Der aktuelle Unfalltarif der WGV (Wrttembergische Gemeinde-Versicherung) mit Stand 06.2020 steht in den Produktvarianten BASIS‑, OPTIMAL- und PLUS-Tarif zur Verfgung. Der Anbieter bewirbt seinen Tarif mit einem guten Preis-Leistungs-Verhltnis[1] Auf Trustpilot zeichnet sich das Unternehme vorrangig durch 91 Prozent von 106 Bewertungen mit ungengend aus, wobei immer wieder Probleme mit der Schadenregulierung und dem Service benannt werden. Die Bewertungen scheinen sich allerdings berwiegend auf die Kfz-Sparte zu beziehen[2] und sind damit nicht zwingend auch auf die Unfallversicherung bertragbar.

Die „genannten Kennzahlen und Produktmerkmale sind in dieser Form nicht zutreffend und spiegeln daher die Private Unfallversicherung der WGV nicht adquat wider.“ Dem Versicherer wurde die Mglichkeit eingerumt, abweichend andere unabhngige Quellen zur Qualitt der Schadenregulierung und Servicequalitt zu liefern. Bis Redaktionsschluss lagen diese nicht vor. Der Versicherer selbst weist darauf hin, dass die WGV regelmig in unabhngigen Testberichten ausgezeichnet werde und benennt hierzu eine Auswahl von Vergleichern.
Keine Benchmark
In der Unfallversicherung zur Auswahl stehen die Progressionsmodelle 225%, 350% bzw. 500%, jeweils mit oder ohne Mehrleistung ab einem Invalidittsgrad von mindestens 75 Prozent. Sofern sich der Kunde fr den PLUS-Tarif entscheidet, sind viele Leistungen dabei, die ber dem Marktdurchschnitt liegen, auch wenn es gerade auf dem Maklermarkt durchaus leistungsstrkere Tarife mit noch weitergehenden Leistungen gibt.

Optional bietet der Versicherer auch eine Invaliditts-Zusatzversicherung von Kindern bis maximal 16 Jahren (KIZ) an mit Leistungen sowohl bei Invaliditt als auch Unfall, sofern der dadurch resultierende Grad der Behinderung (GdB) mindestens 50 betrgt. Der Leistungsumfang des Tarifs KIZ beinhaltet unter anderem einen Ausschluss fr Invaliditt, die grundstzlich ganz oder berwiegend eingetreten ist aufgrund von Neurosen, Persnlichkeits- und Verhaltensstrungen sowie von Psychosen oder Oligophrenie.
Ausgewhlte Vorteile des PLUS-Tarifs, Stand 06.2020
- Mitversicherung von Unfllen infolge von Eigenbewegungen einschlielich Bauch- und Unterleibsbrchen, allerdings ohne Schden durch Eigenbewegungen an Menisken
- Krzung des Prozentsatzes vom Invalidittsgrad (nicht der Leistung) ab einem Mitwirkungsanteil von 60 Prozent durch Erkrankungen oder Gebrechen
- Bei zunchst geringfgig erscheinenden oder nicht erkennbaren Unfallfolgen liegt keine Obliegenheitsverletzung vor, wenn Sie oder die versicherte Person erst dann einen Arzt hinzuziehen, wenn der wirkliche Umfang erkennbar wird (Geringfgigkeitsklausel)
- verbesserte Meldefristen gegenber den aktuellen Musterbedingungen des GDV (24 Monate fr den Eintritt einer bedingungsgemen Invaliditt, 36 Monate fr die rztliche Feststellung der Invaliditt sowie die Geltendmachung beim Versicherer)
- Verbesserte Gliedertaxe mit festgelegten Invalidittsgraden auch fr den unfallbedingten Verlust benannter innerer Organe
- bernahme unfallbedingter kosmetischer Operationskosten inklusive Ersatzes natrlicher Zhne bis 50.000 Euro, nicht jedoch von Zahnersatz (Brcken, Kronen, Stiftzhne, Gebisse und Implantate)
- Mitversicherung von Unfllen infolge von Bewusstseinsstrungen infolge von Diabetes (Zuckerschock), Herzinfarkt, Schlaganfall, bermdung Schlafwandel, Einschlafen infolge der bermdung, Trunkenheit (beim Fhren von Kfz allerdings nur wenn der Blutalkoholgehalt unter 1,1 Promille liegt) sowie bei Einnahme rztlich verordneter Medikamente und ungewollter Einnahme von K.O.-Tropfen. Werden Medikamente ohne rztliche Anordnung eingenommen, so sind Unflle infolge dadurch resultierender Bewusstseinsstrungen nicht versichert.
- Mitversichert sind Unflle der versicherten Person durch epileptische Anflle oder sonstige Krampfanflle.
- Leistung einer versicherten Unfallrente bis 6 Monate nach dem Tod der versicherten Person
- Vergiftungen infolge Einnahme fester oder flssiger Stoffe durch den Schlund (Eingang der Speiserhre) inklusive Nahrungsmittelvergiftungen unabhngig vom Alter der versicherten Person
- Oberschenkelhalsfrakturen gelten unabhngig von der Ursache als mitversichert, dies gilt nicht fr Frakturen der Arme.
Ausgewhlte Nachteile des PLUS-Tarifs, Stand 06.2020
- Keine bedingungsseitige Garantie, dass nicht zum Nachteil des Versicherungsnehmers von den unverbindlichen Musterbedingungen des GDV abgewichen wird (GDV-Garantie)
- Innovationsklausel zeitlich auf 5 Jahre befristet. Nach Ablauf der fnf Jahre gelten wieder ausschlielich die in der vorliegenden Fassung vereinbarten Bedingungen
- Leicht verbesserte Immunklausel mit 3 Monaten Wartezeit ab Vertragsbeginn, allerdings eingeschrnkt nur fr die folgenden Infektionskrankheiten: Brucellose, Cholera, Diphtherie, Dreitagefieber, Fleckenfieber, Gelbfieber, Lepra, Malaria, Paratyphus, Pest, Pocken, Schlaf-/Tsetse-Krankheit, Tularmie (Hasenpest) und Typhus sowie fr Frhsommer-Meningitis (FSME) oder Lyme-Borreliose durch einen Zeckenbiss. Ausschlielich fr FSME und Lyme-Borreliose gilt eine leicht verbesserte Meldefrist: Eintritt der infektionsbedingten Invaliditt innerhalb von 36 anstatt 24 Monaten nach dem Zeckenbiss und rztliche Feststellung sowie Geltendmachung beim Versicherer innerhalb von 39 Monaten anstatt 36 Monaten ab dem Unfallereignis. Problematisch bleibt der Nachweis, wann genau das Unfallereignis (z.B. ein Zeckenbiss im heimischen Garten oder Waldkindergarten) eingetreten ist. Fr andere mitversicherte Infektionen besteht keine verbesserte Meldefrist, so dass auch hier das jeweilige Unfallereignis (z.B. die bertragung von Malaria durch eine Tse-Tse-Fliege) nachzuweisen ist. Teilweise betrgt die Inkubationszeit (z.B. bei Malaria quartana) von Malaria mehrere Jahre[3], so dass der Versicherungsschutz im Zweifel ins Leere laufen kann.
- Mitversicherung von Impfschden nur gegen die benannten Infektionen und nur, sofern diese gesetzlich vorgeschrieben und rztlich angeordnet sind. Da die meisten Impfungen freiwillig erfolgen, derzeit ausgenommen etwa grundstzlich der Impfung gegen Masern fr z.B. schulpflichtige Kinder und Personal von Kindergrten, luft die Leistungserweiterung in der Praxis weitgehend ins Leere
- Subsidire bernahme von Dekompressionskammerkosten nur nach Tauchunfllen. Nicht versichert sind Dekompressionskammerkosten aus anderen Grnden (z.B. Dekompressionskammerbehandlungen nach einer Kohlenmonoxydvergiftung oder Gasbrand-Infektion) oder die Kosten fr den Transport zu einer Kompressionskammer. Mehr zum Thema siehe z.B. Risiko & Vorsorge Heft 1 – 2018, S. 22 – 24.
- Keine Mitversicherung von Unfllen infolge von Bewusstseinsstrungen infolge von Witterungsbedingungen oder Kreislaufstrungen
- Keine Mitversicherung von Infektionen infolge des pltzlichen Einspritzens von Erregern durch Augen, Mund oder Nase oder durch Anhusten oder Anniesen
- Keine Mitversicherung von stationren Desensibilisierungsmanahme aufgrund allergischer Reaktionen nach Tier- oder Insektenstichen/-bissen
- Keine Mitversicherung von Nachhilfegeld fr Kinder bei unfallbedingter Schulunfhigkeit
- Kein ausdrcklicher Verzicht auf eine Operationspflicht zur Schadenminderung
[1] „GIPS NUR IM DOPPELPACK: DIE NEUE UNFALLVERSICHERUNG DER WGV.“ in Druckstck Nr. 4000−2301.0720 DHW, S. 14. Aufzurufen unter https://www.wgv.de/docs/infobrochuere/unfall.pdf, zuletzt aufgerufen am 15.01.2021 um 18:48 Uhr
[2] www.wgv.de auf trustpilot.com. Aufzurufen unter https://de.trustpilot.com/review/www.wgv.de, zuletzt aufgerufen am 16.01.2021 um 20:15 Uhr.
[3] Malaria: Symptome in Apotheken Rundschau vom 31.01.2018. Aufzurufen unter https://www.apotheken-umschau.de/Infektion/Malaria-Symptome-149847_3.html, zuletzt aufgerufen am 16.01.2021 um 19:24 Uhr.