.

Gelun­ge­ne ame­ri­ka­ni­sche Übersetzung

Nicht immer gestal­tet sich das Über­set­zen von einer Spra­che in eine ande­re als ein­fach. So konn­te etwa das deut­sche „Das Schwar­ze Auge“ nicht ein­fach eng­lisch in „The Black Eye“ über­setzt wer­den, da dies dem deut­schen „das Blaue Auge“ ent­spre­chen wür­de. Ande­re Pro­ble­me berei­te­ten die deut­schen Begrif­fe „Schwarz­pelz“ für einen Ork bzw. „Rot­pelz“ für einen Goblin, die auf Eng­lisch mit „coal pelts“ (anstatt „black pelts“) bzw. „rost pelts“ (anstatt „red pelts“ wie noch in der Über­set­zung der 4. Edi­ti­on[1]) wie­der­ge­gen wur­den. Alle Asso­zia­tio­nen mit Haut­far­ben sind bei der Über­set­zung ins Ame­ri­ka­ni­sche pro­ble­ma­tisch und wur­den daher mög­lichst vermieden.

Im Hin­blick auf den ame­ri­ka­ni­schen Markt wur­de u.a. auch die „Pro­sti­tu­ier­te“ als Cha­rak­ter­klas­se weg­ge­las­sen, da eine sol­che Erwäh­nung im ame­ri­ka­ni­schen Markt unziem­lich gewe­sen wäre.

Die Qua­li­tät der aktu­el­len ame­ri­ka­ni­schen Über­set­zung beruht zu einem Wesent­li­chen dar­auf, dass die Über­set­zung von Mut­ter­sprach­lern vor­ge­nom­men wur­de, die zum einen den ame­ri­ka­ni­schen Markt mit sei­nen Befind­lich­kei­ten ken­nen und zum ande­ren den Geist des deut­schen Ori­gi­nals erhal­ten. Zur gelun­ge­nen ame­ri­ka­ni­schen Über­set­zung hat der Ver­lag für die ame­ri­ka­ni­sche Über­set­zung ein inter­es­san­tes Video bereitgestellt: 

https://www.youtube.com/watch?v=O‑ESckO_jvM

Fran­zo­sen in den 80er Jah­ren oft obsku­re Übersetzungen

Die gelun­ge­ne ame­ri­ka­ni­sche Über­set­zung hebt sich deut­lich von der wenig um Kon­ti­nui­tät bemüh­ten fran­zö­si­schen Über­set­zung der 1980er Jah­re ab, wo Orts- und Per­so­nen­na­men teil­wei­se von Band zu Band oder gar völ­lig ent­frem­det über­setzt wur­den (z.B. „la rei­ne Bar­ba­ra[2] bzw. la rei­ne „Lydie[3] anstel­le von „Köni­gin Yppo­li­ta[4], „Prin­ce El Béraoun“[5] anstatt „Fürst Cua­nu Ui Ben­nain[6], „Bir­git Ger­re­fan[7] anstatt „Gesche Ger­re­fan[8] oder „Wornuk[9] bzw. „Beroued[10] anstatt „War­unk“ bzw. „Mher­wed“). Wird im deut­schen Ori­gi­nal von „Ras­tul­lah schla­ge ihn mit Krät­ze[11] gespro­chen, hieß es in der fran­zö­si­schen Über­set­zung „Puis­se Rastoul­lah le frap­per du cho­lé­ra![12] Dabei mag Cho­le­ra zwar wie Krät­ze eine Krank­heit bezeich­nen, doch sind bei­de Krank­hei­ten kaum mit­ein­an­der vergleichbar.

Nicht nur Namen wie der oben benann­te Name der Ama­zo­nen­kö­ni­gin Yppo­li­ta wur­den in ver­schie­de­nen fran­zö­si­schen Bän­den der ers­ten Edi­ti­on unter­schied­lich über­setzt, son­dern auch die Bezeich­nun­gen von Kreaturen.

© 2021 Cri­ti­cal News ‑Womit hat der Streu­ner den Tod verdient?

Bei­spiels­wei­se hieß der deut­sche „Tat­zel­wurm“ in dem Aben­teu­er „Der Streu­ner soll ster­ben“ (fran­zö­sisch „Le Bour­reau de Tha­lussa“) laut­lich ähn­lich „taras­que“, im Grund­re­gel­werk „Das Buch der Regeln“ (fran­zö­sisch „Le Liv­re des Règles“) und in dem Ergän­zungs­band „Hel­den, Mons­ter, dunk­le Mäch­te“ (fran­zö­sisch „Héros, Mons­tres et Forces Obscu­res“) hin­ge­gen abwei­chend „dra­gon volant“. Wäh­rend die mytho­lo­gi­sche Taras­que, ein aus Süd­frank­reich bekann­tes Unge­heu­er wohl Feu­er spu­cken konn­te[13], sich oft unter Was­ser auf­hielt[14] und auch nicht den ekel­er­re­gen­den Gestank eines aven­tu­ri­schen Tat­zel­wurms ver­strömt haben durf­te, weist die Benen­nung als „flie­gen­der Dra­che“ auf eine Eigen­schaft hin, die Tat­zel­wür­mer zumin­dest in den nach­fol­gen­den Edi­tio­nen nicht mehr hat­ten. Inso­fern wäre die Über­set­zung „taras­que“ deut­lich vor­zu­zie­hen, wenn auch nicht optimal.

© 2021 Cri­ti­cal News – Zwei fran­zö­si­sche Edi­tio­nen von „Durch das Tor der Welten“

Göt­ter­na­men ohne erkenn­ba­res Muster

Die neue fran­zö­si­sche Über­set­zung der 5. Rege­l­edi­ti­on bie­tet eine deut­lich bes­se­re Über­set­zungs­qua­li­tät, wel­che deut­lich näher am Ori­gi­nal ori­en­tiert ist und hof­fent­lich eine Kohä­renz inner­halb der ein­zel­nen Bän­de bei­be­hal­ten wird. Die Über­set­zer sind ganz offen­bar nicht den Weg gegan­gen, bis­he­ri­ge Set­zun­gen unver­än­dert zu übernehmen.

Wäh­rend die Über­set­zer der ers­ten Edi­ti­on bei­spiels­wei­se noch den Gott „Ras­tul­lah“ mit „Rastoul­lah“ über­setz­ten (s.o.), heißt es in der neu­en Über­set­zung „Ras­tul­lah[15].  Gewöh­nungs­be­dürf­tig ist die Über­set­zung der Zwölf­göt­ter in der 5. Auf­la­ge[16], die teil­wei­se sowohl von den Über­set­zun­gen der 1. Auf­la­ge des Spiels[17] als auch vom deut­schen Ori­gi­nal abweichen:

DeutschFran­zö­sisch (DSA 1)Fran­zö­sisch (DSA 5)
EfferdThy­losThy­los
FirunFiurnFirun
PhexPérexPhex
Inger­immGuérimmInguérimm

Im Sin­ne einer Spiel­kon­ti­nui­tät wäre es hier ver­mut­lich ange­bracht gewe­sen, die bereits ein­ge­führ­ten Namen für die Göt­ter bei­zu­be­hal­ten oder sich gene­rell stär­ker am Ori­gi­nal zu ori­en­tie­ren und daher zumin­dest „Thy­los“ durch einen ande­ren Namen zu ersetzen.

Wäh­rend die ame­ri­ka­ni­sche Über­set­zung das „Schwarz­pelz[18] für einen Ork mit einem „coal pelt“ über­setzt, ist die fran­zö­si­sche Über­set­zung „fourr­ure-noir[19] sinn­ge­mäß mit dem Deut­schen ver­gleich­bar. Eher mit der Les­bar­keit als mit der Über­set­zungs­qua­li­tät zu tun hat der feh­len­de Fett­druck an die­ser Stel­le des Regelwerks.

Orts­na­men inner­halb nur eines Ban­des abweichend

Auch die nie­der­län­di­schen Über­set­zun­gen der ers­ten Edi­ti­on waren nicht immer ganz frei von Über­set­zungs­feh­lern. So heißt der Name der titel­ge­ben­den Stadt in „Het Bloe­d­recht van Tha­lussa“ (Deutsch: „Der Streu­ner soll ster­ben“) im Titel „Tha­lussa“, im Text und der Kar­te im Band abwei­chend „Tha­lu­sa“ mit nur einem „s“.[20] Obwohl vie­le Namen in die­sem bei­spiel­haf­ten Aben­teu­er mit dem deut­schen Ori­gi­nal iden­tisch sind, gilt dies nicht in allen Fäl­len. So wur­de etwa der deut­sche Name „Prinz Selo von Khun­chom[21] auf Nie­der­län­disch mit „prins Seysha­ban va Rash­dul[22], „Prin­zes­sin Shen­ny von Tha­lu­sa[23] hin­ge­gen mit „prin­ses Aisha van Tha­lu­sa[24] übersetzt.

Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zur ita­lie­ni­schen Übersetzung

Die ita­lie­ni­sche Über­set­zung der 5. Edi­ti­on wird von „La Com­pa­gnia del­la Dodi­ci Gem­me “ her­aus­ge­ge­ben. Mit­ver­ant­wort­lich für die Über­set­zung war Lorenz Cuno Klop­fen­stein. Die­ser beschreibt sehr ein­dring­lich und aus­führ­lich die mit der Über­set­zung ins Ita­lie­ni­sche ver­bun­de­nen Schwierigkeiten.

Das ers­te Pro­blem war, dass es – ana­log wie im Ita­lie­ni­schen oder Nie­der­län­di­schen – bereits in den spä­ten 1980er Jah­ren eine ita­lie­ni­sche Über­set­zung gab. Daher muss­te die­se als Refe­renz­grund­la­ge über­nom­men wer­den, auch wenn eini­ge Aspek­te nicht mehr dem heu­ti­gen sta­tus quo ent­spre­chen. Immer­hin hat sich die Welt Aven­tu­ri­en seit damals in vie­len Punk­ten geän­dert. Hin­zu kommt, dass eini­ge der alten Über­set­zun­gen wenig prä­zi­se waren bzw. dass eini­ge der alten Namen über­setzt wor­den waren, ande­re nicht und wie­der ande­re feh­ler­haft. Dies sol­le nicht als Kri­tik an der Über­set­zung der ers­ten Auf­la­ge begrif­fen wer­den, da die­se recht gut gewe­sen sei und von vie­len Spie­lern im Ver­lauf der Jah­re mit gro­ßem Wohl­wol­len begrüßt wor­den sei. Wie auch immer, die Über­set­zung von Orts­na­men kön­ne nie­mals ein­fach und kann nie­mals wirk­lich „kor­rekt“ sein.

Unbe­kann­te Eigen­schaf­ten des Tat­zel­wurms maß­geb­lich für kor­rek­te Übersetzung

Als Bei­spiel für eine schlech­te Über­set­zung in der 1. Auf­la­ge benennt Klop­fen­stein den „Tat­zel­wurm“. Die­se Krea­tur habe im Ita­lie­ni­schen kei­ne eigen­stän­di­ge Über­set­zung, obwohl sie in der alpi­nen Folk­lo­re durch­aus vor­kom­me.  Sie habe aller­dings einen fran­zö­si­schen Namen, wel­cher nach sei­ner Kennt­nis „Aras­sas“ sei. In der 1. Auf­la­ge wur­de die Krea­tur mit „dra­go­ne volan­te“ (d.h. „flie­gen­der Dra­che“) über­setzt, dies obwohl ein Tat­zel­wurm eine flug­un­fä­hi­ge Krea­tur ist. Da weder „Das Buch der Regeln“ noch „Aven­tu­ri­en“, die für die ers­te Edi­ti­on maß­geb­li­chen Beschrei­bun­gen für den Tat­zel­wurm, die­sem Aspekt Beach­tung schenk­ten, konn­ten die dama­li­gen Über­set­zer von die­sem Umstand kei­ne Kennt­nis haben und dies daher bei der Über­set­zung nicht berück­sich­ti­gen. Bei der Neu­über­set­zung muss­te ent­spre­chend eine pas­sen­de Über­set­zung gefun­den wer­den, so dass nun­mehr von einem „tas­sel­ver­me“ die Rede ist.

Piz­za Ris­tor­an­te bie­tet wenig Fantasy-Flair

Eine wei­te­re Schwie­rig­keit beim Über­set­zen waren kul­tu­rel­le Aspek­te. Da „Das Schwar­ze Auge“ ein deut­sches Spiel ist, wei­se die Welt ein spe­zi­fisch deut­sches Flair auf, die auch einen Teil ihres Charmes aus­ma­che. Selbst die exo­ti­sche­ren Kom­po­nen­ten (z.B. Regio­nen wie Süd­aven­tu­ri­en, das Born­land oder Thor­wal), Eigen­na­men und Ört­lich­kei­ten klin­gen für Klop­fen­stein als Ita­lie­ner eher wie ein „exo­ti­sches Deutsch“. Für einen Ita­lie­ner ist dies sehr auf­fäl­lig. Ins­be­son­de­re gilt dies für das Horas­reich, wo vie­le Orte wie kor­rum­pier­tes Ita­lie­nisch klin­gen. Es sei ein biss­chen wie „Tas­si­mo“, „Piz­za Ris­tor­an­te“ oder ande­re Pro­duk­te, die in Deutsch­land ver­kauft wer­den, um ein ita­lie­ni­sches Flair zu ver­mit­teln, für einen Ita­lie­ner aber sehr deplat­ziert wirken.

© 2021 Cri­ti­cal News – Ame­ri­ka­ni­sche Sammleredition

Für wirk­lich deutsch klin­gen­de Namen, etwa rund um das Mit­tel­reich (Grei­fen­furt, Wagen­halt, Wehr­heim, Wen­gen­holm etc., aber auch für Fami­li­en­na­men wie Raben­mund, Zorn­brecht, Ehren­stein, Bre­gel­saum etc.) hat­ten die ita­lie­ni­schen Über­set­zer die Wahl, ent­we­der unver­än­dert den deut­schen Namen zu über­neh­men oder ihn durch einen über­setz­ten Namen zu erset­zen, der die ent­spre­chen­de Bedeu­tung transportierte.

Hier kön­ne es natur­ge­mäß kein „rich­tig“ oder „falsch“ geben. In der ers­ten Vari­an­te bewah­re man den Geist des Ori­gi­nals und damit den Ein­druck eines „mit­tel­al­ter­lich-deut­schen“ Set­tings intakt, neh­me aber in Kauf, dass die mit den Namen ver­bun­de­nen Kon­no­ta­tio­nen ver­lo­ren gehen.

Die zwei­te Vari­an­te ermög­licht die Kon­ti­nui­tät zwi­schen den Edi­tio­nen, nimmt aber in Kauf, dass man­che Namen sehr son­der­bar klin­gen, dafür wird es den Lesern ermög­licht, zu ver­ste­hen, wel­che Bedeu­tung mit einem Namen ver­bun­den sei und wie man Städ­te- und Fami­li­en­na­men kor­rekt aus­spre­che; was für einen Ita­lie­ner sonst nicht immer ein­fach sei.

Die ame­ri­ka­ni­sche Edi­ti­on ori­en­tier­te sich ten­den­zi­ell an die­sem zwei­ten Ansatz, mach­te aber diver­se Aus­nah­men. Dabei half die gro­ße Ähn­lich­keit zwi­schen der eng­li­schen und der deut­schen Spra­che, da die Les­bar­keit auch dann erhal­ten blieb, wenn gewis­se Wor­te, Orts­na­men oder Eigen­na­men unüber­setzt blieben

Zusam­men­ge­setz­te Nomen cha­rak­te­ris­tisch für das Deutsche

Für die roma­ni­schen Spra­chen Ita­lie­nisch, Spa­nisch und Fran­zö­sisch ist dies nicht so ein­fach, da die Sprach­struk­tur eine völ­lig ande­re ist: auf Ita­lie­nisch ist es sehr schwer, zusam­men­ge­setz­te Wor­te zu bil­den, wie sie im Deut­schen sehr üblich sind; außer­dem klin­ge sie auf Ita­lie­nisch oft sehr deplat­ziert. So las­sen sich etwa eini­ge im Deut­schen zusam­men­ge­setz­te Wor­te gar nicht erst auf die glei­che Art und Wei­se über­set­zen, z.B. „Troll­pfor­te“ (Ita­lie­nisch: „Por­ta dei Troll“), „See­land“ (Ita­lie­nisch: „Ter­ra dei Laghi“) oder „Efferd­wall“ (Ita­lie­nisch: „Vallo di Efferd“). Die­se Über­set­zun­gen sei­en Klop­fen­stein zufol­ge nicht schlecht per se, klin­gen aber oft wie „gene­ri­sche High-Fan­ta­sy-Beschrei­bun­gen“ (z.B. „das Schwert des Schick­sals“, „die Kro­ne des Blu­tes“ etc.).

In den meis­ten Fäl­len sei­en die ita­lie­ni­schen Über­set­zer einem lin­gu­is­tisch kor­rek­ten Ansatz gefolgt. Das beginnt mit ita­lie­ni­schen Wor­ten, die ver­bun­den und zu einem Wort kor­rum­piert wur­den. Es gibt eine Rei­he von Über­set­zun­gen, mit denen das Über­set­zer­team sehr zufrie­den sei, so etwas „Luser­tor­ba“ für „Echs­moos“ (dabei ist „luser“ eine Ablei­tung von „lucer­to­la“ = „Eidech­se“), „Albi­go­ra“ für „Wei­ßen­moor“ („albus“ ist Latei­nisch für „weiß“ und „Gora“ ein obsku­res Wort für „Sumpf“) und „Gual­di­for­te“ für „Wald­wacht“ („gual­do“ ist eine Kor­rum­pie­rung des lan­go­bar­di­schen Wor­tes für „Wald“, das sich in vie­len ita­lie­ni­schen Wor­ten fin­det). „Fras­si­lon­ca“ für „Eschen­furt“ („fras­si­no“ bedeu­tet „Esche“, „lon­ca“ ist eine Kor­rum­pie­rung eines sla­vi­schen Wor­tes mit der Bedeu­tung „nied­rig gele­ge­nes Ter­rain“, was zum bor­ni­schen Set­ting passt).

Wort­spie­le oft nur schwer übersetzbar

Ein beson­de­rer Alp­traum für Über­set­zer sind die sehr häu­fi­gen Wort­spie­le. Zunächst ein­mal müs­se man sie über­haupt erken­nen, zum ande­ren müs­se man erst ein­mal eine pas­sen­de Über­set­zung in der jewei­li­gen Lan­des­spra­che finden.

Bei­spiel­haft sei die Stadt „Zwerch“ benannt, die den Namen auf­grund ihres zwer­gi­schen Bezugs trägt. Hin­zu kommt im Deut­schen aber ein Wort­spiel mit „Zwerch­fell“. Nach lan­gem Nach­den­ken ent­schied man sich für „nan­bu­ro“ von „nano“ („Zwerg“) und „tam­bu­ro“ („Trom­mel“), was zum einen wie ein mehr oder min­der rea­lis­ti­scher Orts­na­me klingt und zum ande­ren eine Anspie­lung auch auf Zwerch­fel­le ermög­licht, also „pel­li di tam­bo­ro“ / „pel­li di nan­bu­ro“.

Ein ande­res Bei­spiel sind die bei­den Städ­te „Hinzk“ und „Kunzk“. Auf Ita­lie­nisch wäre dies „Tizio“ und „Caio“, so dass die Städ­te als „Titz­jo“ und „Kai­jo“ benannt wur­den und das ein­ge­füg­te „j“ einen bor­ni­schen Klang bewir­ken sollte.

Eben­falls mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den, ist die Über­set­zung von Fami­li­en­na­men: Ans­win von Raben­mund erschien zunächst als Ant­ago­nist in dem Aben­teu­er „Die Ver­schwö­rung von Gareth“. Hin­zu kom­men die zahl­rei­chen und fort­ge­setz­ten Anspie­lun­gen auf einen Raben. Wie auch immer, in der ursprüng­li­chen ers­ten Auf­la­ge blieb „von Raben­mund“ unüber­setzt, so dass Spie­ler ohne Deutsch­kennt­nis­se nicht erken­nen konn­ten, dass es zwi­schen dem Namen der Fami­lie und dem Tier einen Bezug gab. In der fran­zö­si­schen Über­set­zung wur­de statt­des­sen „de Cor­be­au­lie“ gewählt, was deut­lich mehr Sinn mach­te. In die­sem Fall wur­de für die ita­lie­ni­sche Über­set­zung der 5 Edi­ti­on ein Ret­con vor­ge­nom­men und nun­mehr die Über­set­zung mit „di Cor­vi­mun­do“ („cor­vo“ = „Rabe“) vorgenommen.

Man­che Über­set­zun­gen nur abwei­chend möglich

Geht man nun zum ein­gangs gewähl­ten Bei­spiel des Tat­zel­wurms zurück, so gäbe es oft kei­ne brauch­ba­re Über­set­zung für eine kon­kre­te Krea­tur oder ein ent­spre­chen­des Kon­zept, da eine Über­set­zung dazu füh­ren wür­de, das Ori­gi­nal auf gewis­se Art und Wei­se zu korrumpieren.

Ein Bei­spiel hier­für ist der „Wald­schrat“ (oder jeder ande­re „Schrat“): in der ers­ten Auf­la­ge wur­de die­ser als „gno­mo dei boschi“ („Gnom des Wal­des“) über­setzt, was auf eine gewis­se Art und Wei­se funk­tio­nie­re, die Über­set­zung wir­ke aller­dings sehr gene­risch und ver­lie­re etwas von ihrer Spe­zi­fi­tät. In die­sem Fall ent­schied sich das ita­lie­ni­sche Team für „bos­cra­to“, so dass die pho­ne­ti­sche Grund­la­ge erhal­ten blieb und das Wort „bosco“ („Wald“) ergänzt wur­de. Für einen Ita­lie­ner tra­ge die­se Über­set­zung zwar kei­nen Bedeu­tungs­in­halt, erlaub­te es dem Wald­schrat aller­dings sein spe­zi­fi­sches Wesen zu erhalten.

Glei­ches konn­te für den „Kla­bau­ter­mann“ oder den „Tat­zel­wurm“ gesagt wer­de. Bei­de exis­tie­ren in der deut­schen Folk­lo­re und kön­nen nicht rich­tig über­setzt wer­den, ohne dass dabei etwas ver­lo­ren geht. Im ers­ten Fall erhielt das ita­lie­ni­sche Über­set­zer­team die Ori­gi­nal­be­zeich­nung als rela­tiv bekann­te Vari­an­te eines Kobolds, wäh­rend im zwei­ten Fall eine pho­ne­ti­sche Anpas­sung zu „tas­sel­ver­me“ erfolg­te. Dabei ging zwar die sprach­li­che Ver­knüp­fung zu „Tat­ze“ ver­lo­ren, dafür wur­de die Ver­knüp­fung zu „Wurm“ („ver­me“) ver­stärkt und erhielt den Klang des deut­schen Namens.

Ande­re kul­tu­rel­le Befind­lich­kei­ten im Ita­lie­ni­schen als im Amerikanischen

Bezo­gen auf kul­tu­rel­le Ange­le­gen­hei­ten wie „Schwarz­pel­ze“ (Orks) / „Rot­pel­ze“ (Goblins) sei­en die Ita­lie­ner vor ähn­li­che Her­aus­for­de­run­gen wie die Ame­ri­ka­ner gesto­ßen. Das Ras­sis­mus­the­ma wer­de in Ita­li­en als weni­ger pro­ble­ma­tisch als in den USA ange­se­hen, den­noch wur­de auf­grund der sehr inte­gra­ti­ven Natur von DSA dar­auf geach­tet, Namen zu ver­wen­den, die auf Ita­lie­nisch einen ras­sis­ti­schen Bei­klang hat­ten. So wur­de etwa „coten­ne nere“ für „Schwarz­pel­ze“ gewählt, wobei „coten­na“ ein gene­ri­scher Begriff für Schwei­ne­haut oder ‑leder ist. Dies erlaub­te es den Ita­lie­nern jed­we­de Haut­far­ben­pro­ble­ma­tik zu ver­hin­dern und sehr weit­ge­hend eine Asso­zia­ti­on mit einem Wild­schein­ähn­li­chen Namen zu ver­mit­teln, was Klop­fen­stein sehr ange­mes­sen für Orks erscheine.

Gru­go rosso“ wur­de als Über­set­zung für „Rot­pel­ze“ gewählt, wobei „grug­no“ in etwa für „Schnau­ze“ ste­he, was den Ita­lie­nern als pas­send für die mehr affen­ähn­li­chen Goblins erschien.

Die­se Über­set­zun­gen sehe man nicht als ide­al an, sei­en aber laut­lich hin­rei­chend weit weg von ras­sis­ti­schen Bei­na­men der rea­len Welt.

Hin­weis: Das Schwar­ze Auge, Aven­tu­ri­en und Dere sind ein­ge­tra­ge­ne Mar­ken der Signi­fi­cant GbR. Alle Rech­te von Ulis­ses Spie­le GmbH vorbehalten.


[1] Micha­el Brandt, Lena Fal­ken­ha­gen u.a. „World of Aven­tu­ria”, Fan­ta­sy Pro­duc­tions, 2006, S. 123

[2] Ulrich Kiesow „La Rei­ne des Ama­zo­nes ou la Magie du Mal“, Gal­li­mard, 1986 (folio juni­or), durchgängig

[3] Rein­hold H. Mai und Andre­as Blu­men­kamp „Le Tour­noi des Félons ou Con­spi­ra­ti­on dans la ville impé­ria­le“, Gall­mi­ard, 1986 (folio juni­or), S. 118 – 119

[4] Ulrich Kiesow „Die Göt­tin der Ama­zo­nen oder der Zau­ber des Bösen“, Schmidt Spie­le / Droe­mer Knaur, 1985, durch­gän­gig. bzw. Ulrich Kiesow „Die Ver­schwö­rung von Gareth oder das Tur­nier in der Kai­ser­stadt“, Schmidt Spie­le / Droe­mer Knaur, 1985, S. 54

[5] Rein­hold H. Mai und Andre­as Blu­men­kamp „Le Tour­noi des Félons ou Con­spi­ra­ti­on dans la ville impé­ria­le“, Gall­mi­ard, 1986 (folio juni­or), S. 116

[6] Ulrich Kiesow „Die Ver­schwö­rung von Gareth oder das Tur­nier in der Kai­ser­stadt“, Schmidt Spie­le / Droe­mer Knaur, 1985, S. 52

[7] Ulrich Kiesow „Le Fleuve de Désast­re“, Gal­li­mard, 1985 (folio juni­or) S. 33 

[8] Ulrich Kiesow „Der Strom des Ver­der­bens“, Schmidt Spie­le / Droe­mer Knaur, 1985, S. 16

[9] Ulrich Kiesow „La Rei­ne des Ama­zo­nes ou la Magie du Mal“, Gal­li­mard, 1986 (folio juni­or), Plan I

[10] Ulrich Kiesow „Le Bour­reau de Tha­lussa ou Les Let­t­res de Sang“, Gal­li­mard, 1986 (folio juni­or), Karte

[11] Ulrich Kiesow „Nedi­me – die Toch­ter des Kali­fen“, Schmidt Spie­le / Droe­mer Knaur, 1984, S. 10

[12] Ulrich Kiesow „La fil­le du Cali­fe“, Gal­li­mard, 1984 (folio juni­or), S. 18

[13] Sie­he z.B. https://​meinfrank​reich​.com/​t​a​r​a​s​c​on/

[14] Sie­he z.B. https://​folk​lo​re​-socie​ty​.com/​m​i​s​c​e​l​l​a​n​y​/​t​a​r​a​s​q​ue/

[15] David Bur­ck­le (Hg) : „L’Œil Noir. Le jeu de rôle et d’aventure“ von Eeevie Demir­tel, Dani­el Simon Rich­ter und Alex Spohr, Black Book Édi­ti­ons, 2019, S. 7

[16] David Bur­ck­le (Hg) : „L’Œil Noir. Le jeu de rôle et d’aventure“ von Eeevie Demir­tel, Dani­el Simon Rich­ter und Alex Spohr, Black Book Édi­ti­ons, 2019, S. 10

[17] Wer­ner Fuchs „Le Liv­re des Règles II“, Gal­li­mard, 1986 (folio juni­or), S. 32 – 39

[18] Eeevie Demir­tel, Dani­el Simon Rich­ter und Alex Spohr „Das Schwar­ze Auge. Regel­werk“, Ulis­ses, 2. über­ar­bei­te­te Auf­la­ge 2015, S. 7

[19] David Bur­ck­le (Hg.): „L’Œil Noir. Le jeu de rôle et d’aventure“ von Eeevie Demir­tel, Dani­el Simon Rich­ter und Alex Spohr, Black Book Édi­ti­ons, 2019, S. 7

[20] Ulrich Kiesow „Het Bloe­d­recht van Tha­lussa“, Ant­wer­pen, F.P.O., 1996, Titel­sei­te und durchgängig

[21] Ulrich Kiesow „Der Streu­ner soll ster­ben“, Mün­chen, Droe­mer Knaur / Schmidt Spie­le, 1985, S. 53

[22] Ulrich Kiesow „Het Bloe­d­recht van Tha­lussa“, Ant­wer­pen, F.P.O., 1996, S. 40

[23] Ulrich Kiesow „Der Streu­ner soll ster­ben“, Mün­chen, Droe­mer Knaur / Schmidt Spie­le, 1985, S. 52

[24] Ulrich Kiesow „Het Bloe­d­recht van Tha­lussa“, Ant­wer­pen, F.P.O., 1996, S. 39

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