Was die „Zeu­gen Coro­nas“ mit den „Zeu­gen Jeho­vas“ gemein­sam haben

Coro­na trennt die Welt in Befür­wor­ter und Geg­ner der damit begrün­de­ten Regie­rungs­maß­nah­men. Mit zuneh­men­der Dau­er der welt­wei­ten „Coro­na-Regeln“ wie Social Distancing, Mas­ken­tra­gen, Hygie­ne, aber auch den beson­ders dras­ti­schen Ein­schrän­kun­gen der Grund­rech­te durch Lock­downs, häus­li­che Iso­la­ti­on oder Demons­tra­ti­ons­ver­bo­te füh­ren die Maß­nah­men zu geän­der­ten Ver­hal­tens­mus­tern. Ehe­ma­li­ge Freun­de wer­den zu Fein­den, wenn sie sich im „fal­schen“ Lager befin­den. Selbst offen­ba­re Wider­sprü­che in der Kom­mu­ni­ka­ti­on der Hand­lungs­füh­ren­den (z.B. wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen von Chris­ti­an Dros­ten zum Nicht­nut­zen[1] oder dem Nut­zen[2] des Mas­ken­tra­gens) wer­den von Befür­wor­tern ver­drängt anstatt dadurch sein eige­nes Han­deln in Fra­ge zu stellen.

Das erin­nert erstaun­lich stark an Mecha­nis­men, die man bei Men­schen beob­ach­ten kann, die sich dafür ent­schei­den, einer neu­en Reli­gi­on bei­zu­tre­ten. Nimmt man bei­spiels­wei­se einen Bud­dhis­ten, der erst­ma­lig mit einem Chris­ten in Berüh­rung kommt. So wird der Christ ihn im Rah­men sei­ner mis­sio­na­ri­schen Tätig­keit erst Schritt für Schritt an den neu­en Glau­ben her­an­füh­ren und zunächst den Fokus eher auf Nächs­ten­lie­be anstatt auf die Apo­ka­lyp­se rich­ten. Ein Sci­en­to­lo­ge wird sei­nem Inter­es­sente auch nicht in den ers­ten Gesprä­chen von einem Welt­raum­herr­scher Xenu[3] und ihrem eige­nen Geheim­dienst[4] berich­ten, son­dern zunächst u.a. mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kur­sen und Rei­ni­gungs­rundown einen sanf­ten Ein­stieg fin­den lassen.

Hier­zu heißt es etwa in einem Bei­trag von Frank Usar­ski wie folgt:

Wei­ter­hin wird als Vor­aus­set­zung dafür, daß im Rah­men des Rekru­tie­rungs­pro­zes­ses emo­tio­na­le Fak­to­ren grei­fen kön­nen und daß von der Bewe­gung unter­brei­te­te ideo­lo­gi­sche Ange­bot in die Innen­welt des Umwor­be­nen ein­geht, ange­nom­men, vom Erst­kon­takt bis zur end­gül­ti­gen Mit­glied­schaft füh­re ein sys­te­ma­tisch abge­stuf­ter Weg, auf dem der Inter­es­sent unter immer mas­si­ve­rer gefühls­mä­ßi­ger Ver­ein­nah­mung durch bereits der jewei­li­gen Grup­pe Zuge­hö­ri­ger und all­mäh­li­cher Aus­schal­tung ratio­na­ler Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en schritt­wei­se in das abstru­se Welt­bild ein­ge­führt wird.

Hat ein Indi­vi­du­um den grup­pen­spe­zi­fi­schen Sinn­ent­wurf erst ein­mal zu sei­nem eige­nen Deu­tungs­mus­ter gemacht, unter­liegt er – so der impli­zi­ten Logik der „Brainwashing“-These zufol­ge – der dau­ern­den Gefahr eines Rück­falls in auf­ge­ge­be­ne Modi der Daseins­in­ter­pre­ta­ti­on.[5]

Neue Freun­de und neue „Wahr­hei­ten“

Ein gemein­sa­mes Merk­mal vie­ler Kon­ver­ti­ten zu einem ande­ren Glau­ben ist es stets, dass sie in der ent­spre­chen­den Gemein­schaft neue Freun­de und „Wahr­hei­ten“ fin­den und dass sie dabei (einen Teil) des alten Freun­des­krei­ses hin­ter sich las­sen. Oft zeich­nen sich Kon­ver­ti­ten dadurch aus, dass sie sich gegen­über den bis­he­ri­gen Mit­glie­dern als beson­ders eif­rig und glau­bens­fest aus­zeich­nen wol­len.[6]

Die Welt steht kurz vor einer wis­sen­schaft­li­chen Meisterleistung?

Ein wich­ti­ges Moment, um Mit­glie­der für einen neu­en Glau­ben zu gewin­nen, ist eine reli­gi­ons­spe­zi­fi­sche Heils­er­war­tung. Ana­log dazu kön­nen die aktu­el­len Erwar­tun­gen an einen „erlö­sen­den“ Impf­stoff gese­hen wer­den, wie sie Bill Gates in einem Gast­bei­trag ausführt:

Die Welt steht kurz vor einer wis­sen­schaft­li­chen Meis­ter­leis­tung: Anfang nächs­ten Jah­res soll ein siche­rer und wirk­sa­mer Impf­stoff gegen COVID-19 bereit­ste­hen, ver­mut­lich sogar meh­re­re. Damit haben wir end­lich die Chan­ce, der Bedro­hung durch die Pan­de­mie ein Ende zu set­zen – und zur Nor­ma­li­tät zurückzukehren.

Gibt es eine Imp­fung gegen das Virus, kön­nen die Regie­run­gen die Maß­nah­men zur räum­li­chen Distan­zie­rung auf­he­ben. Wir wer­den kei­ne Mas­ken mehr zu tra­gen brau­chen. Die Welt­wirt­schaft wird wie­der vol­le Fahrt auf­neh­men.[7]

Eine ähn­li­che „Heil­er­war­tung“ äußert auch Chris­ti­an Drosten:

In ande­ren Tei­len der Welt, in denen das Kon­zept dar­in besteht, eine weit ver­brei­te­te Virus­über­tra­gung zu ver­mei­den und auf den Ein­satz eines Impf­stoffs zu war­ten, kön­nen wir damit rech­nen, dass wir bis Ende 2021 Mas­ken tra­gen wer­den. Es ist unmög­lich, genaue Vor­her­sa­gen zu machen, aber das nächs­te Jahr wird ein Jahr sein, in dem wir Mas­ken tra­gen.[8]

Schutz­haft und Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger für Abtrünnige

Die aktu­el­le Aus­gren­zung von „Mas­ken­ver­wei­ge­rern“ und Regie­rungs­kri­ti­kern erin­nert an den Umgang der Nazi­dik­ta­tur mit den Zeu­gen Jehovas:

Zeu­gen Jeho­vas die den Hit­ler­gruß ver­wei­ger­ten und bei jeder pas­sen­den und unpas­sen­den Gele­gen­heit von Hit­lers Ver­nich­tung spra­chen, erfreu­ten sich nicht lan­ge der Arbeit; mein Vater wur­de bald wie­der ent­las­sen. [….] Die ille­ga­le Tätig­keit für die Ver­samm­lung nahm ihn sehr in Anspruch. Eines Nachts wur­de er ver­haf­tet. Mei­ne Mut­ter folg­te. „Zehn Mona­te Gefäng­nis“ wegen Tätig­keit für die ver­bo­te­nen Zeu­gen Jeho­vas lau­te­te das Urteil. [….] Kaum daß die Eltern zurück­ge­kehrt waren, ver­haf­te­te man Vate4r bereits fünf Wochen spä­ter aber­mals. Bei einer Arbeits­zu­wei­sung hat­te er geäu­ßert, in einem Rüs­tungs­be­trieb wer­de er nicht für Hit­ler arbei­ten. Als unver­bes­ser­li­cher, fana­ti­scher Zeu­ge Jeho­vas wur­de er in Schutz­haft genom­men und ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gebracht.[9]

Was nun treibt Men­schen in den Glau­ben an die „Zeu­gen Coro­nas“[10]? Hier­zu gibt es eine inter­es­san­te Par­al­le­le, die Möss­mer in sei­nem Buch über die Attrak­ti­vi­tät des mor­mo­ni­schen Glau­bens beschreibt:

Das Bedürf­nis nach Sinn beschränkt sich natür­lich nicht auf den Ver­lust von Ange­hö­ri­gen. Der Mensch ist einer Viel­zahl von Zwän­gen, Män­geln, Ent­täu­schun­gen und Krank­hei­ten aus­ge­setzt, Es geht nicht nur ums Über­le­ben, son­dern vor allem dar­um, wie man über­lebt. Wer hin­ter sei­nen Mühen einen höhe­ren Zweck erken­nen kann, oder wer zumin­dest die Hoff­nung hat, daß am Ende die „Guten“ belohnt und die „Bösen“ bestraft wer­de, dem wird es sicher leich­ter fal­len, die Wider­wär­tig­kei­ten des Lebens zu ertra­gen.[11]

Mit­ma­chen und Einfordern

Nimmt man den Glau­ben an die Coro­na-Maß­nah­men als Glau­bens­ge­mein­schaft an, so sind die han­deln­den Per­so­nen in Poli­tik (z.B. die deut­sche Bun­des­re­gie­rung), deren Bera­ter (z.B. Dros­ten, Wie­ler, das RKI) aber auch die flan­kie­ren­den NGOs (z.B. die Bill & Melin­da Gates Foun­da­ti­on) und supra­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen (z.B. die WHO) Die­je­ni­gen, deren Glau­ben es nach­zu­ei­fern gilt. Wenn also eine Mas­ken­emp­feh­lung aus­ge­spro­chen wird, sehen man­che der „Zeu­gen Coro­nas“ dies als Auf­for­de­rung an, „Mas­ken­ver­wei­ge­rer“ ent­spre­chend unter Druck zu set­zen, sich eben­falls die­sem äuße­ren Sym­bol des „Wah­ren Glau­bens“ zu unterwerfen.

Das Bemü­hen, eine Bestra­fung (z.B. ein Buß­geld für das Ver­wei­gern des Mas­ken­tra­gens oder der Auf­ent­halt in Fege­feu­er und Höl­le für einen Katho­li­ken, der gegen die Dog­men sei­nes Glau­bens ver­stößt) ver­bin­det die „Zeu­gen Coro­nas“ eben­so sehr mit klas­si­schen Reli­gio­nen. Die poli­ti­schen Vor­ga­ben beloh­nen die „Anhän­ger Coro­nas“ damit, dass sie die als furcht­erre­gen­de kom­mu­ni­zier­te Pan­de­mie an der Aus­brei­tung hin­dern kön­nen und durch den „heils­brin­gen­den“ Impf­stoff schließ­lich besie­gen kön­nen.  Hier­zu füh­ren die Grandts in ihrem Buch über Sata­nis­mus die Erkennt­nis­se des ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­lo­gen Skin­ner aus:

Ein gewünsch­tes Ver­hal­ten wird dadurch erlernt, daß alle Reak­tio­nen, die als Vor­stu­fe des gewünsch­ten Ver­hal­tens gel­ten, immer wie­der durch bestimm­te Ver­stär­ker bekräf­tigt wer­den. Dadurch wird die Wahr­schein­lich­keit des Auf­tre­tens der gewünsch­ten Sequenz sehr hoch. Als Hilfs­mit­tel hier­für die­nen Beloh­nung und Bestrafung.

Sata­nis­ten wol­len in den Kin­dern, die sie für ihre Ritua­le miß­brauchen, chro­ni­sche Gedan­ken­ver­bin­dungs­stö­run­gen und die Ablö­sung des Wil­les her­vor­ru­fen. Aus­lö­ser („rein­force­ments“) dafür sind Wor­te (z.B. „Gott“, „Him­mel“), Zah­len, Hand­zei­chen und Musik­stü­cke. Hier wird die Paw­low­sche Kon­di­tio­nie­rung ange­wen­det.[12]

(K)ein Weg zurück?

Schwie­rig wird es für die Jün­ger des neu­en Glau­bens dann, wenn ihnen erkenn­bar wird, dass sich Poli­ti­ker und sie bera­ten­de Wis­sen­schaft­ler wider­spre­chen oder den Jün­gern aus ande­ren Grün­den klar wird, dass sie einen ganz oder teil­wei­se fal­schen Weg ein­ge­schla­gen haben, dass sie sich selbst mit­schul­dig an der Dis­kri­mi­nie­rung von Mit­men­schen oder der bil­li­gend in Kauf genom­me­nen Schä­di­gung von Kin­dern gemacht haben oder dass sie sich selbst ihrer Lebens­grund­la­ge beraubt haben, indem sie ohne ech­te Not, ihre Selbst­stän­dig­keit gegen die Wand gefah­ren haben.

Auch hier zei­gen sich die­sel­ben Mecha­nis­men wie man sie von Aus­stei­gern aus ande­ren Reli­gio­nen kennt. So heißt es etwa in einem Son­der­druck der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung wie folgt:

Die­ser Mecha­nis­mus wirkt so ele­men­tar, dass selbst soge­nann­te Aus­stei­ger, die die „Bewei­se“ gegen die Orga­ni­sa­ti­on (= Dis­so­nanz) akzep­tiert und ihr den Rücken gekehrt haben, oft­mals immer noch an Hub­bards Leh­re glau­ben. So kön­nen sie beru­higt sagen: „Die Kir­che ist zwar ein Aus­beu­tungs­un­ter­neh­men, aber die Leh­re stimmt“ – zumal sich die­se durch ver­meint­li­che per­sön­li­che Erfah­run­gen ja als „wahr“ erwie­sen hat. Wür­den sie dies nicht glau­ben, müß­ten sie das Unge­heu­er­li­che akzep­tie­ren: „Ich habe mein Leben für ‚See­len­fän­ger‘ und Hirn­ge­spins­te auf­ge­ge­ben und ver­pfu­schen las­sen.“ Dies kann kaum jemand zuge­ben, ohne psy­chi­sche Schä­den davon­zu­tra­gen.[13]

Ähn­lich berich­tet auch ein Aus­stei­ger aus Sci­en­to­lo­gy von sei­nen eige­nen Erfahrungen:

Jeder hat sei­ne eige­ne Ent­wick­lungs- bzw. Fas­zi­na­ti­ons­ge­schich­te. Und die­se geht so lan­ge gut, bis wir erle­ben, daß Füh­rungs­kräf­te der Sci­en­to­lo­gy die als Grund­la­ge bezeich­ne­ten Prin­zi­pi­en (Ver­ständ­nis für die Mit­men­schen, Tole­ranz usw.) fast zu Fremd­wör­tern wer­den las­sen. Doch die Über­zeu­gung, der ein­zi­gen Orga­ni­sa­ti­on anzu­ge­hö­ren, die die­se Welt zu einer fried­li­chen machen kann, und der Wunsch, dazu einen eige­nen Bei­trag zu leis­ten, las­sen vie­le von uns vor­erst über sol­che Män­gel  hin­weg­se­hen.[14]

Bevor Men­schen aus einer reli­giö­sen Grup­pie­rung aus­stei­gen, müs­sen sie sich mit mög­li­chen Stra­fen für ihre „Ver­feh­lung“ aus­ein­an­der­set­zen. Für Zweif­ler an den Coro­na-Regeln könn­te die­se Stra­fe dar­in lie­gen, dass die bis­he­ri­ge Gemein­schaft, Freun­de und Fami­lie, nichts mehr mit ihnen zu tun haben möch­te, dass sie bei öffent­lich geäu­ßer­ten Zwei­feln ihren Beruf aufs Spiel set­zen oder je nach poli­ti­schem Régime bereits Stra­fen dafür in Kauf neh­men müs­sen, dass das öffent­li­che Nar­ra­tiv in den sozia­len Medi­en all­zu deut­lich hin­ter­fragt wird (z.B. Kri­tik am aktu­el­len Lock­down in Mel­bourne / Aus­tra­li­en)[15]. Das ent­spricht bei vie­len reli­giö­sen Gemein­schaf­ten dem Bruch der Arkandisziplin:

Jede Satans­or­ga­ni­sa­ti­on (Kult), Grup­pe, Loge oder jeder Orden pflegt ihre, bzw. sei­ne „Arkan­dis­zi­plin“. Initi­ier­te (ein­ge­weih­te) Mit­glie­der dür­fen oft bei mar­tia­li­scher Straf­an­dro­hung (z. B. Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gung, Tod usw.) kei­ne Infor­ma­tio­nen über die Inf­ra-struk­tur und den Orga­ni­sa­ti­ons­grad der Grup­pe, Loge, des Ordens nach außen wei­ter­ge­ben. Auch dür­fen sie nicht über Initia­ti­ons­gra­de, über den genau­en Ablauf von Ritua­len oder sons­ti­gen Prak­ti­ken berich­ten. Das Initia­ti­ons­ri­tu­al bin­det fer­ner die Mit­glie­der zeit ihres Lebens an die Orga­ni­sa­ti­on. Sie kön­nen nach dem Selbst­ver­ständ­nis der Grup­pe, Loge oder des Ordens nicht mehr aus­stei­gen. Es sei denn, die Orga­ni­sa­ti­on wür­de sich auf­lö­sen oder den „Ein­ge­weih­ten“ ereilt der Tod. Aus­stiegs­wil­li­gen wird die wil­de Ent­schlos­sen­heit der Orga­ni­sa­ti­on, sie nicht so ohne wei­te­res zie­hen zu las­sen, psy­chisch wie phy­sisch vor Augen geführt.[16]

Aus­gren­zung, Ver­leum­dung, Diskreditierung

Auch, wenn die Regeln der „Zeu­gen Coro­nas“ öffent­lich bekannt sind und inso­fern kei­ner Arkan­dis­zi­plin zu unter­lie­gen schei­nen, wer­den jene durch öffent­li­che Ver­un­glimp­fung bestraft, die die­se Regeln hin­ter­fra­gen, in Fra­ge stel­len­de Doku­men­te lea­k­en oder das öffent­li­che Nar­ra­tiv kom­plett ad absur­dum füh­ren. Opfer sol­cher Ver­leum­dungs- und Dis­kre­di­tie­rungs­maß­nah­men sind aktu­ell z.B. Dr. Wolf­gang Wodarg (u.a. ehe­ma­li­ger Amts­arzt sowie Fach­arzt für Inne­re Medi­zin – Lun­gen- und Bron­chi­al­heil­kun­de[17]), Prof. Dr. Sucha­rit Bhak­di (u.a. Pro­fes­sor für Medi­zi­ni­sche Mikro­bio­lo­gie[18]), Dr. Bodo Schiff­mann (HNO-Arzt und Spe­zia­list für Schwin­del­er­kran­kun­gen), Dr. Cle­mens Arvay (öster­rei­chi­scher Bio­lo­ge und Autor mit dem Schwer­punkt der Gesund­heits­öko­lo­gie[19]), aber auch Ste­phan Kohn (der Ver­fas­ser des  so genann­ten „Fehl­alarm­pa­piers“[20]) oder all jene remons­trie­ren­den Poli­zis­ten, die im Rah­men von Quer­den­ken in die Öffent­lich­keit tra­ten[21].

Der Aus­stieg aus einer selbst­ge­wähl­ten Reli­gi­on bleibt auch jen­seits der oben benann­ten Pro­ble­ma­tik oft nicht fol­gen­los für die betref­fen­den Per­so­nen. Hier­zu gibt Eileen Bar­ker in ihrer Ein­füh­rung in Neue Reli­giö­se Grup­pie­run­gen eini­ge Ausführungen:

Ex—members may feel very uncer­tain of their self-iden­ti­ty and future direc­tion in life. Some will have beco­me sus­pi­cious and, if they feel they have been betray­ed or let down, they may find it dif­fi­cult to trust others. They may also, espe­ci­al­ly if they have been depro­grammed or expel­led from the move­ment, find it dif­fi­cult to trust themselves. 

Alt­hough the­re cer­tain­ly are cases whe­re ex-mem­bers will have done a com­ple­te about-turn, or may still embrace a sec­ta­ri­an per­spec­ti­ve on life, it is more likely that they will be “nor­mal” men and women who have under­go­ne a par­ti­cu­lar type of expe­ri­ence that has not made them fun­da­men­tal­ly dif­fe­rent from their peers (who will them­sel­ves have under­go­ne a varie­ty of expe­ri­en­ces).[22]

Ehe­ma­li­ge Mit­glie­der mögen sich über ihr Selbst­bild und ihre Zukunfts­per­spek­ti­ven unsi­cher sein. Eini­ge mögen miss­trau­isch gewor­den sein und, wenn sie sich betro­gen oder fal­len­ge­las­sen füh­len, es schwer fin­den, Drit­ten zu ver­trau­en. Sie mögen es schwer fin­den, ins­be­son­de­re, wenn sie depro­gram­miert oder aus ihrer Bewe­gung aus­ge­schlos­sen wur­den, sich selbst zu vertrauen.

Obwohl es sicher Fäl­le gibt, in denen sich ehe­ma­li­ge Mit­glie­der voll­stän­dig umge­kehrt haben, oder noch immer eine sek­tie­ri­sche Sicht­wei­se auf ihr Leben ver­tre­ten, wird es wahr­schein­li­cher, dass sie „nor­ma­le“ Män­ner und Frau­en sein wer­den, die spe­zi­el­le Erleb­nis­se durch­lebt haben, die sie voll­stän­dig unter­schie­den von ihren ansons­ten Gleich­ge­stell­ten gemacht haben (die ihrer­seits eine Viel­zahl von Erfah­run­gen gemacht haben).[23]

Alles außer Mainstream

Wenn etwa der bekann­te Schwin­del­arzt Dr. Bodo Schiff­mann aus dem Main­stream aus­tritt und nun­mehr für „Alles außer Main­stream“ steht, macht ihn dies in den Sei­ten der Herr­schen­den zu einem „Aus­sät­zi­gen“. Dies zeigt sich in diver­sen Falsch- und Hetz­dar­stel­lun­gen gegen­über sei­ner Per­son als auch in berech­tig­ter Kri­tik, wenn unge­prüft Quel­len als Fak­ten aus­ge­ge­ben wur­den.  Obwohl auch auf Erwach­se­nen als Aus­stei­gern ein gro­ßer gesell­schaft­li­cher Druck las­tet und man­che dar­an zer­bre­chen mögen, ist es gera­de für Kin­der noch deut­lich schwie­ri­ger aus den von der Poli­tik, ihren Leh­rer und Eltern ver­ord­ne­ten Coro­na-Glau­ben aus­zu­bre­chen. Hier­zu gibt es ana­lo­ge Pro­ble­me aus der Welt der „ech­ten“ Reli­gio­nen. So berich­tet etwa Ursu­la Caber­ta in ihrem Buch über Kind­heit in der Sci­en­to­lo­gy über einen bei­spiel­haf­ten Jun­gen, der aus der dor­ti­gen Eli­te­or­ga­ni­sa­ti­on in Saint Hill aus­bre­chen möch­te und sich in die­sem Zusam­men­hang hil­fe­su­chend an sei­nen Vater wen­de­te, wie folgt:

Doch was anschlie­ßend pas­siert, gleicht eher einem Alp­traum. Da Edwin nicht nach einer Woche – wie ange­kün­digt – zurück in Saint Hill ist, wird die Mut­ter infor­miert. Der Vater bekommt eine Anzei­ge wegen Kin­des­ent­zug. Edwin ist sich aber inzwi­schen so sicher, dass er mit sei­nem Vater den Weg ohne Sci­en­to­lo­gy gehen will, und er die­sem nun eine Stüt­ze sein will. Bis Sor­ge­recht, Auf­ent­halts­recht und alle wei­te­ren For­ma­li­tä­ten end­gül­tig geklärt sind, dau­ert es natürlich.

Die per­ma­nen­ten Anru­fe sei­ner Mut­ter machen Edwin schwer zu schaf­fen. Denn nun hat er zwar sei­nen Vater gefun­den, aber sei­ne Mut­ter ver­lo­ren. Lei­der gibt es für ihn kei­ne Mög­lich­keit ihr zu erklä­ren, war­um er die­sen Weg gegan­gen ist. Sie wird es nie­mals akzep­tie­ren. Ihr Sohn ist nun plötz­lich auf der ande­ren Sei­te, der geg­ne­ri­schen.[24]

Wenn es um den Aus­stieg von Men­schen aus der Sci­en­to­lo­gy bzw. über­tra­gend aus der Coro­na-Reli­gi­on kommt, stellt sich die Situa­ti­on für Ein­zel­ne ganz anders dar als wenn die gan­ze Fami­lie als Bezugs­sys­tem aussteigt:

Wenn es einem Men­schen gelingt, sich irgend­wann aus der Sci­en­to­lo­gy-Orga­ni­sa­ti­on zu lösen, reflek­tiert er häu­fig erst lan­ge Zeit spä­ter, wel­chen Metho­de er jah­re­lang im Sys­tem aus­ge­lie­fert war.  Ver­las­sen gan­ze Fami­li­en mit ihren Kin­dern Sci­en­to­lo­gy, machen sich die Eltern häu­fig hefigs­te Vor­wür­fe, eine aus­rei­chend lie­be­vol­le Bezie­hung zu Söh­nen und Töch­tern auf­ge­baut zu haben. Sie ver­trau­ten einer Ideo­lo­gie, die ihnen nicht ein­mal Zeit für ihre Kin­der gelas­sen hat. Sie sind ihren Kin­dern fremd gewor­den und haben ihnen kei­ne Lie­be geschenkt. Ein Kind, das ohne das Gefühl von Nähe und Gebor­gen­heit auf­wach­sen muss, hat es bekannt­lich im Leben sehr schwer.

Aller­dings haben Eltern und ihre Kin­der mit dem Aus­stieg aus der Orga­ni­sa­ti­on eine neue Chan­ce. Die­se funk­tio­niert aber nur, wenn sie gemein­sam gehen. [25]

Der Druck zeigt Wirkung

Psy­cho­lo­gi­sche Fol­gen für Kin­der hat die aktu­el­le Coro­na­kri­se bereits hinterlassen:

Eine zwei­te Coro­na-Stu­die in Sach­sen bestä­tigt: Schu­len waren dort bis­lang kei­ne Infek­ti­ons­her­de. Aller­dings sei­en die psy­chi­schen Aus­wir­kun­gen der Kri­se für die Kin­der klar erkennbar. 

Coro­na löse zudem Sor­gen um Fami­lie und Zukunft aus, bei Mäd­chen vor­ran­gig auch um die Gesell­schaft. „Über ein Fünf­tel der Kin­der fin­det, dass das Leben nie wie­der so sein wird wie vor Covid-19“, so Kiess. „Und drei Vier­tel sag­ten von sich aus, ich möch­te bit­te wie­der in die Schu­le gehen.“ Fazit: Schul­schlie­ßun­gen scha­den denen mas­siv, „die sowie­so wenig an Bil­dung teil­ha­ben“.[26]

Wer die Gesell­schaft mit wachen Augen beob­ach­tet, kommt nicht umhin fest­zu­stel­len, dass Kin­der und Erwach­se­ne glei­cher­ma­ßen von den getrof­fe­nen Maß­nah­men betrof­fen sind und Par­al­le­len zu einer reli­giö­sen Bewe­gung unver­kenn­bar sind.


Fuß­no­ten:

[1] Sie­he z.B. Prof. Dr. Chris­ti­an Dros­ten im Inter­view beim RBB vom 30.01.2020 bei https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​J​7​I​c​_​b​b​R​kXQ.

[2] Sie­he z.B. ZEIT-Online vom 01.09.2020 um 14:32 „NDR-Pod­cast: Chris­ti­an Dros­ten wirbt nach­drück­lich für Mund-Nasen-Schutz

[3] Chris­toph Min­hoff und Mar­ti­na Mül­ler: „Sci­en­to­lo­gy. Irr­gar­ten der Illu­sio­nen.” Hg: Erich Wewel Ver­lag. Son­der­druck für die Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung und die Innen­be­hör­de der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg. Mün­chen / Dil­lin­gen, 1. Auf­la­ge, 1993, S. 43–44

[4] Sie­he z.B. Wil­fried Handl „Das wah­re Gesicht von Sci­en­to­lo­gy. Eine Doku­men­ta­ti­on mit mehr als 120 Abbil­dun­gen!“ Wien (Gesell­schaft gegen Dog­men und psy­chi­sche Abhän­gig­keit), 2010S. 145–170.

[5] Frank Usar­ski „Die Stig­ma­ti­sie­rung Neu­er Spi­ri­tu­el­ler Bewe­gun­gen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“ Köln, Wien (Böhlau),1988 (Köl­ner Ver­öf­fent­li­chun­gen zur Reli­gi­ons­ge­schich­te. Band 15), S. 127–128

[6] Sie­he z.B. den Erfah­rungs­be­richt eines ehe­ma­li­gen Zeu­gen Jeho­vas von Gün­ther Pape „Ich war Zeu­ge Jeho­vas“. Augs­burg (Welt­bild), 1993, S. 8; „Die Ver­wand­ten began­nen sich von uns zurück­zu­zie­hen. Mei­ne Eltern sei­en zu fana­tisch, mein­ten sie.“

[7] Bill Gates „Drei Bedin­gun­gen, um die Pan­de­mie zu stop­pen“ in: „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne“, aktua­li­siert am 30.09.2020 um 11:07 Uhr.

[8] Nina Haa­se im Inter­view mit Prof. Dr. Dros­ten bei DW: „Coro­na-Exper­te Dros­ten: „Mas­ken wer­den wir so schnell nicht los““

[9] Gün­ther Pape „Ich war Zeu­ge Jeho­vas“. Augs­burg (Welt­bild), 1993, S. 10

[10] Dies ein von der You­Tube­rin in ihrem täg­li­chen Video­blog scherz­haft gepräg­ter Begriff

[11] Albert Möss­mer: „Die Mor­mo­nen. Die Hei­li­gen der Letz­ten Tage.“ Solo­thurn, Düs­sel­dorf (Wal­ter), 1995, S. 260

[12] Gui­do und Micha­el Grandt: “Schwarz­buch Sata­nis­mus.“ Mün­chen (Knaur), 1996, S. 145–146

[13] Chris­toph Min­hoff und Mar­ti­na Mül­ler: „Sci­en­to­lo­gy. Irr­gar­ten der Illu­sio­nen.” Hg: Erich Wewel Ver­lag. Son­der­druck für die Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung und die Innen­be­hör­de der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg. Mün­chen / Dil­lin­gen, 1. Auf­la­ge, 1993, S. 75

[14] Tom Voltz: “Sci­en­to­lo­gy und (k)ein Ende.“ Solo­thurn, Düs­sel­dorf (Wal­ter), 1995, S. 23

[15] Sie­he z.B. „Poli­zei ver­haf­tet Frau wegen Anti-Coro­na-Post auf Face­book“ bei t‑online vom 02.09.2020 um 16:20 Uhr

[16] “End­be­richt der Enquete-Kom­mis­si­on „Soge­nann­te Sek­ten und Psy­cho­grup­pen“, Druck­sa­che 13/10950, Deut­scher Bun­des­tag, 13. Wahl­pe­ri­ode, 09.06.1998, S. 45. Auf­zu­ru­fen unter https://​dip21​.bun​des​tag​.de/​d​i​p​2​1​/​b​t​d​/​1​3​/​1​0​9​/​1​3​1​0​9​5​0​.​pdf.

[17] https://www.wodarg.com/vorstellung/kurzvita-ausf%C3%BChrlicher-werdegang/

[18] https://​www​.bio​lo​gie​-sei​te​.de/​B​i​o​l​o​g​i​e​/​S​u​c​h​a​r​i​t​_​B​h​a​kdi

[19] https://​www​.cle​men​sar​vay​.com/​v​ita

[20] https://​www​.bit​ter​lem​mer​.net/​d​e​b​a​t​t​e​/​d​a​s​-​c​o​r​o​n​a​-​p​a​p​i​e​r​-​a​u​s​-​d​e​m​-​i​n​n​e​n​m​i​n​i​s​t​e​r​i​u​m​-​z​u​m​-​d​o​w​n​l​o​a​d​/​1​7​1​50/

[21] Sie­he z.B. BR 24 “Nach Rede auf Coro­na-Demo: Poli­zist aus Han­no­ver sus­pen­diert” vom 11.08.2020 um 16:09 Uhr

[22] Eileen Bar­ker: „New Reli­gious Move­ments. A Prac­ti­cal Intro­duc­tion.” Lon­don (HSMO), 4. Auf­la­ge, 1995, S. 126–127

[23] Sinn­ge­mä­ße Übersetzung

[24] Ursu­la Caber­ta: „Kind­heit bei Sci­en­to­lo­gy. Ver­bo­ten!“ Güters­loh (Güters­lo­her Ver­lags­haus), 2008, S. 122–123

[25] Ursu­la Caber­ta: „Kind­heit bei Sci­en­to­lo­gy. Ver­bo­ten!“ Güters­loh (Güters­lo­her Ver­lags­haus), 2008, S. 55

[26] dpa: „Coro­na in Sach­sen. Stu­die offen­bart gra­vie­ren­de psy­chi­sche Fol­gen für Kin­der“ bei t‑online.de vom 03.08.2020 um 21:06 Uhr

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