Inter­na­tio­nale Über­set­zungen nicht immer einfach

Der deut­sche Spie­le­verlag „Ulisses Spiele“ ver­öf­fent­licht sein Fan­tasy-Rol­len­spiel „Das Schwarze Auge“ (DSA) mitt­ler­weile in immer mehr Spra­chen. Dabei werden nicht alle Über­set­zungen im eigenen Hause umge­setzt, auch wenn der Verlag unterstützt.

© 2021 Cri­tical News ‑Ita­lie­ni­sches Unikat

An dieser Stelle soll nicht unter­schlagen werden, dass bereits seit Mitte der 1980er Jahre die ersten Über­set­zungen durch die Vor­gän­ger­ver­lage auf Ame­ri­ka­nisch, Fran­zö­sisch, Ita­lie­nisch und Nie­der­län­disch erfolgten.

Gelun­gene ame­ri­ka­ni­sche Übersetzung

Nicht immer gestaltet sich das Über­setzen von einer Sprache in eine andere als ein­fach. So konnte etwa das deut­sche „Das Schwarze Auge“ nicht ein­fach eng­lisch in „The Black Eye“ über­setzt werden, da dies dem deut­schen „das Blaue Auge“ ent­spre­chen würde. Andere Pro­bleme berei­teten die deut­schen Begriffe „Schwarz­pelz“ für einen Ork bzw. „Rot­pelz“ für einen Goblin, die auf Eng­lisch mit „coal pelts“ (anstatt „black pelts“) bzw. „rost pelts“ (anstatt „red pelts“ wie noch in der Über­set­zung der 4. Edi­tion[1]) wie­der­gegen wurden. Alle Asso­zia­tionen mit Haut­farben sind bei der Über­set­zung ins Ame­ri­ka­ni­sche pro­ble­ma­tisch und wurden daher mög­lichst vermieden.

Im Hin­blick auf den ame­ri­ka­ni­schen Markt wurde u.a. auch die „Pro­sti­tu­ierte“ als Cha­rak­ter­klasse weg­ge­lassen, da eine solche Erwäh­nung im ame­ri­ka­ni­schen Markt unziem­lich gewesen wäre.

Die Qua­lität der aktu­ellen ame­ri­ka­ni­schen Über­set­zung beruht zu einem Wesent­li­chen darauf, dass die Über­set­zung von Mut­ter­sprach­lern vor­ge­nommen wurde, die zum einen den ame­ri­ka­ni­schen Markt mit seinen Befind­lich­keiten kennen und zum anderen den Geist des deut­schen Ori­gi­nals erhalten. Zur gelun­genen ame­ri­ka­ni­schen Über­set­zung hat der Verlag für die ame­ri­ka­ni­sche Über­set­zung ein inter­es­santes Video bereitgestellt: 

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Fran­zosen in den 80er Jahren oft obskure Übersetzungen

Die gelun­gene ame­ri­ka­ni­sche Über­set­zung hebt sich deut­lich von der wenig um Kon­ti­nuität bemühten fran­zö­si­schen Über­set­zung der 1980er Jahre ab, wo Orts- und Per­so­nen­namen teil­weise von Band zu Band oder gar völlig ent­fremdet über­setzt wurden (z.B. „la reine Bar­bara[2] bzw. la reine „Lydie[3] anstelle von „Königin Yppo­lita[4], „Prince El Béraoun“[5] anstatt „Fürst Cuanu Ui Ben­nain[6], „Birgit Ger­refan[7] anstatt „Gesche Ger­refan[8] oder „Wornuk[9] bzw. „Beroued[10] anstatt „Warunk“ bzw. „Mherwed“). Wird im deut­schen Ori­ginal von „Ras­tullah schlage ihn mit Krätze[11] gespro­chen, hieß es in der fran­zö­si­schen Über­set­zung „Puisse Rastoullah le frapper du cho­léra![12] Dabei mag Cho­lera zwar wie Krätze eine Krank­heit bezeichnen, doch sind beide Krank­heiten kaum mit­ein­ander vergleichbar.

Nicht nur Namen wie der oben benannte Name der Ama­zo­nen­kö­nigin Yppo­lita wurden in ver­schie­denen fran­zö­si­schen Bänden der ersten Edi­tion unter­schied­lich über­setzt, son­dern auch die Bezeich­nungen von Kreaturen.

© 2021 Cri­tical News ‑Womit hat der Streuner den Tod verdient?

Bei­spiels­weise hieß der deut­sche „Tat­zel­wurm“ in dem Aben­teuer „Der Streuner soll sterben“ (fran­zö­sisch „Le Bour­reau de Tha­lussa“) laut­lich ähn­lich „tarasque“, im Grund­re­gel­werk „Das Buch der Regeln“ (fran­zö­sisch „Le Livre des Règles“) und in dem Ergän­zungs­band „Helden, Monster, dunkle Mächte“ (fran­zö­sisch „Héros, Mons­tres et Forces Obscures“) hin­gegen abwei­chend „dragon volant“. Wäh­rend die mytho­lo­gi­sche Tarasque, ein aus Süd­frank­reich bekanntes Unge­heuer wohl Feuer spu­cken konnte[13], sich oft unter Wasser auf­hielt[14] und auch nicht den ekel­er­re­genden Gestank eines aven­tu­ri­schen Tat­zel­wurms ver­strömt haben durfte, weist die Benen­nung als „flie­gender Drache“ auf eine Eigen­schaft hin, die Tat­zel­würmer zumin­dest in den nach­fol­genden Edi­tionen nicht mehr hatten. Inso­fern wäre die Über­set­zung „tarasque“ deut­lich vor­zu­ziehen, wenn auch nicht optimal.

© 2021 Cri­tical News – Zwei fran­zö­si­sche Edi­tionen von „Durch das Tor der Welten“

Göt­ter­namen ohne erkenn­bares Muster

Die neue fran­zö­si­sche Über­set­zung der 5. Rege­ledi­tion bietet eine deut­lich bes­sere Über­set­zungs­qua­lität, welche deut­lich näher am Ori­ginal ori­en­tiert ist und hof­fent­lich eine Kohä­renz inner­halb der ein­zelnen Bände bei­be­halten wird. Die Über­setzer sind ganz offenbar nicht den Weg gegangen, bis­he­rige Set­zungen unver­än­dert zu übernehmen.

Wäh­rend die Über­setzer der ersten Edi­tion bei­spiels­weise noch den Gott „Ras­tullah“ mit „Rastoullah“ über­setzten (s.o.), heißt es in der neuen Über­set­zung „Ras­tullah[15].  Gewöh­nungs­be­dürftig ist die Über­set­zung der Zwölf­götter in der 5. Auf­lage[16], die teil­weise sowohl von den Über­set­zungen der 1. Auf­lage des Spiels[17] als auch vom deut­schen Ori­ginal abweichen:

DeutschFran­zö­sisch (DSA 1)Fran­zö­sisch (DSA 5)
EfferdThylosThylos
FirunFiurnFirun
PhexPérexPhex
IngerimmGuérimmInguérimm

Im Sinne einer Spiel­kon­ti­nuität wäre es hier ver­mut­lich ange­bracht gewesen, die bereits ein­ge­führten Namen für die Götter bei­zu­be­halten oder sich gene­rell stärker am Ori­ginal zu ori­en­tieren und daher zumin­dest „Thylos“ durch einen anderen Namen zu ersetzen.

Wäh­rend die ame­ri­ka­ni­sche Über­set­zung das „Schwarz­pelz[18] für einen Ork mit einem „coal pelt“ über­setzt, ist die fran­zö­si­sche Über­set­zung „four­rure-noir[19] sinn­gemäß mit dem Deut­schen ver­gleichbar. Eher mit der Les­bar­keit als mit der Über­set­zungs­qua­lität zu tun hat der feh­lende Fett­druck an dieser Stelle des Regelwerks.

Orts­namen inner­halb nur eines Bandes abweichend

Auch die nie­der­län­di­schen Über­set­zungen der ersten Edi­tion waren nicht immer ganz frei von Über­set­zungs­feh­lern. So heißt der Name der titel­ge­benden Stadt in „Het Blo­e­drecht van Tha­lussa“ (Deutsch: „Der Streuner soll sterben“) im Titel „Tha­lussa“, im Text und der Karte im Band abwei­chend „Tha­lusa“ mit nur einem „s“.[20] Obwohl viele Namen in diesem bei­spiel­haften Aben­teuer mit dem deut­schen Ori­ginal iden­tisch sind, gilt dies nicht in allen Fällen. So wurde etwa der deut­sche Name „Prinz Selo von Khun­chom[21] auf Nie­der­län­disch mit „prins Seyshaban va Rashdul[22], „Prin­zessin Shenny von Tha­lusa[23] hin­gegen mit „prinses Aisha van Tha­lusa[24] übersetzt.

Aus­führ­liche Infor­ma­tionen zur ita­lie­ni­schen Übersetzung

Die ita­lie­ni­sche Über­set­zung der 5. Edi­tion wird von „La Com­pa­gnia della Dodici Gemme “ her­aus­ge­geben. Mit­ver­ant­wort­lich für die Über­set­zung war Lorenz Cuno Klop­fen­stein. Dieser beschreibt sehr ein­dring­lich und aus­führ­lich die mit der Über­set­zung ins Ita­lie­ni­sche ver­bun­denen Schwierigkeiten.

Das erste Pro­blem war, dass es – analog wie im Ita­lie­ni­schen oder Nie­der­län­di­schen – bereits in den späten 1980er Jahren eine ita­lie­ni­sche Über­set­zung gab. Daher musste diese als Refe­renz­grund­lage über­nommen werden, auch wenn einige Aspekte nicht mehr dem heu­tigen status quo ent­spre­chen. Immerhin hat sich die Welt Aven­tu­rien seit damals in vielen Punkten geän­dert. Hinzu kommt, dass einige der alten Über­set­zungen wenig prä­zise waren bzw. dass einige der alten Namen über­setzt worden waren, andere nicht und wieder andere feh­ler­haft. Dies solle nicht als Kritik an der Über­set­zung der ersten Auf­lage begriffen werden, da diese recht gut gewesen sei und von vielen Spie­lern im Ver­lauf der Jahre mit großem Wohl­wollen begrüßt worden sei. Wie auch immer, die Über­set­zung von Orts­namen könne nie­mals ein­fach und kann nie­mals wirk­lich „kor­rekt“ sein.

Unbe­kannte Eigen­schaften des Tat­zel­wurms maß­geb­lich für kor­rekte Übersetzung

Als Bei­spiel für eine schlechte Über­set­zung in der 1. Auf­lage benennt Klop­fen­stein den „Tat­zel­wurm“. Diese Kreatur habe im Ita­lie­ni­schen keine eigen­stän­dige Über­set­zung, obwohl sie in der alpinen Folk­lore durchaus vor­komme.  Sie habe aller­dings einen fran­zö­si­schen Namen, wel­cher nach seiner Kenntnis „Arassas“ sei. In der 1. Auf­lage wurde die Kreatur mit „dra­gone volante“ (d.h. „flie­gender Drache“) über­setzt, dies obwohl ein Tat­zel­wurm eine flug­un­fä­hige Kreatur ist. Da weder „Das Buch der Regeln“ noch „Aven­tu­rien“, die für die erste Edi­tion maß­geb­li­chen Beschrei­bungen für den Tat­zel­wurm, diesem Aspekt Beach­tung schenkten, konnten die dama­ligen Über­setzer von diesem Umstand keine Kenntnis haben und dies daher bei der Über­set­zung nicht berück­sich­tigen. Bei der Neu­über­set­zung musste ent­spre­chend eine pas­sende Über­set­zung gefunden werden, so dass nun­mehr von einem „tas­sel­verme“ die Rede ist.

Pizza Ris­tor­ante bietet wenig Fantasy-Flair

Eine wei­tere Schwie­rig­keit beim Über­setzen waren kul­tu­relle Aspekte. Da „Das Schwarze Auge“ ein deut­sches Spiel ist, weise die Welt ein spe­zi­fisch deut­sches Flair auf, die auch einen Teil ihres Charmes aus­mache. Selbst die exo­ti­scheren Kom­po­nenten (z.B. Regionen wie Süd­aven­tu­rien, das Born­land oder Thorwal), Eigen­namen und Ört­lich­keiten klingen für Klop­fen­stein als Ita­liener eher wie ein „exo­ti­sches Deutsch“. Für einen Ita­liener ist dies sehr auf­fällig. Ins­be­son­dere gilt dies für das Horas­reich, wo viele Orte wie kor­rum­piertes Ita­lie­nisch klingen. Es sei ein biss­chen wie „Tas­simo“, „Pizza Ris­tor­ante“ oder andere Pro­dukte, die in Deutsch­land ver­kauft werden, um ein ita­lie­ni­sches Flair zu ver­mit­teln, für einen Ita­liener aber sehr deplat­ziert wirken.

© 2021 Cri­tical News – Ame­ri­ka­ni­sche Sammleredition

Für wirk­lich deutsch klin­gende Namen, etwa rund um das Mit­tel­reich (Grei­fen­furt, Wagen­halt, Wehr­heim, Wen­gen­holm etc., aber auch für Fami­li­en­namen wie Raben­mund, Zorn­brecht, Ehren­stein, Bre­gel­saum etc.) hatten die ita­lie­ni­schen Über­setzer die Wahl, ent­weder unver­än­dert den deut­schen Namen zu über­nehmen oder ihn durch einen über­setzten Namen zu ersetzen, der die ent­spre­chende Bedeu­tung transportierte.

Hier könne es natur­gemäß kein „richtig“ oder „falsch“ geben. In der ersten Vari­ante bewahre man den Geist des Ori­gi­nals und damit den Ein­druck eines „mit­tel­al­ter­lich-deut­schen“ Set­tings intakt, nehme aber in Kauf, dass die mit den Namen ver­bun­denen Kon­no­ta­tionen ver­loren gehen.

Die zweite Vari­ante ermög­licht die Kon­ti­nuität zwi­schen den Edi­tionen, nimmt aber in Kauf, dass manche Namen sehr son­derbar klingen, dafür wird es den Lesern ermög­licht, zu ver­stehen, welche Bedeu­tung mit einem Namen ver­bunden sei und wie man Städte- und Fami­li­en­namen kor­rekt aus­spreche; was für einen Ita­liener sonst nicht immer ein­fach sei.

Die ame­ri­ka­ni­sche Edi­tion ori­en­tierte sich ten­den­ziell an diesem zweiten Ansatz, machte aber diverse Aus­nahmen. Dabei half die große Ähn­lich­keit zwi­schen der eng­li­schen und der deut­schen Sprache, da die Les­bar­keit auch dann erhalten blieb, wenn gewisse Worte, Orts­namen oder Eigen­namen unüber­setzt blieben

Zusam­men­ge­setzte Nomen cha­rak­te­ris­tisch für das Deutsche

Für die roma­ni­schen Spra­chen Ita­lie­nisch, Spa­nisch und Fran­zö­sisch ist dies nicht so ein­fach, da die Sprach­struktur eine völlig andere ist: auf Ita­lie­nisch ist es sehr schwer, zusam­men­ge­setzte Worte zu bilden, wie sie im Deut­schen sehr üblich sind; außerdem klinge sie auf Ita­lie­nisch oft sehr deplat­ziert. So lassen sich etwa einige im Deut­schen zusam­men­ge­setzte Worte gar nicht erst auf die gleiche Art und Weise über­setzen, z.B. „Troll­pforte“ (Ita­lie­nisch: „Porta dei Troll“), „See­land“ (Ita­lie­nisch: „Terra dei Laghi“) oder „Efferd­wall“ (Ita­lie­nisch: „Vallo di Efferd“). Diese Über­set­zungen seien Klop­fen­stein zufolge nicht schlecht per se, klingen aber oft wie „gene­ri­sche High-Fan­tasy-Beschrei­bungen“ (z.B. „das Schwert des Schick­sals“, „die Krone des Blutes“ etc.).

In den meisten Fällen seien die ita­lie­ni­schen Über­setzer einem lin­gu­is­tisch kor­rekten Ansatz gefolgt. Das beginnt mit ita­lie­ni­schen Worten, die ver­bunden und zu einem Wort kor­rum­piert wurden. Es gibt eine Reihe von Über­set­zungen, mit denen das Über­set­zer­team sehr zufrieden sei, so etwas „Luser­torba“ für „Echs­moos“ (dabei ist „luser“ eine Ablei­tung von „lucer­tola“ = „Eidechse“), „Albi­gora“ für „Wei­ßen­moor“ („albus“ ist Latei­nisch für „weiß“ und „Gora“ ein obskures Wort für „Sumpf“) und „Gual­di­forte“ für „Wald­wacht“ („gualdo“ ist eine Kor­rum­pie­rung des lan­go­bar­di­schen Wortes für „Wald“, das sich in vielen ita­lie­ni­schen Worten findet). „Fras­si­lonca“ für „Eschen­furt“ („fras­sino“ bedeutet „Esche“, „lonca“ ist eine Kor­rum­pie­rung eines sla­vi­schen Wortes mit der Bedeu­tung „niedrig gele­genes Ter­rain“, was zum bor­ni­schen Set­ting passt).

Wort­spiele oft nur schwer übersetzbar

Ein beson­derer Alp­traum für Über­setzer sind die sehr häu­figen Wort­spiele. Zunächst einmal müsse man sie über­haupt erkennen, zum anderen müsse man erst einmal eine pas­sende Über­set­zung in der jewei­ligen Lan­des­sprache finden.

Bei­spiel­haft sei die Stadt „Zwerch“ benannt, die den Namen auf­grund ihres zwer­gi­schen Bezugs trägt. Hinzu kommt im Deut­schen aber ein Wort­spiel mit „Zwerch­fell“. Nach langem Nach­denken ent­schied man sich für „nan­buro“ von „nano“ („Zwerg“) und „tam­buro“ („Trommel“), was zum einen wie ein mehr oder minder rea­lis­ti­scher Orts­name klingt und zum anderen eine Anspie­lung auch auf Zwerch­felle ermög­licht, also „pelli di tam­boro“ / „pelli di nan­buro“.

Ein anderes Bei­spiel sind die beiden Städte „Hinzk“ und „Kunzk“. Auf Ita­lie­nisch wäre dies „Tizio“ und „Caio“, so dass die Städte als „Titzjo“ und „Kaijo“ benannt wurden und das ein­ge­fügte „j“ einen bor­ni­schen Klang bewirken sollte.

Eben­falls mit Schwie­rig­keiten ver­bunden, ist die Über­set­zung von Fami­li­en­namen: Answin von Raben­mund erschien zunächst als Ant­ago­nist in dem Aben­teuer „Die Ver­schwö­rung von Gareth“. Hinzu kommen die zahl­rei­chen und fort­ge­setzten Anspie­lungen auf einen Raben. Wie auch immer, in der ursprüng­li­chen ersten Auf­lage blieb „von Raben­mund“ unüber­setzt, so dass Spieler ohne Deutsch­kennt­nisse nicht erkennen konnten, dass es zwi­schen dem Namen der Familie und dem Tier einen Bezug gab. In der fran­zö­si­schen Über­set­zung wurde statt­dessen „de Cor­be­aulie“ gewählt, was deut­lich mehr Sinn machte. In diesem Fall wurde für die ita­lie­ni­sche Über­set­zung der 5 Edi­tion ein Retcon vor­ge­nommen und nun­mehr die Über­set­zung mit „di Cor­vi­mundo“ („corvo“ = „Rabe“) vorgenommen.

Manche Über­set­zungen nur abwei­chend möglich

Geht man nun zum ein­gangs gewählten Bei­spiel des Tat­zel­wurms zurück, so gäbe es oft keine brauch­bare Über­set­zung für eine kon­krete Kreatur oder ein ent­spre­chendes Kon­zept, da eine Über­set­zung dazu führen würde, das Ori­ginal auf gewisse Art und Weise zu korrumpieren.

Ein Bei­spiel hierfür ist der „Wald­schrat“ (oder jeder andere „Schrat“): in der ersten Auf­lage wurde dieser als „gnomo dei boschi“ („Gnom des Waldes“) über­setzt, was auf eine gewisse Art und Weise funk­tio­niere, die Über­set­zung wirke aller­dings sehr gene­risch und ver­liere etwas von ihrer Spe­zi­fität. In diesem Fall ent­schied sich das ita­lie­ni­sche Team für „bos­crato“, so dass die pho­ne­ti­sche Grund­lage erhalten blieb und das Wort „bosco“ („Wald“) ergänzt wurde. Für einen Ita­liener trage diese Über­set­zung zwar keinen Bedeu­tungs­in­halt, erlaubte es dem Wald­schrat aller­dings sein spe­zi­fi­sches Wesen zu erhalten.

Glei­ches konnte für den „Kla­bau­ter­mann“ oder den „Tat­zel­wurm“ gesagt werde. Beide exis­tieren in der deut­schen Folk­lore und können nicht richtig über­setzt werden, ohne dass dabei etwas ver­loren geht. Im ersten Fall erhielt das ita­lie­ni­sche Über­set­zer­team die Ori­gi­nal­be­zeich­nung als relativ bekannte Vari­ante eines Kobolds, wäh­rend im zweiten Fall eine pho­ne­ti­sche Anpas­sung zu „tas­sel­verme“ erfolgte. Dabei ging zwar die sprach­liche Ver­knüp­fung zu „Tatze“ ver­loren, dafür wurde die Ver­knüp­fung zu „Wurm“ („verme“) ver­stärkt und erhielt den Klang des deut­schen Namens.

Andere kul­tu­relle Befind­lich­keiten im Ita­lie­ni­schen als im Amerikanischen

Bezogen auf kul­tu­relle Ange­le­gen­heiten wie „Schwarz­pelze“ (Orks) / „Rot­pelze“ (Gob­lins) seien die Ita­liener vor ähn­liche Her­aus­for­de­rungen wie die Ame­ri­kaner gestoßen. Das Ras­sis­mus­thema werde in Ita­lien als weniger pro­ble­ma­tisch als in den USA ange­sehen, den­noch wurde auf­grund der sehr inte­gra­tiven Natur von DSA darauf geachtet, Namen zu ver­wenden, die auf Ita­lie­nisch einen ras­sis­ti­schen Bei­klang hatten. So wurde etwa „cotenne nere“ für „Schwarz­pelze“ gewählt, wobei „cotenna“ ein gene­ri­scher Begriff für Schwei­ne­haut oder ‑leder ist. Dies erlaubte es den Ita­lie­nern jed­wede Haut­far­ben­pro­ble­matik zu ver­hin­dern und sehr weit­ge­hend eine Asso­zia­tion mit einem Wild­schein­ähn­li­chen Namen zu ver­mit­teln, was Klop­fen­stein sehr ange­messen für Orks erscheine.

Grugo rosso“ wurde als Über­set­zung für „Rot­pelze“ gewählt, wobei „grugno“ in etwa für „Schnauze“ stehe, was den Ita­lie­nern als pas­send für die mehr affen­ähn­li­chen Gob­lins erschien.

Diese Über­set­zungen sehe man nicht als ideal an, seien aber laut­lich hin­rei­chend weit weg von ras­sis­ti­schen Bei­namen der realen Welt.

Hin­weis: Das Schwarze Auge, Aven­tu­rien und Dere sind ein­ge­tra­gene Marken der Signi­fi­cant GbR. Alle Rechte von Ulisses Spiele GmbH vorbehalten.


[1] Michael Brandt, Lena Fal­ken­hagen u.a. „World of Aven­turia”, Fan­tasy Pro­duc­tions, 2006, S. 123

[2] Ulrich Kiesow „La Reine des Ama­zones ou la Magie du Mal“, Gal­li­mard, 1986 (folio junior), durchgängig

[3] Rein­hold H. Mai und Andreas Blu­men­kamp „Le Tournoi des Félons ou Con­spi­ra­tion dans la ville impé­riale“, Gall­miard, 1986 (folio junior), S. 118–119

[4] Ulrich Kiesow „Die Göttin der Ama­zonen oder der Zauber des Bösen“, Schmidt Spiele / Droemer Knaur, 1985, durch­gängig. bzw. Ulrich Kiesow „Die Ver­schwö­rung von Gareth oder das Tur­nier in der Kai­ser­stadt“, Schmidt Spiele / Droemer Knaur, 1985, S. 54

[5] Rein­hold H. Mai und Andreas Blu­men­kamp „Le Tournoi des Félons ou Con­spi­ra­tion dans la ville impé­riale“, Gall­miard, 1986 (folio junior), S. 116

[6] Ulrich Kiesow „Die Ver­schwö­rung von Gareth oder das Tur­nier in der Kai­ser­stadt“, Schmidt Spiele / Droemer Knaur, 1985, S. 52

[7] Ulrich Kiesow „Le Fleuve de Désastre“, Gal­li­mard, 1985 (folio junior) S. 33 

[8] Ulrich Kiesow „Der Strom des Ver­der­bens“, Schmidt Spiele / Droemer Knaur, 1985, S. 16

[9] Ulrich Kiesow „La Reine des Ama­zones ou la Magie du Mal“, Gal­li­mard, 1986 (folio junior), Plan I

[10] Ulrich Kiesow „Le Bour­reau de Tha­lussa ou Les Let­tres de Sang“, Gal­li­mard, 1986 (folio junior), Karte

[11] Ulrich Kiesow „Nedime – die Tochter des Kalifen“, Schmidt Spiele / Droemer Knaur, 1984, S. 10

[12] Ulrich Kiesow „La fille du Calife“, Gal­li­mard, 1984 (folio junior), S. 18

[13] Siehe z.B. https://​mein​frank​reich​.com/​t​a​r​a​s​c​on/

[14] Siehe z.B. https://​folk​lore​-society​.com/​m​i​s​c​e​l​l​a​n​y​/​t​a​r​a​s​q​ue/

[15] David Burckle (Hg) : „L’Œil Noir. Le jeu de rôle et d’aventure“ von Eeevie Demirtel, Daniel Simon Richter und Alex Spohr, Black Book Édi­tions, 2019, S. 7

[16] David Burckle (Hg) : „L’Œil Noir. Le jeu de rôle et d’aventure“ von Eeevie Demirtel, Daniel Simon Richter und Alex Spohr, Black Book Édi­tions, 2019, S. 10

[17] Werner Fuchs „Le Livre des Règles II“, Gal­li­mard, 1986 (folio junior), S. 32–39

[18] Eeevie Demirtel, Daniel Simon Richter und Alex Spohr „Das Schwarze Auge. Regel­werk“, Ulisses, 2. über­ar­bei­tete Auf­lage 2015, S. 7

[19] David Burckle (Hg.): „L’Œil Noir. Le jeu de rôle et d’aventure“ von Eeevie Demirtel, Daniel Simon Richter und Alex Spohr, Black Book Édi­tions, 2019, S. 7

[20] Ulrich Kiesow „Het Blo­e­drecht van Tha­lussa“, Ant­werpen, F.P.O., 1996, Titel­seite und durchgängig

[21] Ulrich Kiesow „Der Streuner soll sterben“, Mün­chen, Droemer Knaur / Schmidt Spiele, 1985, S. 53

[22] Ulrich Kiesow „Het Blo­e­drecht van Tha­lussa“, Ant­werpen, F.P.O., 1996, S. 40

[23] Ulrich Kiesow „Der Streuner soll sterben“, Mün­chen, Droemer Knaur / Schmidt Spiele, 1985, S. 52

[24] Ulrich Kiesow „Het Blo­e­drecht van Tha­lussa“, Ant­werpen, F.P.O., 1996, S. 39

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