Kurz­check: Jagd­haft­pflicht­ver­si­che­rung 04.2021 der Gothaer

Zum 01.04.2021 hat die Gothaer ihre bis­he­rige Jagd­haft­pflicht­ver­si­che­rung aktua­li­siert, nachdem die Bewe­gungs­jagd­ver­si­che­rung zuletzt im Sep­tember 2020 ange­passt wurde.

Zur Ver­fü­gung stehen in der Haft­pflicht­ver­si­che­rung die Deckungs­summen 3 Mil­lionen, 6 Mil­lionen bzw. 15 Mil­lionen Euro. Die bisher abschließ­bare Deckungs­summe von auch 20 Mil­lionen Euro ist über die Web­site des Unter­neh­mens nicht mehr abschließbar, wird aber auf dem Antrags­druck­stück mit Stand 04.2021 wei­terhin ausgewiesen.

Zur Prä­mien­re­du­zie­rung kann ein Selbst­be­halt von 300 Euro ver­ein­bart werden. Dieser gilt nur für Sach- und Ver­mö­gens­schäden, nicht jedoch für Personenschäden.

© 2021 Cri­tical-News – Wo sind die Sauen?

Rabat­tiert wird auch die Ver­ein­ba­rung einer Lauf­zeit von drei Jahren. In der Ver­gan­gen­heit hat die Gothaer bei Wahl einer mehr­jäh­rigen Ver­trags­lauf­zeit den Ver­trag anschlie­ßend, ohne bedin­gungs­sei­tige Rege­lung und ent­gegen der bedin­gungs­sei­tigen GDV-Garantie auto­ma­tisch um wei­tere drei Jahre ver­län­gert. So hieß es bei­spiels­weise in einem Schreiben des Jagd­be­rei­ches der Gothaer am 07.02.2020 wie folgt:

„Bei abge­schlos­senen 3‑Jahres-Ver­trägen, ver­län­gern wir die Bei­trags­zah­lung um die ursprüng­lich gewünschte Länge um eine 3‑Jahres-Bestä­ti­gung für die Untere Jagd­be­hörde zur Jagd­schein­ver­län­ge­rung aus­stellen zu können. Dies ist zu 99 % im Sinne der Kunden da diese nur alle 3 Jahre zur Behörde wollen.“

Auch auf Nach­frage wurde damals für dieses Ver­halten keine recht­liche Begrün­dung gegeben.

Ob die Gothaer diese Eige­ner­mäch­ti­gung auch die neue Tarif­ge­nera­tion fort­setzen will, ist nicht bekannt. Auf­grund der bedin­gungs­sei­tigen GDV-Garantie kann ein Kunde jedoch den­noch bedin­gungs­seitig jähr­lich zur jewei­ligen Haupt­fäl­lig­keit kündigen.

Der neue Tarif weist über­wie­gend Ver­bes­se­rungen gegen­über dem Tarif 04.2019 auf. Die gesetz­liche Haft­pflicht von Falk­nern ist nur noch ver­si­chert, wenn damit keine gewerb­liche Jagd­aus­übung ver­bunden ist [Ziffer 1 BBR].

Aus­ge­wählte Ver­bes­se­rungen und Klar­stel­lungen Tarif 04.2021 im Unter­schied zum Tarif 04.2019:

  • Ziffer 2 BBR: Ergän­zende Klar­stel­lung zu waf­fen­recht­lich erlaubtem Zubehör um Nacht­ziel­vor­satz­ge­räte, künst­liche Licht­quellen, Vor­rich­tungen zum Anstrahlen und Beleuchten des Ziels
  • Ziffer 2.17 BBR: Aus­übung einer selbst­stän­digen neben­be­ruf­li­chen Tätig­keit als Wild­scha­den­schätzer bis zu einem Gesamt­jah­res­um­satz von 5.000 Euro (nicht Schäden aus dem erstellten Gut­achten), bis­lang nur bis 3.000 Euro Gesamtjahresumsatz
  • Ziffer 7 BBR: Für Jagd­schein­an­wärter neu ein­ge­führt wurde Unfall­ver­si­che­rungs­schutz wäh­rend der direkten Aus­bil­dung: Inva­li­di­täts­summe 100.000 Euro, 10.000 Euro Unfalltod.
  • Ziffer 12 BBR: Im Rahmen der Mit­ver­si­che­rung von Haft­pflicht­an­sprü­chen wegen der Beschä­di­gung oder des Abhan­den­kom­mens von zum ver­si­cherten pri­vaten Zweck (Jagd) gemie­teten, gepach­teten, gelie­henen oder als Gegen­stand eines beson­deren Ver­wah­rungs­ver­trages befind­li­chen Sachen aus­drück­liche Mit­ver­si­che­rung Hunde-Pkw-Anhänger bis 2.500 Euro mit 150 Euro Selbstbehalt.
  • Ziffer 13 BBR: Beschä­di­gung oder Abhan­den­kommen von fremden, zu pri­vaten jagd­li­chen Zwe­cken über­las­senen Schlüs­seln erhöht von 2.500 Euro auf 5.000 Euro, jedoch wei­terhin mit 150 Euro Selbstbehalt
  • Ziffer 14 BBR: Mit­ver­si­che­rung von Gefäl­lig­keits­schäden erhöht von 50.000 Euro auf 100.000 Euro, jedoch wei­terhin mit 150 Euro Selbstbehalt.
  • Ziffer 15 BBR: Im Rahmen des Ver­zichts auf den Ein­wand des feh­lenden Ver­schul­dens bei Hun­de­schäden durch Schuss­waf­fen­ge­brauch Erhö­hung des Jagd­hun­de­s­cha­dens von 4.000 Euro auf 5.000 Euro
  • Ziffer 30 BBR: Die bis­he­rige Haf­tungs­ver­zichts­er­klä­rung für den Ver­si­che­rungs­nehmer als Jagd­gast oder Bege­hungs­schein­in­haber, der einen Haf­tungs­ver­zicht gegen­über dem Jagd­aus­übungs­be­rech­tigten unter­schreibt, wurde nun um For­de­rungen und Ansprüche an den Jagd­leiter ergänzt.
  • Ziffer 31 BBR: Kün­di­gungs­ver­zicht im Scha­den­fall: „Besteht eine Jagd-Haft­pflicht­ver­si­che­rung länger als fünf Jahre scha­den­frei bei der Gothaer, so ver­zichtet die Gothaer auf das Son­der­kün­di­gungs­recht im Scha­den­fall. Aus­ge­nommen hiervon bleiben Scha­den­fälle mit betrü­ge­ri­schem Anschein.“ Hierbei ist bedin­gungs­seitig nicht defi­niert, wann ein betrü­ge­ri­scher Anschein nach­ge­wiesen wurde
  • Ziffer 32 BBR: Bei­trags- und Leis­tungs­ga­rantie: „Auf Wunsch des Ver­si­che­rungs­neh­mers kann jeder­zeit eine Über­prü­fung seines Ver­trages im Hin­blick auf Bei­trag und Leis­tungen erfolgen. Sollten sich aus den aktu­ellen Versicherungsbedingun­gen, Deckungs­summen und Bei­trägen Ver­bes­se­rungen für den Kunden ergeben, wird umge­hend eine Umstel­lung des Ver­trages vor­ge­nommen.“ Diese Garantie ist eher als Klar­stel­lung anzusehen.
  • Ziffer 33 BBR: Mit­ver­si­che­rung von Schäden durch elek­tro­ni­schen Daten­aus­tausch im Inland
  • Ziffer 34 BBR: Besitz­stands­ga­rantie für die ersten drei Jahren nach Ver­trags­ab­schluss (etwas irre­füh­rend als „Best­leis­tungs­ga­rantie“ bezeichnet)

Die Brut­to­jah­res­prämie für eine Jagd­haft­pflicht­ver­si­che­rung ohne Selbst­be­halt für eine 15-Mil­lionen-Euro-Deckung kostet bei ein­jäh­riger Ver­trags­lauf­zeit 77,37 Euro, bei drei­jäh­riger Lauf­zeit 220,48 Euro. Bei Wahl einer Deckungs­summe von 20 Mil­lionen Euro erhöhen sich die benannten Prä­mien auf 83,68 Euro bzw. 238,51 Euro. Die benannten Prä­mien sind für Mit­glieder eines Lan­des­jagd­ver­bandes rabat­tiert. Dies gilt aber nur für Tarife ohne Selbstbehalt.

Optio­nale Ergän­zung für Tier­arzt­kosten und Unfalltod ver­si­cherter Jagdhunde

Die ergän­zende Bewe­gungs­jagd­ver­si­che­rung (Hun­de­un­fall­ver­si­che­rung), die 2010 durch das Unter­nehmen ein­ge­führt wurde, wird aktuell in vier Vari­anten angeboten:

  • Vari­ante A: Tier­arzt­kosten in Höhe von bis zu 750 Euro (50 Euro Selbst­be­halt), Unfalltod bis 1.500 Euro, Brut­to­jah­res­bei­trag: 79,50 Euro
  • Vari­ante B: Tier­arzt­kosten in Höhe von bis zu 1.500 Euro (100 Euro Selbst­be­halt), Unfalltod bis 750 Euro; Brut­to­jah­res­bei­trag: 79,50 Euro
  • Vari­ante C: Tier­arzt­kosten in Höhe von bis zu 2.500 Euro (100 Euro Selbst­be­halt), Unfalltod bis 750 Euro; Brut­to­jah­res­bei­trag: 119,50 Euro
  • Vari­ante D: Tier­arzt­kosten in Höhe von bis zu 3.500 Euro (100 Euro Selbst­be­halt), Unfalltod bis 750 Euro; Brut­to­jah­res­bei­trag: 159,50 Euro

Bezogen auf die Tarife mit einer Deckungs­summe von 6 bzw. 15 Mil­lionen Euro werden die beschrie­benen Tarife mit sowie ohne ergän­zende Jagd­hun­de­un­fall­ver­si­che­rung von Witte Finan­cial Ser­vices mit „Gold“ bewertet.

Abwei­chende Ver­ein­ba­rungen für Gruppenverträge

Bitte beachten Sie, dass die Gothaer viele Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­träge mit ein­zelnen Jagd­ver­einen, sowie Jagd­ver­bänden geschlossen hat, die mit­unter ver­al­tete Bedin­gungs­werke oder abwei­chende Deckungs­in­halte vor­sehen.  Hier bei­spiel­haft zur Hundeunfallversicherung:

Bei­spiel 1: Kreis­jagd­verein Schüch­tern e.V. für die Klausel 144 (Jagd­hun­de­un­fall­ver­si­che­rung) sieht eine Leis­tung bei Unfalltod ver­si­cherter Jagd­hunde von 1.000 Euro, für unge­prüfte Hunde von je 750 Euro sowie Tier­arzt­kosten bis 2.000 Euro mit 150 Euro Selbst­be­halt vor. Bedin­gungs­stand ist hier 03.2016. Ver­si­che­rungs­schutz besteht nur für Unfälle von Jagd­hunden der Jäger­ver­ein­ba­rung auf Treib- und Gesell­schafts­jagden (mehr als 4 Per­sonen) in Hessen und den angren­zenden Bun­des­län­dern[1].

Bei­spiel 2: Der Lan­des­jagd­ver­band Rhein­land-Pfalz e.V. arbeitet mit einem Bedin­gungs­stand 01.2017 für die Jagd­hun­de­un­fall­ver­si­che­rung. Die Leis­tung bei Unfalltod ver­si­cherter Jagd­hunde beträgt 2.000 Euro, für unge­prüfte Hunde von je 1.000 Euro sowie Tier­arzt­kosten bis 1.000 Euro mit 100 Euro Selbst­be­halt vor. Ver­si­che­rungs­schutz besteht nur für Unfälle von Jagd­hunden der Jäger­ver­ein­ba­rung auf Treib- und Gesell­schafts­jagden (mehr als 3 Per­sonen) in Rhein­land-Pfalz und den angren­zenden Bun­des­län­dern. Ver­si­che­rungs­schutz besteht für alle gesunden Jagd­hunde ab 6 Monaten bis zum voll­endeten 12. Lebens­jahr[2].

Bei­spiel 3: Der Öko­lo­gi­sche Jagd­verein Baden-Würt­tem­berg e.V. sieht eine Leis­tung bei Unfalltod ver­si­cherter Jagd­hunde von 1.000 Euro, für unge­prüfte Hunde von je 750 Euro sowie Tier­arzt­kosten bis 2.000 Euro mit 150 Euro Selbst­be­halt vor. Ver­si­chert sind Unfälle von Jagd­hunden auf Treib- und Gesell­schafts­jagden (mehr als 4 Per­sonen) in den Bun­des­län­dern der bei­getre­tenen Lan­des­ver­eine, sowie den jeweils angren­zenden Bun­des­län­dern. Maß­geb­lich ist nicht der Wohnort der Mit­glieder, son­dern die Mit­glied­schaft im jewei­ligen Lan­des­verein[3]. Ein Bedin­gungs­stand wird auf der Web­site nicht benannt.

Neues Gold-Rating

Die Bewer­tung von Witte Finan­cial Ser­vices bezieht sich aus­schließ­lich auf den direkt über die Gothaer oder über ver­mit­telnde Makler abschließ­baren Stan­dard­tarif A 120 des Unter­neh­mens mit dem Bedin­gungs­stand 04.2021.

Jäger, die sich bei der Gothaer über die Jagd­haft­pflicht- bzw. Jagd­hun­de­un­fall­ver­si­che­rung hinaus absi­chern wollen, stehen wei­tere Pro­dukte zur Verfügung:

  • Ver­si­che­rung von Jagd- und Sport­waffen nebst Zubehör
  • Jagd­waf­fen­ver­si­che­rung
  • Jagd-Rechts­schutz­ver­si­che­rung
  • Jagd-Unfall­ver­si­che­rung
  • Drohnen-Kasko
  • Einzel-Haft­pflicht-/Un­fall­ver­si­che­rung für Jagd­schein­an­wärter (nur 3 Mio. Euro für Per­sonen- und Sach­schäden bzw. 10.000 Euro Unfalltod sowie 100.000 Euro Inva­li­dität)

Aus­ge­wählte Leis­tungen des Tarifs A 120 – Stand: 04/2021 der Gothaer

  • Ver­zicht auf eine Maxi­mie­rung der Deckungssumme
  • Bedin­gungs­sei­tige Garantie, dass nicht zum Nach­teil des Ver­si­che­rungs­neh­mers von den unver­bind­li­chen Mus­ter­be­din­gungen des GDV abge­wi­chen wird (GDV-Garantie), aller­dings bezogen auf den Stand bei Antrags­stel­lung und nicht für etwaige Ver­bes­se­rungen nach Vertragsbeginn
  • Inno­va­ti­ons­klausel für zukünf­tige Leis­tungs­ver­bes­se­rungen ohne Mehrbeitrag
  • Besitz­stands­ga­rantie, aller­dings nur für die ersten drei Jahre nach Abschluss des Ver­trages (so genannte „Best­leis­tungs­ga­rantie“, womit übli­cher­weise eine „Markt­an­pas­sungs­klausel“ bzw. „erwei­terte Vor­sorge“ bezeichnet wird). Für den Makler könnte damit eine erhöhte Haf­tung ver­bunden sind, wenn nicht auf diesen Umstand hin­ge­wiesen wird und ggf. ein erster Schaden mit Ver­weis auf die Besitz­stands­ga­rantie regu­liert würde und ein zweiter gleich­ar­tiger Schaden nach z. B. vier Jahren abge­lehnt würde. Unklar ist, was der Aus­schluss für „All-Risk Deckungen“ bedeuten soll, da prin­zi­piell alle Haft­pflicht­ver­si­che­rungen sowohl benannte als auch unbe­nannte Gefahren einschließen.
  • Ver­si­che­rungs­schein bei Haft­pflicht­an­sprü­chen Dritter aus fahr­läs­siger Über­schrei­tung des beson­deren Waf­fen­ge­brauchs­rechts der Forst- und Jagd­schutz­be­rech­tigten, des Not­wehr­rechts sowie aus ver­meint­li­cher Not­wehr in der ver­si­cherten Eigenschaft.
  • Mit­ver­si­che­rung wegen Haft­pflicht­an­sprü­chen Dritter aus der Durch­füh­rung von Gesell­schafts­jagden (z. B. Treib?, Drück- und Bewe­gungs­jagd) und revier­über­grei­fenden Jagden ins­be­son­dere der Verkehrssicherungspflicht
  • For­de­rungs­aus­fall­de­ckung ohne Selbst­be­halt und mit Leis­tung auch bei Vor­satz­taten Dritter sowie in der Eigen­schaft des Dritten als Tier­halter oder ‑hüter
  • Ver­si­che­rungs­schutz wegen Haft­pflicht­an­sprü­chen aus dem Halten, Führen und Gebrauch bzw. Abtragen und Abrichten von Beiz­vö­geln (auch Eulen und Sperber), Frett­chen und jagd­lich brauchbaren/verwendbaren Jagd­hunden (auch ohne FCI oder VDH Papiere) in unbe­grenzter Anzahl.
  • Für Jagd­hun­de­welpen bis zu einem Alter von 36 Monaten besteht Ver­si­che­rungs­schutz, ohne dass es des Nach­weises der jagd­li­chen Abrich­tung / Aus­bil­dung bedarf. Nach den 36 Monaten besteht Ver­si­che­rungs­schutz bis zum Alter von 36 Monaten, wenn der Jagd­hund sich nach­weis­lich in jagd­li­cher Abrich­tung oder Aus­bil­dung befindet.
  • Ver­si­che­rungs­schutz für die Tötung von Schwarz­wild im Sau- und Frischlingsfang
  • Mit­ver­si­chert sind inner­halb Deutsch­lands pri­vate Luft­fahr­zeuge zu jagd­li­chen Zwe­cken (Drohnen – mit oder ohne Motor/ Treib­satz) bis max. 5?kg Start­ge­wicht. Sofern diese Flug­ge­räte einer Ver­si­che­rungs­pflicht unter­liegen tritt dieser Ver­trag sub­si­diär in Deckung
  • Ver­si­che­rungs­schutz als neben­be­ruf­li­cher Wild­scha­den­schätzer bis zu einem Gesamt­jah­res­um­satz von 5.000 Euro
  • Ver­zicht auf den Ein­wand des feh­lenden Ver­schul­dens bei Jagd­hun­de­s­chaden durch Hieb‑, Stoß- oder Schuss­waf­fen­ge­brauch bis in Höhe von 5.000 Euro
  • Mit­ver­si­che­rung von Schmer­zens­geld­an­sprü­chen im Rahmen der Angehörigenklausel
  • Aus­drück­li­cher Ver­si­che­rungs­schutz für Haft­pflicht­an­sprüche Dritter im Zusam­men­hang mit dem Anbringen von Wild­warn­re­flek­toren und Duft­zäunen, soweit hierfür eine behörd­liche Geneh­mi­gung vorliegt
  • Mit­ver­si­che­rung von Haft­pflicht­an­sprü­chen aus dem Aus­bringen und Ver­ab­rei­chen von Arz­nei­mit­teln an Wild im Sinne des Arz­nei­mit­tel­ge­setzes sowie Auf­bau­prä­pa­raten mit Zustim­mung der zustän­digen Behörde und Maß­nahmen zur Seu­chen­ab­wehr (ver­mehrte Suche nach ver­en­deten Wild­schweinen in Ver­bin­dung mit der Schwei­ne­pest­ver­ord­nung und Tier­ge­sund­heits­ge­setz) sowie auch zur Vor­beu­gung gegen Tierseuchen
  • Mit­ver­si­che­rung von Haft­pflicht­an­sprü­chen aus dem Aus­tausch, der Über­mitt­lung und der Bereit­stel­lung elek­tro­ni­scher Daten (Inter­net­klausel). Kein Ver­si­che­rungs­schutz besteht für Daten im Aus­land, also z. B. wenn unge­wollt eine viren­in­fi­zierte Mail des Ver­si­che­rungs­neh­mers grob fahr­lässig Schaden bei einem befreun­deten Jäger oder Jagd­ver­an­stalter im Aus­land ver­ur­sa­chen sollte.
  • Ver­si­che­rungs­schutz für den Tod ver­si­cherter Hunde durch die nach­ge­wie­sene Aujesz­ky­sche Krank­heit (Pseu­dowut) im Rahmen der Klausel 144 (Mit­ver­si­che­rung von Jagd­un­fällen, die den Tod, die Not­tö­tung oder die tier­ärzt­liche Behand­lung von Jagd­hunden nach sich ziehen)
  • Bei­trags- und Leis­tungs­ga­rantie (siehe oben)
  • Mit­ver­si­che­rung von Kas­ko­schäden am eigenen Kfz durch Zusam­men­stoß mit wild­le­benden Tieren (z. B. Bär und Wolf), die nicht dem Jagd­recht unter­liegen (§ II Bun­des­jagd­ge­setz – BJG), nach Maß­gabe der zum Scha­den­zeit­punkt gelten­den Bedin­gungen zur Fahr­zeug­ver­si­che­rung. Hierbei gilt ein Selbst­be­halt von 150 Euro. Da mitt­ler­weile die meisten Kas­ko­ver­si­che­rungen nicht mehr auf Unfälle mit Haar­wild beschränkt sind und ein Selbst­be­halt von 150 Euro für Teil­kasko- bzw. 300 Euro für Voll­kas­ko­schäden Stan­dard ist, hält sich der Mehr­wert dieser Klausel für die Praxis in Grenzen
  • Mit­ver­si­che­rung für Schäden durch Be- und Ent­la­de­schäden von fremden Pkw bis 2.500 Euro mit 150 Euro Selbstbehalt

Aus­ge­wählte Ein­schrän­kungen des Tarifs A 120 – Stand: 04/2021 der Gothaer

  • Keine Mit­ver­si­che­rung von Ver­mö­gens­schäden bei Inver­kehr­bringen von Wild bzw. Wildbret
  • Keine Mit­ver­si­che­rung von Straf­taten durch Dritte im Zusam­men­hang mit dem erlaubten Besitz von Hieb?, Stoß- und Schuss­waffen sowie Muni­tion. Hier ist eine Bes­ser­stel­lung durch Ver­weis auf die bedin­gungs­sei­tige GDV-Garantie mög­lich. Damit bestünde der Ver­si­che­rungs­schutz also für die ent­spre­chende gesetz­liche Haft­pflicht des Ver­si­che­rungs­neh­mers, aus­ge­nommen jedoch zu straf­baren Hand­lungen, d.h. bei grober Fahr­läs­sig­keit, nicht jedoch bei Vor­satz.

Anlass für die Ein­füh­rung dieser Klausel bei der Gothaer im Rahmen der Tarif­ge­nera­tion 04.2015 war der Win­nenden-Anschlag vom 11.03.2009, bei dem der Vater des Atten­tä­ters grob fahr­lässig Zugang zu seiner Schuss­waffe ermög­licht hatte. Die Unfall­kasse Baden-Würt­tem­berg machte damals die Kosten für die Heil­be­hand­lung von Schü­lern, Eltern und Leh­rern gel­tend. Die Ver­si­che­rung habe damals ins­ge­samt einen Scha­den­er­satz in Höhe von 717.000 Euro gel­tend gemacht[4].

Wird eine Waffe wie beim dama­ligen Ereignis zu einem Anschlag ein­ge­setzt, so ist bes­ten­falls mit­telbar ein jagd­li­cher Zusam­men­hang her­leitbar, in dem man näm­lich unter­stellt, dass die Waffe nur zum Zwecke der Jagd­aus­übung über­haupt im Haus­halt des Ver­si­che­rungs­neh­mers ver­wahrt wurde.

Argu­men­tiert man, dass es hier um die gesetz­liche Haft­pflicht des Ver­si­che­rungs­neh­mers im Gegen­satz zur gesetz­li­chen Haft­pflicht der Dritten gehe, so trifft den Ver­si­che­rungs­nehmer sicher nur dann eine Haf­tung, wenn er seinen Sorg­falts­pflichten nicht genüge getan hat.

  • Kein Ver­si­che­rungs­schutz als Bau­herr oder Unter­nehmer von Bau­ar­beiten (Neu- und Umbauten, Repa­ra­turen, Abbruch?, Grabearbeiten)
  • Keine Mit­ver­si­che­rung von Haft­pflicht­an­sprü­chen im Zusam­men­hang mit der Bewir­tung von Gästen und Hel­fern bei ver­si­cherten Gesellschaftsjagden
  • Kein Spe­zial-Straf-Rechts­schutz zur Forderungsausfalldeckung
  • Kein bedin­gungs­ge­mäßer Ver­si­che­rungs­schutz für die Ver­let­zung von dem Ver­si­che­rungs­nehmer unent­gelt­lich über­las­senen Schweiß­hunden durch bejagtes Wild
  • Im Rahmen der Mietsach­scha­den­de­ckung nach Ziffer 2.4.2 BBR irre­füh­render Ver­weis auf das nicht mehr bestehende Regress­ver­zichts­ab­kommen der Feuerversicherer
  • Diverse Leis­tungen mit „ver­steckten“ Selbst­be­halten (z.B. Gefäl­lig­keits?, Miet­sach- und Schlüs­sel­ver­lust­schäden jeweils mit 150 Euro Selbstbehalt)
  • Aus­schluss für Schäden durch den Gebrauch von Was­ser­fahr­zeugen im Aus­land. Schlech­ter­stel­lung gegen­über Ziffer A1‑6.8 AVB JagdHV, Stand 05.2020 der unver­bind­li­chen Mus­ter­be­din­gungen des GDV. Hei­lung durch Ver­weis auf bedin­gungs­sei­tige GDV-Garantie möglich
  • Aus­schluss für Schäden durch den Gebrauch von Was­ser­fahr­zeugen mit Treib­sätzen. Schlech­ter­stel­lung gegen­über Ziffer A1‑6.8 AVB JagdHV, Stand 05.2020 der unver­bind­li­chen Mus­ter­be­din­gungen des GDV. Hei­lung durch Ver­weis auf bedin­gungs­sei­tige GDV-Garantie möglich
  • Aus­schluss für Schäden durch den Gebrauch nicht ver­si­che­rungs­pflich­tiger Kraft­fahr­zeuge im Aus­land. Schlech­ter­stel­lung gegen­über Ziffer A1‑6.7.1 AVB JagdHV, Stand 05.2020 der unver­bind­li­chen Mus­ter­be­din­gungen des GDV. Hei­lung durch Ver­weis auf bedin­gungs­sei­tige GDV-Garantie möglich

Hin­weis: Die Gothaer hat den Text vorab zur Kenntnis bekommen, um etwaige Ände­rungs- oder Kor­rek­tur­wün­sche bei­zu­bringen, schrieb aber dass man leider nicht rüber­schauen könnte.


[1] „Beson­dere Ver­ein­ba­rungen zum Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag für Jäger­schaften und Kreis­gruppen zur Jagd­hunde-Unfall­ver­si­che­rung auf Treib- und Gesell­schafts­jagden“ auf „kjv​-schluech​tern​.de“. Auf­zu­rufen unter https://​www​.kjv​-schluech​tern​.de/​a​p​p​/​d​o​w​n​l​o​a​d​/​5​8​2​3​1​3​4​3​9​8​/​K​l​a​u​s​e​l​1​4​4​H​u​n​d​e​.​pdf zuletzt auf­ge­rufen am 24.05.2021

[2] „Beson­dere Ver­ein­ba­rungen zum Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag des Lan­des­jagd­ver­bandes Rhein­land Pfalz e. V. zur Jagd­hunde-Unfall­ver­si­che­rung auf Treib- und Gesell­schafts­jagden Ver­si­che­rungs­nummer: 92.027.573987“ auf „ljv​-rlp​.de“. Auf­zu­rufen unter https://​ljv​-rlp​.de/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​2​0​1​8​/​0​2​/​2​0​1​7​_​B​B​R​-​H​u​n​d​e​-​U​n​f​a​l​l​_​L​J​V​-​R​L​P​.​pdf, zuletzt auf­ge­rufen am 21.05.2021

[3] „Kurz­in­for­ma­tion zur Jagd­hunde Gruppen-Unfall­ver­si­che­rung für alle Jagd­hunde der bei­getre­tenen ÖJV Lan­des­ver­eine“ auf „oejv-org“.de vom 14.04.2020. Auf­zu­rufen unter https://​www​.oejv​.org/​s​e​r​v​i​c​e​/​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​e​n​/​m​i​t​g​l​i​e​d​e​r​-​j​a​g​d​h​u​n​d​e​u​n​f​a​l​l​-​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​ng/, zuletzt auf­ge­rufen am 24.05.2021

[4] „Urteil des Land­ge­richts. Vater des Amok­läu­fers von Win­nenden muss Scha­dens­er­satz zahlen“ auf „focus​.de“ vom 10.09.2015 um 01:16 Uhr. Auf­zu­rufen unter https://​www​.focus​.de/​p​a​n​o​r​a​m​a​/​w​e​l​t​/​n​a​c​h​-​k​l​a​g​e​-​d​e​r​-​u​n​f​a​l​l​k​a​s​s​e​-​v​a​t​e​r​-​d​e​s​-​a​m​o​k​l​a​e​u​f​e​r​s​-​v​o​n​-​w​i​n​n​e​n​d​e​n​-​m​u​s​s​-​s​c​h​a​d​e​n​e​r​s​a​t​z​-​z​a​h​l​e​n​_​i​d​_​4​8​6​6​5​0​4​.​h​tml, zuletzt auf­ge­rufen am 24.05.2021

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Jens Reichert
Jens Reichert
3 Monate zuvor

Eine gewohnt span­nende, tief­ge­hende und fun­dierte Ana­lyse, welche die Inter­essen der Ver­brau­cher in den Mit­tel­punkt stellt. Sehr gut gemacht, Herr Witte!