Kurzcheck: Die neue Unfallversicherung der VHV

Die VHV hat Mitte Dezember 2020 einen neuen Unfall­tarif auf den Markt gebracht. Zu den bereits bestehenden Tarif­li­nien ist die Tarif­linie SMART 2021 hin­zu­ge­kommen. Alle drei Tarife können ohne Gesund­heits­prü­fung abge­schlossen werden, wobei allein im Tarif SMART 2021 auch nach Unfällen wäh­rend der fünf Jahre vor Antrags­stel­lung gefragt wird. Der Tarif SMART 2021 wendet sich als Ziel­gruppe an vor allem preis­af­fine Kunden, die ihren Ver­si­che­rungs­schutz über Ver­gleichs­rechner im Internet abschließen, wäh­rend die Tarife Klassik-Garant mit / ohne Bau­stein Exklusiv für leis­tungs­be­wuss­tere Kunden gedacht sind. Obwohl Makler auch den Tarif SMART 2021 abschließen können, wären sie gut beraten, die höher­wer­tigen Pro­dukt­li­nien zu vermitteln.

Die Tarife Klassik-Garant 2021 sowie ins­be­son­dere der Exklusiv-Tarif gehören mit zu den aktuell leis­tungs­stärksten Unfall­ta­rifen am Markt und können durch diverse optio­nale Leis­tungen an den indi­vi­du­ellen Kun­den­be­darf ange­passt werden. Hierzu gehören auch eine Glie­der­taxe für Ange­hö­rige von Heil­be­rufen sowie eine optio­nale Ein­mal­leis­tung bei defi­nierten bös­ar­tigen Krebserkrankungen.

Anstelle der übli­chen Kurz­checks soll bei den Tarifen Klassik-Garant und Exklusiv vor allem auf die Ände­rungen gegen­über der bis­he­rigen Tarif­ge­nera­tion hin­ge­wiesen werden.

© 2020 Cri­tical News — Unfall­helfer gut schützen

Besondere Highlights Smart 2021

  • Ver­bes­serte Gliedertaxe
  • Kür­zung des Pro­zent­satzes vom Inva­li­di­täts­grad erst ab einem Mit­wir­kungs­an­teil von 50 Prozent
  • Güns­tige Prämien

Besondere Einschränkungen Smart 2021

  • Pro­gres­si­ons­ta­bellen für 225%, 350% bzw. 500% sehen eine Erhö­hung der Leis­tung gegen­über Tarifen ohne Pro­gres­sion erst ab einem Inva­li­di­täts­grad von über 75 Pro­zent. Dies sei laut VHV einem Druck­fehler geschuldet. Eine Kor­rektur werde erfolgen.
  • Die Unfall­ver­si­che­rung SMART 2021 beinhaltet den bedin­gungs­ge­mäßen Aus­schluss von Unfällen mit bestimmten Kraft­fahr­zeugen. Hierzu zählen zulas­sungs­pflich­tige Kraft­räder, Leicht­kraft­räder, Leicht­kraf­t­roller, Trikes und Quads. Nicht dazu zählen E‑Scooter, S‑Pedelecs (E‑Bikes) sowie Moto­roller bis 45 km/h
  • Bei­trags­an­pas­sung nach Schadenverlauf
  • Erst­wohn­sitz in BRD erfor­der­lich. Wer also vor­über­ge­hend (z.B. wäh­rend seines Stu­diums oder als AuPair) seinen Wohn­sitz in der BRD vor­über­ge­hend auf­gibt, ist nicht mehr ver­si­cherbar. Dies gilt im Übrigen auch für die Tarife Klassik-Garant mit / ohne Exklusiv-Baustein

Verbesserungen Klassik-Garant 2021 gegenüber Klassik-Garant 2015

  • Inva­li­di­täts­grad Daumen von 28% auf 30% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad Zei­ge­finger von 18% auf 20% erhöht
  • Kür­zung wegen Mit­wir­kung von Krank­heiten und Gebre­chen ab 75% anstatt ab 50%
  • Als Unfall gilt auch, wenn die ver­si­cherte Person durch eine Eigen­be­we­gung – unab­hängig von einem Unfall­ereignis – eine Ober­schen­kel­hals­fraktur oder eine Arm­fraktur erleidet.
  • Erhö­hung Ber­gungs­kosten von 30.000 Euro auf 75.000 Euro
  • Reha-Tage­geld 50 Euro pro Tag, max. 17.500 Euro anstatt 30 Euro pro Tag, max. 3.000 Euro
  • Reha-Manage­men­t/Um­schu­lungs­maß­nahme. Kos­ten­über­nahme bis 3 Jahre ohne Sub­limit anstatt bis 20 % der Inva­li­di­täts­summe, max. 10.000 Euro
  • Mit­ver­si­che­rung von Unfällen infolge von Bewusst­seins­stö­rungen beim Führen von Kfz bis 1,5‰ anstatt bis 1,1‰
  • Mit­ver­si­che­rung von Unfällen infolge von Bewusst­seins­stö­rungen durch Zucker­schock (Über- oder Unterzuckerung)
  • Mit­ver­si­che­rung von Gesund­heits­schäden durch ein Höhen­ödem (HAPE) oder Höhen­hirn­ödem (HACE) auf­grund akuter Höhen­krank­heit (AKS)
  • Schul­aus­fall­geld / Nach­hil­fe­geld erhöht von auf 30 Euro / Tag, max. 3.000 Euro anstatt vorher maximal 900 Euro
  • Roo­ming-In-Leis­tung für beglei­tende Eltern­teile: 75 Über­nach­tungen à 75 Euro pau­schal für mit­ver­si­cherte Kinder vor Voll­endung des 14. Lebens­jahres anstatt bisher 30 Über­nach­tungen à 30 Euro pau­schal. Im Alt- und Neu­tarif wird diese Leis­tung erbracht, ohne dass ein Unfall­kran­ken­haus­ta­ge­geld ver­ein­bart sein muss
  • Schmer­zens­geld bei Kno­chen­brü­chen (auch Ober­schen­kel­hals­bruch) und Bän­der­rissen 200 Euro, neu auch ohne Mit­ver­si­che­rung von Unfallkrankenhaustagegeld
  • Bei­trags­freie Bau­helfer-Unfall­ver­si­che­rung für pri­vate Bau­vor­haben bis max. 4 pri­vate Bau­helfer (nicht Bau­herr selbst): 50.000 Euro Inva­li­dität sowie 10.000 Euro Unfalltod. Ver­si­che­rungs­schutz besteht nicht bei Hin- und Rückweg zur Baustelle
  • Infek­ti­ons­klausel gilt nun­mehr für alle Leis­tungs­arten und nicht mehr nur für Inva­li­di­täts­leis­tung und Unfallente
  • Nach Ablauf des ersten Ver­si­che­rungs­jahres täg­li­ches Kün­di­gungs­recht. Für den Ver­si­cherer besteht wei­terhin das drei­mo­na­tige ordent­liche Kün­di­gungs­recht zum Ende des jewei­ligen Versicherungsjahres

Verschlechterungen Klassik-Garant 2021 gegenüber Klassik-Garant 2015

  • Im alten Tarif im Rahmen Ber­gungs­kosten Kos­ten­über­nahme für die not­wen­dige The­rapie bei einer Druck­kam­mer­be­hand­lung (auch bei bewusster oder unbe­wusster Miss­ach­tung von gül­tigen Richt­li­nien für das Tau­chen und Dekom­pri­mieren) ent­standen. Im neuen Tarif Kos­ten­über­nahme nur für den Trans­port zur Druck­kammer. Hierzu äußert sich die VHV wie folgt: 

Dies ist ein redak­tio­neller Fehler, der uns bei der Erstel­lung der neuen Bedin­gungen unter­laufen ist. Es war nicht beab­sich­tigt, dieses Ele­ment her­aus­zu­nehmen. Der Fehler wird schnellst­mög­lich behoben und mit der nächsten Neu­auf­lage wieder wie vorher ent­halten sein. Die Scha­den­ab­tei­lung ist ange­halten, alle Fälle unein­ge­schränkt wie bisher zu entschädigen.

  • Auf­grund der teil­weisen Ver­schlech­te­rungen gegen­über dem bis­he­rigen Tarif läuft die Inno­va­ti­ons­klausel ins Leere. Der bis­he­rige Wort­laut lau­tete: „Werden dem von Ihnen gewählten VHV Pro­dukt (z. B. KLASSIK-GARANT) zukünftig Unfall-Ver­si­che­rungs­be­din­gungen zugrunde gelegt, die aus­schließ­lich zu Ihrem Vor­teil von den diesem Ver­si­che­rungs­ver­trag zugrunde lie­genden Bedin­gungen abwei­chen, so gelten die ver­bes­serten Inhalte der neuen Bedin­gungen auch für diesen Ver­trag. Vor­aus­set­zung für die Bedin­gungs­ver­bes­se­rung ist, dass die ver­bes­serten Bedin­gungen ohne Mehr­bei­trag bei künf­tigen Ver­si­che­rungs­ver­trägen des glei­chen Pro­dukts mit­ver­si­chert sind. Die Ver­bes­se­rung wird mit Ein­füh­rung neuer Bedin­gungen auch für diesen Ver­trag sofort wirksam.“

Auch hierzu äußert sich die VHV:

Es ist richtig, dass wir an einigen Stellen (insb. bei der Glie­der­taxe Exklusiv) im Ver­gleich zum vor­he­rigen Pro­dukt etwas redu­zierte Leis­tungen vor­sehen. Für Neu­kunden ist dies auch rele­vant. Wie Sie jedoch aus der Ver­gan­gen­heit bereits wissen, ver­folgt die VHV bei der Leis­tungs-Update-Garantie in der Praxis fol­gendes Vor­gehen: Alle Ver­bes­se­rungen werden unein­ge­schränkt an die Bestands­kunden wei­ter­ge­reicht (z.B. Erwei­te­rung des Unfall­be­griffes, erhöhte Mit­wir­kungs­re­ge­lungen u.ä.). Evtl. Ver­schlech­te­rungen erhalten die Bestands­kunden nicht. Dies gilt selbst­ver­ständ­lich auch für unsere neuen Pro­dukte.

  • In der Scha­den­an­zeige geht Frage 13 in vielen Fällen über den Grund­satz der Daten­mi­ni­mie­rung gemäß DGSVO hinaus. “Bestehen noch bei anderen Gesell­schaften Unfallversicherungen/Unfallzusatzversicherungen, Kran­ken­zu­satz- oder Zahn­zu­satz­ver­si­che­rungen Auslandsreiseversicherungen?”

Verbesserungen Exklusiv 2021 gegenüber Exklusiv 2015 (zusätzlich zu den Leistungen aus Klassik-Garant)

  • Antrags­stel­lung ohne Gesundheitsprüfung
  • Inva­li­di­täts­grad Arm unter­halb des Ellen­bo­gen­ge­lenks von 75% auf 80% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad kleiner Finger, Ring­finger, Mit­tel­finger von 12% auf 15% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad Bein bis zur Mitte des Ober­schen­kels von 75% auf 80% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad Bein bis unter­halb des Knies von 65% auf 80% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad Bein bis zur Mitte des Unter­schen­kels von 60% auf 80% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad andere Zehe von 5% auf 10% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad Auge von 60% auf 65% erhöht
  • Inva­li­di­täts­grad Ohr, falls das Gehör auf dem anderen Ohr bereits voll­ständig ver­loren war, erhöht von 70% auf 80%
  • Erhö­hung Ber­gungs­kosten von 1 Mio. Euro auf unbegrenzt
  • Kos­me­ti­sche Ope­ra­tionen mit voll­stän­diger Kos­ten­über­nahme anstatt bisher bis max. 50.000 Euro
  • Vor­sor­ge­de­ckung für Kinder erhöht von 25.000 Euro für Inva­li­dität auf 100.000 Euro bei Inva­li­dität und 10.000 Euro bei Tod. Bei Ehe­schlie­ßung und Ein­tra­gung einer Part­ner­schaft Erhö­hung von 25.000 Euro für Inva­li­dität auf 100.000 Euro Inva­li­dität, 10.000 Euro Unfalltod sowie 20 Euro Unfall­kran­ken­haus­ta­ge­geld inkl. Genesungsgeld
  • Gene­sungs­geld erhöht von auf 500 Tage auf 750 Tage
  • Laut Leis­tungs­über­sicht Infek­ti­ons­klausel für Heil­be­rufe und Che­miker. Bedin­gungs­seitig ist eine solche Klausel nicht als spe­zi­elle Leis­tung nur für diese Berufs­gruppe erkennbar. Die VHV bietet hier auf Nach­frage eine Aufklärung:

Die VHV ist ein „Meister des Under­state­ments“. Die Über­ar­bei­tung der erwei­terten Infek­ti­ons­klausel hatte als Arbeits­grund­lage den Wort­laut der „Beson­deren Bedin­gungen für den Ein­schluss von Infek­tionen für Heil­be­rufe (BB Infektionen/Heilberufe 2014) sowie die BB Infektionen/Chemiker und Des­in­fek­toren 2014 als Vor­lage. Daher haben wir in der Pro­dukt­über­sicht diese beiden Berufs­gruppen genannt. In der kon­kreten Erwei­te­rung in 3.3.1 ZB Bau­stein EXKLUSIV sind die Ele­mente jedoch bran­chen­un­ab­hängig ein­ge­fügt worden, so dass die Rege­lung für alle beruf­li­chen Risiken unab­hängig davon, wel­cher Beruf aus­geübt wird, greift. Neben den gering­fü­gigen Haut­ver­let­zungen werden für alle beruf­li­chen Risiken auch Infek­tionen als ver­si­cherte Unfall­ur­sache aner­kannt, die durch Ein­spritzen infek­tiöser Sub­stanzen in Auge, Mund oder Nase erfolgen, wobei das Anhau­chen, Anniesen oder Anhusten den Tat­be­stand des Ein­sprit­zens nicht erfüllt. Dies ent­spricht wei­test­ge­hend dem Wort­laut der ent­spre­chenden BB des GDV der spe­zi­ellen Berufs­gruppen und teil­weise dar­über hinaus. Inso­fern ist die Leis­tungs­über­sicht nicht falsch, aber unvoll­ständig, da wir alle beruf­li­chen Infek­tionen, in dieser Form abdecken.

Verschlechterungen Exklusiv 2021 gegenüber Exklusiv 2015

  • Inva­li­di­täts­grad Hand von 75% auf 70% reduziert
  • Inva­li­di­täts­grad sämt­liche Finger einer Hand von 75% auf 70% reduziert
  • Inva­li­di­täts­grad große Zeh von 15% auf 10% reduziert
  • Inva­li­di­täts­grad Ohr von 45% auf 40% reduziert
  • Bis­lang – sofern ver­ein­bart – Ver­zicht auf Kür­zung der Leis­tung bei Mit­wir­kung von Krank­heiten und Gebre­chen, nun­mehr nur dann zu 100%, sonst ab 75%, wenn Antrags­steller weder bei Antrag­stel­lung noch wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit unter Glas­kno­chen­krank­heit, Mul­ti­pler Skle­rose sowie Par­kinson leidet. Bis­lang waren Kunden mit diesen und wei­teren benannten Krank­heiten nicht oder nur ohne voll­stän­digen Mit­wir­kungs­ver­zicht ver­si­cherbar. Diese Ände­rung war von Seiten der VHV beabsichtigt:

Bisher wurden sehr viel mehr Krank­heiten mit Ableh­nungen und/oder Aus­schlüssen bedacht. Ab sofort gibt es einen etwas redu­zierten Ver­si­che­rungs­um­fang nur für diese drei extrem sel­tenen und sehr schweren Erkran­kungen, für alle anderen ent­fällt jeg­liche Ein­schrän­kung im neuen Pro­dukt komplett.“

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