Was die „Zeugen Coronas“ mit den „Zeugen Jehovas“ gemeinsam haben

Corona trennt die Welt in Befür­worter und Gegner der damit begrün­deten Regie­rungs­maß­nahmen. Mit zuneh­mender Dauer der welt­weiten „Corona-Regeln“ wie Social Distancing, Mas­ken­tragen, Hygiene, aber auch den beson­ders dras­ti­schen Ein­schrän­kungen der Grund­rechte durch Lock­downs, häus­liche Iso­la­tion oder Demons­tra­ti­ons­ver­bote führen die Maß­nahmen zu geän­derten Ver­hal­tens­mus­tern. Ehe­ma­lige Freunde werden zu Feinden, wenn sie sich im „fal­schen“ Lager befinden. Selbst offen­bare Wider­sprüche in der Kom­mu­ni­ka­tion der Hand­lungs­füh­renden (z.B. wider­sprüch­liche Aus­sagen von Chris­tian Drosten zum Nicht­nutzen[1] oder dem Nutzen[2] des Mas­ken­tra­gens) werden von Befür­wor­tern ver­drängt anstatt dadurch sein eigenes Han­deln in Frage zu stellen.

Das erin­nert erstaun­lich stark an Mecha­nismen, die man bei Men­schen beob­achten kann, die sich dafür ent­scheiden, einer neuen Reli­gion bei­zu­treten. Nimmt man bei­spiels­weise einen Bud­dhisten, der erst­malig mit einem Christen in Berüh­rung kommt. So wird der Christ ihn im Rahmen seiner mis­sio­na­ri­schen Tätig­keit erst Schritt für Schritt an den neuen Glauben her­an­führen und zunächst den Fokus eher auf Nächs­ten­liebe anstatt auf die Apo­ka­lypse richten. Ein Sci­en­to­loge wird seinem Inter­es­sente auch nicht in den ersten Gesprä­chen von einem Welt­raum­herr­scher Xenu[3] und ihrem eigenen Geheim­dienst[4] berichten, son­dern zunächst u.a. mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kursen und Rei­ni­gungs­rundown einen sanften Ein­stieg finden lassen.

Hierzu heißt es etwa in einem Bei­trag von Frank Usarski wie folgt:

Wei­terhin wird als Vor­aus­set­zung dafür, daß im Rahmen des Rekru­tie­rungs­pro­zesses emo­tio­nale Fak­toren greifen können und daß von der Bewe­gung unter­brei­tete ideo­lo­gi­sche Angebot in die Innen­welt des Umwor­benen ein­geht, ange­nommen, vom Erst­kon­takt bis zur end­gül­tigen Mit­glied­schaft führe ein sys­te­ma­tisch abge­stufter Weg, auf dem der Inter­es­sent unter immer mas­si­verer gefühls­mä­ßiger Ver­ein­nah­mung durch bereits der jewei­ligen Gruppe Zuge­hö­riger und all­mäh­li­cher Aus­schal­tung ratio­naler Ent­schei­dungs­kri­te­rien schritt­weise in das abstruse Welt­bild ein­ge­führt wird.

Hat ein Indi­vi­duum den grup­pen­spe­zi­fi­schen Sinn­ent­wurf erst einmal zu seinem eigenen Deu­tungs­muster gemacht, unter­liegt er – so der impli­ziten Logik der „Brainwashing“-These zufolge – der dau­ernden Gefahr eines Rück­falls in auf­ge­ge­bene Modi der Daseins­in­ter­pre­ta­tion.[5]

Neue Freunde und neue „Wahr­heiten“

Ein gemein­sames Merkmal vieler Kon­ver­titen zu einem anderen Glauben ist es stets, dass sie in der ent­spre­chenden Gemein­schaft neue Freunde und „Wahr­heiten“ finden und dass sie dabei (einen Teil) des alten Freun­des­kreises hinter sich lassen. Oft zeichnen sich Kon­ver­titen dadurch aus, dass sie sich gegen­über den bis­he­rigen Mit­glie­dern als beson­ders eifrig und glau­bens­fest aus­zeichnen wollen.[6]

Die Welt steht kurz vor einer wis­sen­schaft­li­chen Meisterleistung?

Ein wich­tiges Moment, um Mit­glieder für einen neuen Glauben zu gewinnen, ist eine reli­gi­ons­spe­zi­fi­sche Heils­er­war­tung. Analog dazu können die aktu­ellen Erwar­tungen an einen „erlö­senden“ Impf­stoff gesehen werden, wie sie Bill Gates in einem Gast­bei­trag ausführt:

Die Welt steht kurz vor einer wis­sen­schaft­li­chen Meis­ter­leis­tung: Anfang nächsten Jahres soll ein sicherer und wirk­samer Impf­stoff gegen COVID-19 bereit­stehen, ver­mut­lich sogar meh­rere. Damit haben wir end­lich die Chance, der Bedro­hung durch die Pan­demie ein Ende zu setzen – und zur Nor­ma­lität zurückzukehren.

Gibt es eine Imp­fung gegen das Virus, können die Regie­rungen die Maß­nahmen zur räum­li­chen Distan­zie­rung auf­heben. Wir werden keine Masken mehr zu tragen brau­chen. Die Welt­wirt­schaft wird wieder volle Fahrt auf­nehmen.[7]

Eine ähn­liche „Heilerwar­tung“ äußert auch Chris­tian Drosten:

In anderen Teilen der Welt, in denen das Kon­zept darin besteht, eine weit ver­brei­tete Virus­über­tra­gung zu ver­meiden und auf den Ein­satz eines Impf­stoffs zu warten, können wir damit rechnen, dass wir bis Ende 2021 Masken tragen werden. Es ist unmög­lich, genaue Vor­her­sagen zu machen, aber das nächste Jahr wird ein Jahr sein, in dem wir Masken tragen.[8]

Schutz­haft und Kon­zen­tra­ti­ons­lager für Abtrünnige

Die aktu­elle Aus­gren­zung von „Mas­ken­ver­wei­ge­rern“ und Regie­rungs­kri­ti­kern erin­nert an den Umgang der Nazi­dik­tatur mit den Zeugen Jehovas:

Zeugen Jehovas die den Hit­ler­gruß ver­wei­gerten und bei jeder pas­senden und unpas­senden Gele­gen­heit von Hit­lers Ver­nich­tung spra­chen, erfreuten sich nicht lange der Arbeit; mein Vater wurde bald wieder ent­lassen. [….] Die ille­gale Tätig­keit für die Ver­samm­lung nahm ihn sehr in Anspruch. Eines Nachts wurde er ver­haftet. Meine Mutter folgte. „Zehn Monate Gefängnis“ wegen Tätig­keit für die ver­bo­tenen Zeugen Jehovas lau­tete das Urteil. [….] Kaum daß die Eltern zurück­ge­kehrt waren, ver­haf­tete man Vate4r bereits fünf Wochen später aber­mals. Bei einer Arbeits­zu­wei­sung hatte er geäu­ßert, in einem Rüs­tungs­be­trieb werde er nicht für Hitler arbeiten. Als unver­bes­ser­li­cher, fana­ti­scher Zeuge Jehovas wurde er in Schutz­haft genommen und ins Kon­zen­tra­ti­ons­lager gebracht.[9]

Was nun treibt Men­schen in den Glauben an die „Zeugen Coronas“[10]? Hierzu gibt es eine inter­es­sante Par­al­lele, die Mössmer in seinem Buch über die Attrak­ti­vität des mor­mo­ni­schen Glau­bens beschreibt:

Das Bedürfnis nach Sinn beschränkt sich natür­lich nicht auf den Ver­lust von Ange­hö­rigen. Der Mensch ist einer Viel­zahl von Zwängen, Män­geln, Ent­täu­schungen und Krank­heiten aus­ge­setzt, Es geht nicht nur ums Über­leben, son­dern vor allem darum, wie man über­lebt. Wer hinter seinen Mühen einen höheren Zweck erkennen kann, oder wer zumin­dest die Hoff­nung hat, daß am Ende die „Guten“ belohnt und die „Bösen“ bestraft werde, dem wird es sicher leichter fallen, die Wider­wär­tig­keiten des Lebens zu ertragen.[11]

Mit­ma­chen und Einfordern

Nimmt man den Glauben an die Corona-Maß­nahmen als Glau­bens­ge­mein­schaft an, so sind die han­delnden Per­sonen in Politik (z.B. die deut­sche Bun­des­re­gie­rung), deren Berater (z.B. Drosten, Wieler, das RKI) aber auch die flan­kie­renden NGOs (z.B. die Bill & Melinda Gates Foun­da­tion) und supra­na­tio­nalen Orga­ni­sa­tionen (z.B. die WHO) Die­je­nigen, deren Glauben es nach­zu­ei­fern gilt. Wenn also eine Mas­ken­emp­feh­lung aus­ge­spro­chen wird, sehen manche der „Zeugen Coronas“ dies als Auf­for­de­rung an, „Mas­ken­ver­wei­gerer“ ent­spre­chend unter Druck zu setzen, sich eben­falls diesem äußeren Symbol des „Wahren Glau­bens“ zu unterwerfen.

Das Bemühen, eine Bestra­fung (z.B. ein Buß­geld für das Ver­wei­gern des Mas­ken­tra­gens oder der Auf­ent­halt in Fege­feuer und Hölle für einen Katho­liken, der gegen die Dogmen seines Glau­bens ver­stößt) ver­bindet die „Zeugen Coronas“ ebenso sehr mit klas­si­schen Reli­gionen. Die poli­ti­schen Vor­gaben belohnen die „Anhänger Coronas“ damit, dass sie die als furcht­erre­gende kom­mu­ni­zierte Pan­demie an der Aus­brei­tung hin­dern können und durch den „heils­brin­genden“ Impf­stoff schließ­lich besiegen können.  Hierzu führen die Grandts in ihrem Buch über Sata­nismus die Erkennt­nisse des ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­logen Skinner aus:

Ein gewünschtes Ver­halten wird dadurch erlernt, daß alle Reak­tionen, die als Vor­stufe des gewünschten Ver­hal­tens gelten, immer wieder durch bestimmte Ver­stärker bekräf­tigt werden. Dadurch wird die Wahr­schein­lich­keit des Auf­tre­tens der gewünschten Sequenz sehr hoch. Als Hilfs­mittel hierfür dienen Beloh­nung und Bestrafung.

Sata­nisten wollen in den Kin­dern, die sie für ihre Rituale miß­brau­chen, chro­ni­sche Gedan­ken­ver­bin­dungs­stö­rungen und die Ablö­sung des Willes her­vor­rufen. Aus­löser („rein­for­ce­ments“) dafür sind Worte (z.B. „Gott“, „Himmel“), Zahlen, Hand­zei­chen und Musik­stücke. Hier wird die Paw­low­sche Kon­di­tio­nie­rung ange­wendet.[12]

(K)ein Weg zurück?

Schwierig wird es für die Jünger des neuen Glau­bens dann, wenn ihnen erkennbar wird, dass sich Poli­tiker und sie bera­tende Wis­sen­schaftler wider­spre­chen oder den Jün­gern aus anderen Gründen klar wird, dass sie einen ganz oder teil­weise fal­schen Weg ein­ge­schlagen haben, dass sie sich selbst mit­schuldig an der Dis­kri­mi­nie­rung von Mit­men­schen oder der bil­li­gend in Kauf genom­menen Schä­di­gung von Kin­dern gemacht haben oder dass sie sich selbst ihrer Lebens­grund­lage beraubt haben, indem sie ohne echte Not, ihre Selbst­stän­dig­keit gegen die Wand gefahren haben.

Auch hier zeigen sich die­selben Mecha­nismen wie man sie von Aus­stei­gern aus anderen Reli­gionen kennt. So heißt es etwa in einem Son­der­druck der Lan­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung wie folgt:

Dieser Mecha­nismus wirkt so ele­mentar, dass selbst soge­nannte Aus­steiger, die die „Beweise“ gegen die Orga­ni­sa­tion (= Dis­so­nanz) akzep­tiert und ihr den Rücken gekehrt haben, oft­mals immer noch an Hub­bards Lehre glauben. So können sie beru­higt sagen: „Die Kirche ist zwar ein Aus­beu­tungs­un­ter­nehmen, aber die Lehre stimmt“ – zumal sich diese durch ver­meint­liche per­sön­liche Erfah­rungen ja als „wahr“ erwiesen hat. Würden sie dies nicht glauben, müßten sie das Unge­heu­er­liche akzep­tieren: „Ich habe mein Leben für ‚See­len­fänger‘ und Hirn­ge­spinste auf­ge­geben und ver­pfu­schen lassen.“ Dies kann kaum jemand zugeben, ohne psy­chi­sche Schäden davon­zu­tragen.[13]

Ähn­lich berichtet auch ein Aus­steiger aus Sci­en­to­logy von seinen eigenen Erfahrungen:

Jeder hat seine eigene Ent­wick­lungs- bzw. Fas­zi­na­ti­ons­ge­schichte. Und diese geht so lange gut, bis wir erleben, daß Füh­rungs­kräfte der Sci­en­to­logy die als Grund­lage bezeich­neten Prin­zi­pien (Ver­ständnis für die Mit­men­schen, Tole­ranz usw.) fast zu Fremd­wör­tern werden lassen. Doch die Über­zeu­gung, der ein­zigen Orga­ni­sa­tion anzu­ge­hören, die diese Welt zu einer fried­li­chen machen kann, und der Wunsch, dazu einen eigenen Bei­trag zu leisten, lassen viele von uns vor­erst über solche Mängel  hin­weg­sehen.[14]

Bevor Men­schen aus einer reli­giösen Grup­pie­rung aus­steigen, müssen sie sich mit mög­li­chen Strafen für ihre „Ver­feh­lung“ aus­ein­an­der­setzen. Für Zweifler an den Corona-Regeln könnte diese Strafe darin liegen, dass die bis­he­rige Gemein­schaft, Freunde und Familie, nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchte, dass sie bei öffent­lich geäu­ßerten Zwei­feln ihren Beruf aufs Spiel setzen oder je nach poli­ti­schem Régime bereits Strafen dafür in Kauf nehmen müssen, dass das öffent­liche Nar­rativ in den sozialen Medien allzu deut­lich hin­ter­fragt wird (z.B. Kritik am aktu­ellen Lock­down in Mel­bourne / Aus­tra­lien)[15]. Das ent­spricht bei vielen reli­giösen Gemein­schaften dem Bruch der Arkandisziplin:

Jede Satans­or­ga­ni­sa­tion (Kult), Gruppe, Loge oder jeder Orden pflegt ihre, bzw. seine „Arkan­dis­zi­plin“. Initi­ierte (ein­ge­weihte) Mit­glieder dürfen oft bei mar­tia­li­scher Straf­an­dro­hung (z. B. Folter, Ver­ge­wal­ti­gung, Tod usw.) keine Infor­ma­tionen über die Infra-struktur und den Orga­ni­sa­ti­ons­grad der Gruppe, Loge, des Ordens nach außen wei­ter­geben. Auch dürfen sie nicht über Initia­ti­ons­grade, über den genauen Ablauf von Ritualen oder sons­tigen Prak­tiken berichten. Das Initia­ti­ons­ri­tual bindet ferner die Mit­glieder zeit ihres Lebens an die Orga­ni­sa­tion. Sie können nach dem Selbst­ver­ständnis der Gruppe, Loge oder des Ordens nicht mehr aus­steigen. Es sei denn, die Orga­ni­sa­tion würde sich auf­lösen oder den „Ein­ge­weihten“ ereilt der Tod. Aus­stiegs­wil­ligen wird die wilde Ent­schlos­sen­heit der Orga­ni­sa­tion, sie nicht so ohne wei­teres ziehen zu lassen, psy­chisch wie phy­sisch vor Augen geführt.[16]

Aus­gren­zung, Ver­leum­dung, Diskreditierung

Auch, wenn die Regeln der „Zeugen Coronas“ öffent­lich bekannt sind und inso­fern keiner Arkan­dis­zi­plin zu unter­liegen scheinen, werden jene durch öffent­liche Ver­un­glimp­fung bestraft, die diese Regeln hin­ter­fragen, in Frage stel­lende Doku­mente leaken oder das öffent­liche Nar­rativ kom­plett ad absurdum führen. Opfer sol­cher Ver­leum­dungs- und Dis­kre­di­tie­rungs­maß­nahmen sind aktuell z.B. Dr. Wolf­gang Wodarg (u.a. ehe­ma­liger Amts­arzt sowie Fach­arzt für Innere Medizin – Lungen- und Bron­chi­al­heil­kunde[17]), Prof. Dr. Sucharit Bhakdi (u.a. Pro­fessor für Medi­zi­ni­sche Mikro­bio­logie[18]), Dr. Bodo Schiff­mann (HNO-Arzt und Spe­zia­list für Schwin­del­er­kran­kungen), Dr. Cle­mens Arvay (öster­rei­chi­scher Bio­loge und Autor mit dem Schwer­punkt der Gesund­heits­öko­logie[19]), aber auch Ste­phan Kohn (der Ver­fasser des  so genannten „Fehl­alarm­pa­piers“[20]) oder all jene remons­trie­renden Poli­zisten, die im Rahmen von Quer­denken in die Öffent­lich­keit traten[21].

Der Aus­stieg aus einer selbst­ge­wählten Reli­gion bleibt auch jen­seits der oben benannten Pro­ble­matik oft nicht fol­genlos für die betref­fenden Per­sonen. Hierzu gibt Eileen Barker in ihrer Ein­füh­rung in Neue Reli­giöse Grup­pie­rungen einige Ausführungen:

Ex—members may feel very uncer­tain of their self-iden­tity and future direc­tion in life. Some will have become sus­pi­cious and, if they feel they have been betrayed or let down, they may find it dif­fi­cult to trust others. They may also, espe­cially if they have been depro­grammed or expelled from the move­ment, find it dif­fi­cult to trust themselves. 

Alt­hough there cer­tainly are cases where ex-mem­bers will have done a com­plete about-turn, or may still embrace a sec­ta­rian per­spec­tive on life, it is more likely that they will be “normal” men and women who have under­gone a par­ti­cular type of expe­ri­ence that has not made them fun­da­ment­ally dif­fe­rent from their peers (who will them­selves have under­gone a variety of expe­ri­ences).[22]

Ehe­ma­lige Mit­glieder mögen sich über ihr Selbst­bild und ihre Zukunfts­per­spek­tiven unsi­cher sein. Einige mögen miss­trau­isch geworden sein und, wenn sie sich betrogen oder fal­len­ge­lassen fühlen, es schwer finden, Dritten zu ver­trauen. Sie mögen es schwer finden, ins­be­son­dere, wenn sie depro­gram­miert oder aus ihrer Bewe­gung aus­ge­schlossen wurden, sich selbst zu vertrauen.

Obwohl es sicher Fälle gibt, in denen sich ehe­ma­lige Mit­glieder voll­ständig umge­kehrt haben, oder noch immer eine sek­tie­ri­sche Sicht­weise auf ihr Leben ver­treten, wird es wahr­schein­li­cher, dass sie „nor­male“ Männer und Frauen sein werden, die spe­zi­elle Erleb­nisse durch­lebt haben, die sie voll­ständig unter­schieden von ihren ansonsten Gleich­ge­stellten gemacht haben (die ihrer­seits eine Viel­zahl von Erfah­rungen gemacht haben).[23]

Alles außer Mainstream

Wenn etwa der bekannte Schwin­del­arzt Dr. Bodo Schiff­mann aus dem Main­stream aus­tritt und nun­mehr für „Alles außer Main­stream“ steht, macht ihn dies in den Seiten der Herr­schenden zu einem „Aus­sät­zigen“. Dies zeigt sich in diversen Falsch- und Hetz­dar­stel­lungen gegen­über seiner Person als auch in berech­tigter Kritik, wenn unge­prüft Quellen als Fakten aus­ge­geben wurden.  Obwohl auch auf Erwach­senen als Aus­stei­gern ein großer gesell­schaft­li­cher Druck lastet und manche daran zer­bre­chen mögen, ist es gerade für Kinder noch deut­lich schwie­riger aus den von der Politik, ihren Lehrer und Eltern ver­ord­neten Corona-Glauben aus­zu­bre­chen. Hierzu gibt es ana­loge Pro­bleme aus der Welt der „echten“ Reli­gionen. So berichtet etwa Ursula Caberta in ihrem Buch über Kind­heit in der Sci­en­to­logy über einen bei­spiel­haften Jungen, der aus der dor­tigen Eli­te­or­ga­ni­sa­tion in Saint Hill aus­bre­chen möchte und sich in diesem Zusam­men­hang hil­fe­su­chend an seinen Vater wen­dete, wie folgt:

Doch was anschlie­ßend pas­siert, gleicht eher einem Alp­traum. Da Edwin nicht nach einer Woche – wie ange­kün­digt – zurück in Saint Hill ist, wird die Mutter infor­miert. Der Vater bekommt eine Anzeige wegen Kin­des­entzug. Edwin ist sich aber inzwi­schen so sicher, dass er mit seinem Vater den Weg ohne Sci­en­to­logy gehen will, und er diesem nun eine Stütze sein will. Bis Sor­ge­recht, Auf­ent­halts­recht und alle wei­teren For­ma­li­täten end­gültig geklärt sind, dauert es natürlich.

Die per­ma­nenten Anrufe seiner Mutter machen Edwin schwer zu schaffen. Denn nun hat er zwar seinen Vater gefunden, aber seine Mutter ver­loren. Leider gibt es für ihn keine Mög­lich­keit ihr zu erklären, warum er diesen Weg gegangen ist. Sie wird es nie­mals akzep­tieren. Ihr Sohn ist nun plötz­lich auf der anderen Seite, der geg­ne­ri­schen.[24]

Wenn es um den Aus­stieg von Men­schen aus der Sci­en­to­logy bzw. über­tra­gend aus der Corona-Reli­gion kommt, stellt sich die Situa­tion für Ein­zelne ganz anders dar als wenn die ganze Familie als Bezugs­system aussteigt:

Wenn es einem Men­schen gelingt, sich irgend­wann aus der Sci­en­to­logy-Orga­ni­sa­tion zu lösen, reflek­tiert er häufig erst lange Zeit später, wel­chen Methode er jah­re­lang im System aus­ge­lie­fert war.  Ver­lassen ganze Fami­lien mit ihren Kin­dern Sci­en­to­logy, machen sich die Eltern häufig hefigste Vor­würfe, eine aus­rei­chend lie­be­volle Bezie­hung zu Söhnen und Töch­tern auf­ge­baut zu haben. Sie ver­trauten einer Ideo­logie, die ihnen nicht einmal Zeit für ihre Kinder gelassen hat. Sie sind ihren Kin­dern fremd geworden und haben ihnen keine Liebe geschenkt. Ein Kind, das ohne das Gefühl von Nähe und Gebor­gen­heit auf­wachsen muss, hat es bekannt­lich im Leben sehr schwer.

Aller­dings haben Eltern und ihre Kinder mit dem Aus­stieg aus der Orga­ni­sa­tion eine neue Chance. Diese funk­tio­niert aber nur, wenn sie gemeinsam gehen. [25]

Der Druck zeigt Wirkung

Psy­cho­lo­gi­sche Folgen für Kinder hat die aktu­elle Coro­na­krise bereits hinterlassen:

Eine zweite Corona-Studie in Sachsen bestä­tigt: Schulen waren dort bis­lang keine Infek­ti­ons­herde. Aller­dings seien die psy­chi­schen Aus­wir­kungen der Krise für die Kinder klar erkennbar. 

Corona löse zudem Sorgen um Familie und Zukunft aus, bei Mäd­chen vor­rangig auch um die Gesell­schaft. „Über ein Fünftel der Kinder findet, dass das Leben nie wieder so sein wird wie vor Covid-19“, so Kiess. „Und drei Viertel sagten von sich aus, ich möchte bitte wieder in die Schule gehen.“ Fazit: Schul­schlie­ßungen schaden denen massiv, „die sowieso wenig an Bil­dung teil­haben“.[26]

Wer die Gesell­schaft mit wachen Augen beob­achtet, kommt nicht umhin fest­zu­stellen, dass Kinder und Erwach­sene glei­cher­maßen von den getrof­fenen Maß­nahmen betroffen sind und Par­al­lelen zu einer reli­giösen Bewe­gung unver­kennbar sind.


Fuß­noten:

[1] Siehe z.B. Prof. Dr. Chris­tian Drosten im Inter­view beim RBB vom 30.01.2020 bei https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​J​7​I​c​_​b​b​R​kXQ.

[2] Siehe z.B. ZEIT-Online vom 01.09.2020 um 14:32 „NDR-Pod­cast: Chris­tian Drosten wirbt nach­drück­lich für Mund-Nasen-Schutz

[3] Chris­toph Min­hoff und Mar­tina Müller: „Sci­en­to­logy. Irr­garten der Illu­sionen.” Hg: Erich Wewel Verlag. Son­der­druck für die Lan­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung und die Innen­be­hörde der Freien und Han­se­stadt Ham­burg. Mün­chen / Dil­lingen, 1. Auf­lage, 1993, S. 43–44

[4] Siehe z.B. Wil­fried Handl „Das wahre Gesicht von Sci­en­to­logy. Eine Doku­men­ta­tion mit mehr als 120 Abbil­dungen!“ Wien (Gesell­schaft gegen Dogmen und psy­chi­sche Abhän­gig­keit), 2010S. 145–170.

[5] Frank Usarski „Die Stig­ma­ti­sie­rung Neuer Spi­ri­tu­eller Bewe­gungen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“ Köln, Wien (Böhlau),1988 (Kölner Ver­öf­fent­li­chungen zur Reli­gi­ons­ge­schichte. Band 15), S. 127–128

[6] Siehe z.B. den Erfah­rungs­be­richt eines ehe­ma­ligen Zeugen Jehovas von Gün­ther Pape „Ich war Zeuge Jehovas“. Augs­burg (Welt­bild), 1993, S. 8; „Die Ver­wandten begannen sich von uns zurück­zu­ziehen. Meine Eltern seien zu fana­tisch, meinten sie.“

[7] Bill Gates „Drei Bedin­gungen, um die Pan­demie zu stoppen“ in: „Frank­furter All­ge­meine“, aktua­li­siert am 30.09.2020 um 11:07 Uhr.

[8] Nina Haase im Inter­view mit Prof. Dr. Drosten bei DW: „Corona-Experte Drosten: „Masken werden wir so schnell nicht los““

[9] Gün­ther Pape „Ich war Zeuge Jehovas“. Augs­burg (Welt­bild), 1993, S. 10

[10] Dies ein von der You­Tuberin in ihrem täg­li­chen Video­blog scherz­haft geprägter Begriff

[11] Albert Mössmer: „Die Mor­monen. Die Hei­ligen der Letzten Tage.“ Solo­thurn, Düs­sel­dorf (Walter), 1995, S. 260

[12] Guido und Michael Grandt: “Schwarz­buch Sata­nismus.“ Mün­chen (Knaur), 1996, S. 145–146

[13] Chris­toph Min­hoff und Mar­tina Müller: „Sci­en­to­logy. Irr­garten der Illu­sionen.” Hg: Erich Wewel Verlag. Son­der­druck für die Lan­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung und die Innen­be­hörde der Freien und Han­se­stadt Ham­burg. Mün­chen / Dil­lingen, 1. Auf­lage, 1993, S. 75

[14] Tom Voltz: “Sci­en­to­logy und (k)ein Ende.“ Solo­thurn, Düs­sel­dorf (Walter), 1995, S. 23

[15] Siehe z.B. „Polizei ver­haftet Frau wegen Anti-Corona-Post auf Face­book“ bei t‑online vom 02.09.2020 um 16:20 Uhr

[16] “End­be­richt der Enquete-Kom­mis­sion „Soge­nannte Sekten und Psy­cho­gruppen“, Druck­sache 1310950, Deut­scher Bun­destag, 13. Wahl­pe­riode, 09.06.1998, S. 45. Auf­zu­rufen unter https://​dip21​.bun​destag​.de/​d​i​p​2​1​/​b​t​d​/​1​3​/​1​0​9​/​1​3​1​0​9​5​0​.​pdf.

[17] https://www.wodarg.com/vorstellung/kurzvita-ausf%C3%BChrlicher-werdegang/

[18] https://​www​.bio​logie​-seite​.de/​B​i​o​l​o​g​i​e​/​S​u​c​h​a​r​i​t​_​B​h​a​kdi

[19] https://​www​.cle​mensarvay​.com/​v​ita

[20] https://​www​.bit​ter​lemmer​.net/​d​e​b​a​t​t​e​/​d​a​s​-​c​o​r​o​n​a​-​p​a​p​i​e​r​-​a​u​s​-​d​e​m​-​i​n​n​e​n​m​i​n​i​s​t​e​r​i​u​m​-​z​u​m​-​d​o​w​n​l​o​a​d​/​1​7​1​50/

[21] Siehe z.B. BR 24 “Nach Rede auf Corona-Demo: Poli­zist aus Han­nover sus­pen­diert” vom 11.08.2020 um 16:09 Uhr

[22] Eileen Barker: „New Reli­gious Move­ments. A Prac­tical Intro­duc­tion.” London (HSMO), 4. Auf­lage, 1995, S. 126–127

[23] Sinn­ge­mäße Übersetzung

[24] Ursula Caberta: „Kind­heit bei Sci­en­to­logy. Ver­boten!“ Gütersloh (Güters­loher Ver­lags­haus), 2008, S. 122–123

[25] Ursula Caberta: „Kind­heit bei Sci­en­to­logy. Ver­boten!“ Gütersloh (Güters­loher Ver­lags­haus), 2008, S. 55

[26] dpa: „Corona in Sachsen. Studie offen­bart gra­vie­rende psy­chi­sche Folgen für Kinder“ bei t‑online.de vom 03.08.2020 um 21:06 Uhr

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