Sau­ber abwä­gen: Was nützt eine Pflicht­ver­si­che­rung gegen Elementarschäden?

Die aktu­el­len Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phen in Rhein­land-Pfalz und Nord­rhein-West­fa­len haben nicht nur vie­len Betrof­fe­nen vor Augen geführt, wie wich­tig eine umfas­sen­de Absi­che­rung von Haus­rat und Immo­bi­li­en auch gegen so genann­te „erwei­ter­te Natur- oder Ele­men­tar­ge­fah­ren“ ist. In der aktu­el­len Dis­kus­si­on wird jedoch ger­ne aus­ge­blen­det, dass eine sol­che Absi­che­rung bes­ten­falls nicht nur gegen Schä­den durch Hoch­was­ser, son­dern auch gegen Schä­den durch Rück­stau, Erd­be­ben, Lawi­nen, Erd­rutsch oder ande­re mit­ver­si­cher­te Ele­men­tar­ge­fah­ren finan­zi­el­le Rücken­de­ckung bietet.

© 2021 Cri­ti­cal-News — Die For­de­rung nach einer Pflicht­ver­si­che­rung bewegt sich nach jedem Hochwasser

Betru­gen die wirt­schaft­li­chen Scha­den­auf­wen­dun­gen für das Oder­hoch­was­ser im Jah­re 2002 noch etwa 11 Mil­li­ar­den Euro, wovon laut Süd­deut­sche Zei­tung nur etwa 1,8 Mil­li­ar­den ver­si­chert waren[1], wird für das aktu­el­le Hoch­was­ser im Jah­re 2021 je nach Quel­le mit Auf­wen­dun­gen in Höhe von bis zu 7[2] bzw. bis zu 20 Mil­li­ar­den Euro gerech­net. Davon sei­en bis zu 50 Pro­zent unver­si­chert[3].

Ein feh­len­der Ver­si­che­rungs­schutz gegen erwei­ter­te Natur- oder Ele­men­tar­ge­fah­ren dürf­te für die meis­ten Men­schen exis­tenz­be­dro­hend sein.

Ver­trags­frei­heit oder poli­ti­sche Gängelung?

Nun dis­ku­tie­ren Poli­tik und Ver­si­che­rungs­wirt­schaft erneut über eine mög­li­che Pflicht­ver­si­che­rung. Befürch­tet wird, dass mit einer Zwangs­ver­si­che­rung die Moti­va­ti­on zur Scha­dens­prä­ven­ti­on und Eigen­vor­sor­ge fehlt. Zur Prä­ven­ti­on gehört etwa das Rena­tu­rie­ren von Fluss­läu­fen eben­so wie ein Ent­sie­geln ver­si­cher­ter Flächen.

Was wäre zu tun? Vie­le Schä­den lie­ßen sich dadurch ver­mei­den, dass das Bau­en in Hoch­ri­si­ko­re­gio­nen, wie etwa schon heu­te in der Schweiz[4], ver­bo­ten würde.

Denk­bar wäre es auch, den Neu­bau von Wohn­ge­bäu­den nur dort zu erlau­ben, wo eine erwei­ter­te Ele­men­tar­scha­den­de­ckung abschließ­bar ist.

Oft wer­den Haus­rat- und Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­run­gen ohne Schutz gegen erwei­ter­te Ele­men­tar­ge­fah­ren abgeschlossen.

Es wäre schon viel gewon­nen, wenn Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler und Ver­gleichs­por­ta­le zwin­gend im Sin­ne von § 1a VVG ent­spre­chen­den Schutz anbie­ten müss­ten. Wer dies nicht möch­te, müss­te aktiv abwäh­len (Opt-out). Für ein ver­gleich­ba­res Modell votier­te im August 2021 auch der Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len (VZBV)[5]. Denk­bar wäre auch eine Pflicht­ver­si­che­rung für Schä­den, die eine bestimm­te Höhe über­stei­gen, ver­bun­den mit einer frei­wil­li­gen Absi­che­rung gegen sons­ti­ge Schäden.

Bis 1993 gab es in Baden-Würt­tem­berg eine Pflicht­ver­si­che­rung gegen Ele­men­tar­schä­den. Noch heu­te sind dort etwa 94 Pro­zent aller Gebäu­de ent­spre­chend ver­si­chert[6]. Dies zeigt, dass vie­le Kun­den eine zuvor ver­si­cher­te Gefahr nicht aktiv aus­schlie­ßen wollen.

Denk­bar wäre auch eine Pflicht­ver­si­che­rung für Schä­den, die eine bestimm­te Höhe über­stei­gen, ver­bun­den mit einer frei­wil­li­gen Absi­che­rung gegen sons­ti­ge Schäden.

Pflicht­ver­si­che­rung im Aus­land teil­wei­se obligatorisch

Ande­re euro­päi­sche Län­der gehen bereits län­ger erfolg­reich den Weg einer Pflicht­ver­si­che­rung. Das ZDF benann­te als Bei­spiel Frankreich:

„Im Juni 2013 ver­wüs­te­te eine ver­hee­ren­de Flut den fran­zö­si­schen Pil­ger­ort Lour­des. Inner­halb von acht Mona­ten war das Städt­chen wie­der voll­kom­men auf­ge­baut. Denn in Frank­reich sind pri­va­te Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men gesetz­lich ver­pflich­tet, ihre Kun­den im Rah­men einer Ver­si­che­rung gegen Sach­schä­den in einer Gebäude‑, Haus­rat- oder Kfz-Ver­si­che­rung zwin­gend auch gegen Natur­ka­ta­stro­phen zu ver­si­chern.“[7]

So kurz vor der nächs­ten Bun­des­tags­wahl liegt nun der Ver­dacht nahe, dass sich vie­le Poli­ti­ker nur als „Küm­me­rer“ gegen zukünf­ti­ge Kata­stro­phen prä­sen­tie­ren wollen.

Dass es etwa bei der Hil­fe für Flut­op­fer nicht aus­schließ­lich um die Inter­es­sen der Bevöl­ke­rung geht, zeig­te die jüngs­te Abstim­mung im Bun­des­tag zum Geset­zes­ent­wurf der Regie­rungs­ko­ali­ti­on vom 07.09.2021 (Druck­sa­che 19/32275). Hier wur­de ein Auf­bau­fonds in Höhe von 30 Mil­li­ar­den Euro für die vom Juli­hoch­was­ser betrof­fe­nen Gebie­te mit weit­re­chen­den Ände­run­gen des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes und einer Ver­län­ge­rung der pan­de­mi­schen Lage bis zum August 2022 zu einem Abstim­mungs­punkt ver­bun­den. Wer also für die Flut­op­fer Hil­fe leis­ten woll­te, muss­te zwangs­wei­se auch für wei­ter­ge­hen­de Grund­rechts­ein­schrän­kun­gen (z. B. das Aus­kunfts­recht des Arbeit­ge­bers zum Impf­sta­tus) stim­men. Da die Gro­ße Koali­ti­on aus CDU und SPD allei­ne 343 Ja-Stim­men für das Kom­bi-Gesetz erreich­te, spiel­ten die geschlos­se­ne Ableh­nung von AfD, FDP, Die Lin­ke sowie Bünd­nis 90 / Die Grü­nen[8] für den Aus­gang der Abstim­mung kei­ne Rol­le. Die Regie­rung hat viel­mehr ihre poli­ti­schen Inter­es­sen über die Wahl hin­aus fest­ge­schrie­ben und damit bil­li­gend in Kauf genom­men, dass auch die Flut­op­fer­hil­fe durch die frag­wür­di­ge Ver­mi­schung zwei­er Geset­ze schei­tern könnte.

Nach jedem Hoch­was­ser wird erneut über die Vor- und Nach­tei­le einer Ver­si­che­rungs­pflicht gegen erwei­ter­te Ele­men­tar­ge­fah­ren gespro­chen. Die Argu­men­te sind seit Jah­ren ähnlich.

In Fol­ge der bei­den Oder­hoch­was­ser im August 2002 und Juni 2013 kam der Gesamt­ver­band der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (GDV) zu der Über­zeu­gung, dass die Ein­füh­rung einer Ver­si­che­rungs­pflicht „falsch“ sei. Der GDV als Inter­es­sen­ver­tre­tung der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft äußer­te sich damals wie folgt:

„Jeden Bür­ger zum Ele­men­tar­schutz zu ver­pflich­ten, hält der Gesamt­ver­band der deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (GDV) jedoch für falsch: „Eine Pflicht­versicherung nimmt sowohl staatlicher­seits als auch im pri­va­ten Bereich völ­lig den Anreiz, sich aktiv um Schutz vor Hoch­was­sern oder Stark­re­gen zu küm­mern“, sagt Oli­ver Hau­ner, Lei­ter des Bereichs Sach­ver­si­che­run­gen. Wenn eine Ver­si­che­rung die Schä­den ohne­hin bezah­le, bemü­he sich kei­ne Stadt um den Bau von Hoch­was­ser­schutz­mau­ern und kein Bür­ger um die Abdich­tung von Licht­schäch­ten in sei­nem Kel­ler, erklärt er und ver­weist auf Groß­bri­tan­ni­ens Erfah­run­gen mit einer Pflichtversiche­rung: Weil der Staat sich dort nicht um Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men küm­mer­te, blieb den Ver­si­che­run­gen nichts ande­res übrig, als die Kos­ten durch signi­fi­kant höhe­re Ver­si­che­rungs­prä­mi­en aufzufan­gen, die mitt­ler­wei­le in teil­wei­se unbe­zahlbare Höhen ange­wach­sen sind.“[9]

Tho­mas Dzat­kow­sky vom Pres­se- und Vor­stands-Stab der Bar­me­nia All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs-AG äußer­te sich am 10.09.2021 wie folgt zum The­ma einer mög­li­chen Pflicht­ver­si­che­rung gegen Elementarschäden:

„Nach den tur­bu­len­ten letz­ten Wochen drif­ten Vor­schlä­ge und Ideen zur Bewäl­ti­gung sol­cher Risi­ken teils stark auseinander.

Die Bar­me­nia arbei­tet des­halb hier­zu mit dem GDV (Gesamt­ver­band der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft) und wei­te­ren Mit­glieds­un­ter­neh­men an Ideen und Lösun­gen wie Natur­ge­fah­ren­ver­si­che­rung bei gleich­zei­tig bezahl­ba­ren Prä­mi­en gestei­gert wer­den kann.

Dabei ist die Ver­si­che­rungs­lö­sung aber Teil eines Gesamt­kon­zep­tes, zu dem auch Prä­ven­ti­on, Auf­klä­rung und staat­li­che Maß­nah­men gehören.

Bis zum Herbst erwar­ten wir hier­zu Ergebnisse.“

Auf­klä­rung und Prä­ven­ti­on müs­sen Hand in Hand gehen

Auch Peter Mei­er vom Scha­den-Vor­stand der NÜRNBERGER Ver­si­che­rung äußer­te sich am 10.09. zur dis­ku­tier­ten Pflichtversicherung:

„Wir – wie auch die deut­schen Ver­si­che­rer – spre­chen uns für ein neu­es Gesamt­kon­zept zur Kli­ma­fol­gen­an­pas­sung aus. Und zwar bestehend aus Auf­klä­rung, ver­bind­li­chen Maß­nah­men zur pri­va­ten und staat­li­chen Prä­ven­ti­on sowie Ver­si­che­rung. Eine sin­gu­lä­re Pflicht­ver­si­che­rung ist hier kei­ne Lösung.

Unwet­ter­ka­ta­stro­phen wie in NRW, Rhein­land-Pfalz und auch in Bay­ern las­sen sich nur im ver­ant­wort­li­chen Zusam­men­wir­ken von Bund, Län­dern, Kom­mu­nen, Haus­ei­gen­tü­mern, Mie­tern, Kre­dit­wirt­schaft und Ver­si­che­rern minimieren.

Die NÜRNBERGER bie­tet seit Jah­ren ihren Kun­den den Ele­men­tar­schutz aktiv an. Inzwi­schen sind 73 Pro­zent der Haus­rat­ver­si­che­run­gen und 55 Pro­zent der Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­run­gen zusätz­lich mit einem Ele­men­tar­schutz aus­ge­stat­tet. Die­se Zah­len lie­gen deut­lich über dem Bundesdurchschnitt.“

Es gibt sowohl gute Grün­de für als auch gegen eine Elementarschadenpflichtversicherung.

Eini­ge Grün­de für eine Pflichtversicherung

  • Aktu­ell besteht nicht für jeden Haus­be­sit­zer die Mög­lich­keit, sich über­haupt oder zumin­dest zu einer bezahl­ba­ren Prä­mie gegen Ele­men­tar­schä­den zu ver­si­chern. Wenn etwa im Rah­men der so genann­ten „Coro­na-Kri­se“ immer wie­der zu Soli­da­ri­tät auf­ge­ru­fen wird, könn­te man auch zur Soli­da­ri­tät auf­ru­fen, dass alle Haus­be­sit­zer sich kol­lek­tiv an einer sol­chen Pflicht­ver­si­che­rung betei­li­gen, womit die Bei­trags­hö­he des Ein­zel­nen auch in Risi­ko­re­gio­nen finan­zier­bar wäre. Eine feh­len­de Absi­che­rung gegen z. B. Hoch­was­ser und Erd­be­ben gefähr­det im Zwei­fel die wirt­schaft­li­che Exis­tenz der Betroffenen.
  • Gebäu­de, die aktu­ell oder in den ver­gan­ge­nen 10 Jah­ren von Ele­men­tar­schä­den betrof­fen waren, lassen sich oft nur schwer ver­si­chern. Auch wenn immer wie­der von rund 99 Pro­zent ver­si­cher­ba­rer Gebäu­de gespro­chen wird, kann es pas­sie­ren, dass Gebäu­de die bei Bau­be­ginn in unge­fähr­de­ter Lage stan­den, heu­te in beson­ders gefähr­de­ter Lage ste­hen. 2014 sei­en laut dama­li­gen Schät­zun­gen rund eine Mil­lio­nen Men­schen ohne eine Chan­ce gewe­sen, sich zu bezahl­ba­ren Prä­mi­en gegen Hoch­was­ser zu ver­si­chern[10].
  • Wenn ein unver­si­cher­tes Gebäu­de zer­stört wird, muss letzt­lich oft der Steu­er­zah­ler dafür auf­kom­men, sei es durch einen Kata­stro­phen­fonds im Ein­zel­fall, über die Bereit­stel­lung öffent­li­chen Wohn­raums, über die Fol­gen von Pri­vat­in­sol­ven­zen (Bau­kre­dit nicht abge­zahlt, aber monat­li­che Zusatz­kos­ten für Mie­te von Fremd­ei­gen­tum erfor­der­lich) oder die vom bis­he­ri­gen Gebäu­de­ei­gen­tü­mer nicht finan­zier­ba­ren Auf­räum- und Abbruch­kos­ten, die auch umlie­gen­de Stra­ßen und Grund­stü­cke betref­fen kön­nen. Hier­für böte eine prä­ven­ti­ve Pflicht­ver­si­che­rung eine soli­da­ri­sche Lösung.
  • Eine obli­ga­to­ri­sche Pflicht­ver­si­che­rung könn­te das Recht von Ver­si­che­rern ein­schrän­ken oder aus­schlie­ßen, eine bestehen­de Mit­ver­si­che­rung gegen Ele­men­tar­schä­den im Scha­den­fall zu kün­di­gen (Ver­zicht auf das ordent­li­che oder sogar außer­or­dent­li­che Kün­di­gungs­recht).

Eini­ge Grün­de gegen eine Pflichtversicherung

  • Eine Pflicht­ver­si­che­rung kann als erheb­li­cher Ein­griff in die Pri­vat­au­to­no­mie der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer ange­se­hen werden.
  • Unter­schied­li­che Medi­en gehen von Mehr­kos­ten für die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer von 60 bis 100 Euro im Jahr[11] (das dürf­te eher für gefähr­dungs­ar­me Objek­te gel­ten) oder sogar von 500 bis 1.000 Euro pro Jahr, im Ein­zel­fall auch mehr[12], aus.
  • Eine Pflicht­ver­si­che­rung bedeu­tet für vie­le Mie­ter ein Anstei­gen der Neben­kos­ten.
  • Eine umfas­sen­de Absi­che­rung könn­te dazu füh­ren, dass Haus­be­sit­zer weni­ger Moti­va­ti­on zur Scha­den­prä­ven­ti­on auf­brin­gen oder sogar in beson­ders risi­ko­ge­fähr­de­ten Gebie­ten (z. B. an Flüs­sen oder Hän­gen) bau­en. Um ein so genann­tes „sub­jek­ti­ves Risi­ko“ zu redu­zie­ren, könn­te die Ver­ein­ba­rung einer hohen Selbst­be­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers an den Scha­den­kos­ten ange­ra­ten sein. Die meis­ten ver­kaufs­of­fe­nen Tari­fe bie­ten eine maxi­ma­le Selbst­be­tei­li­gung von 2.500 oder 5.000 Euro. Mög­li­cher­wei­se müss­te man für Hoch­ri­si­ko­re­gio­nen einen Selbst­be­halt auch von 10.000 oder sogar 25.000 Euro ins Auge fassen.
  • Wenn Ver­si­che­rer auch Gebäu­de in Hoch­ri­si­ko­re­gio­nen ver­si­chern wür­den, wür­de dies im Scha­den­fall meist eine gro­ße Zahl von Gebäu­de gleich­zei­tig tref­fen. Damit ver­bun­den wären sehr hohe Scha­den­kos­ten, die auch das Ver­si­cher­ten­kol­lek­tiv als Gan­zes zu tra­gen hät­te.
  • Die Bebau­ung in Hoch­ri­si­ko­re­gio­nen (z. B. auch für Zweit­wohn­sit­ze) wür­de vor allem für hoch betuch­te Per­so­nen attrak­ti­ver, was wie­der­um das Scha­den­po­ten­ti­al für das Ver­si­cher­ten­kol­lek­tiv erhö­hen wür­de. Dem könn­te man ent­ge­gen­steu­ern, in dem man etwa­ige staat­li­che Zuschüs­se nur für Objek­te bie­tet, die sich nicht in Hoch­ri­si­ko­re­gio­nen befin­den und indem man für beson­ders gefähr­de­te Risi­ko­or­te etwa ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Mehr­prä­mi­en in Rech­nung stell­te. Auch eine Pflicht­ver­si­che­rung nur für Per­so­nen unter­halb eins bestimm­ten Ein­kom­mens wäre vorstellbar.
  • Alle bis­he­ri­gen poli­ti­schen Initia­ti­ven, zumin­dest den Bür­gern zu hel­fen, die kei­nen (bezahl­ba­ren) Ver­si­che­rungs­schutz erlan­gen, sind geschei­tert.
  • Eine Pflicht­ver­si­che­rung schützt nicht vor Schä­den – dies schafft nur Prä­ven­ti­on.

Nur Prä­ven­ti­on schützt vor Schäden

Eine hohe Absi­che­rungs­quo­te gegen Ele­men­tar­ge­fah­ren bie­tet den Vor­teil, dass der ein­zel­ne Bür­ger ent­las­tet wird und eine schnel­le­re Wie­der­her­stel­lung von Gebäu­den ermög­licht würde.

Die Pflicht­ver­si­che­rung hilft aber wenig dabei, in hoch­was­ser­ge­fähr­de­ten Gebie­ten bei­spiels­wei­se die Infra­struk­tur schnell wie­der auf­zu­bau­en. Hier ist der poli­ti­sche Wil­le erfor­der­lich, einen ent­spre­chen­den Kata­stro­phen­fonds zu schaffen.

Ein Ver­si­che­rungs­schutz schützt nicht vor Schä­den – dies schafft nur Prä­ven­ti­on. Dazu könn­te etwa die Rena­tu­rie­rung von Fluss­läu­fen bei­tra­gen. Eben­falls von Bedeu­tung wäre eine Reduk­ti­on ver­sie­gel­ter Flä­chen auf den ein­zel­nen Grund­stü­cken, die den frei­en Ablauf von Was­ser ver­hin­dern[13],[14] und die Wie­der­auf­fül­lung von Grund­was­ser­re­ser­ven ermög­li­chen würde.

„Bei Stark­re­gen kann die Kana­li­sa­ti­on die Was­ser­mas­sen nicht auf­neh­men. Es dro­hen ört­li­che Über­schwem­mun­gen.“[15]

Ein der Redak­ti­on nament­lich bekann­ter Ver­si­che­rungs­mak­ler äußer­te sich hier­zu wie folgt:  „In die­ser Ent­wick­lung kämpft heu­te jedes Dorf, jede Stadt, Land­kreis, Bun­des­land, mit dem Bedarf an Raum, Aus­gleichs­maß­nah­men an Rück­bau und Ent­sie­ge­lung sind eher die Aus­nah­me!“ Ein­her­ge­hend damit sei der Bedarf nach Erschlie­ßung von immer mehr neu­em Sied­lungs­raum, der die Städ­te nach außen wach­sen las­se. Zuneh­men­der Wohl­stand füh­re zu immer mehr Luxus an Wohn­raum­flä­che. Dabei fol­gen Gewer­be- und Ein­kaufs­land­scha­fen „der der Wohl­fühl­ge­sell­schaft, die nicht auf nichts ver­zich­ten möchte!“


[1] „Ers­te Pei­lun­gen zur Scha­dens­hö­he“ auf „sued​deut​sche​.de“ vom 13.06.2013 um 08:36 Uhr. Auf­zu­ru­fen unter https://www.sueddeutsche.de/geld/versicherungen-und-hochwasser-erste-peilungen-zur-schadenshoehe‑1.1695250, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[2] Rei­ner Will „Ele­men­tar­schä­den: Pflicht­ver­si­che­rung ist kei­ne Kar­di­nal­lö­sung“ auf „pro​con​tra​-online​.de“ vom 07.9.2021. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.pro​con​tra​-online​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​d​a​t​e​/​2​0​3​8​/​0​1​/​e​l​e​m​e​n​t​a​r​s​c​h​a​e​d​e​n​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​i​s​t​-​k​e​i​n​e​-​k​a​r​d​i​n​a​l​l​o​e​s​u​n​g​/​?​u​t​m​_​s​o​u​r​c​e​=​p​r​o​c​o​n​t​r​a​+​N​e​w​s​l​e​t​t​e​r​&​u​t​m​_​c​a​m​p​a​i​g​n​=​5​1​6​9​4​1​5​6​e​9​-​N​e​w​s​l​e​t​t​e​r​_​p​r​o​c​o​n​t​r​a​_​K​W​1​9​-​0​1​_​C​O​P​Y​_​0​1​&​u​t​m​_​m​e​d​i​u​m​=​e​m​a​i​l​&​u​t​m​_​t​e​r​m​=​0​_​f​0​c​7​f​7​4​b​8​5​-​5​1​6​9​4​1​5​6​e​9​-​1​0​1​3​7​3​505, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[3] Den­nis Ber­ger „Debat­te nach Hoch­was­ser-Pflicht­ver­si­che­rung: Das Für und Wider“ auf „zdf​.de“ vom 29.07.2021 um 22:25 Uhr. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.zdf​.de/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​h​o​c​h​w​a​s​s​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​n​a​t​u​r​k​a​t​a​s​t​r​o​p​h​e​n​-​1​0​0​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[4] Sie­he Jörg Asmus­sen im Gespräch mit Jörg Mün­chen­berg „Deut­sche Ver­si­che­rer: Pflicht­ver­si­che­rung reicht als allei­ni­ge Lösung nicht aus“ auf „deutsch​land​funk​.de“ vom 23.07.2021. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.deutsch​land​funk​.de/​f​l​u​t​s​c​h​a​e​d​e​n​-​d​e​u​t​s​c​h​e​-​v​e​r​s​i​c​h​e​r​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​.​6​9​4​.​d​e​.​h​t​m​l​?​d​r​a​m​:​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​5​0​0​711, zuletzt auf­ge­ru­fen am 12.09.2021

[5] Bar­ba­ra Schä­der „Mehr­heit für Pflicht­ver­si­che­rung gegen Natur­ka­ta­stro­phen“ auf „stutt​gar​ter​-nach​rich​ten​.de“ vom 08.09.2021 um 17:24 Uhr. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.stutt​gar​ter​-nach​rich​ten​.de/​i​n​h​a​l​t​.​n​a​c​h​-​h​o​c​h​w​a​s​s​e​r​-​m​e​h​r​h​e​i​t​-​f​u​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​g​e​g​e​n​-​n​a​t​u​r​k​a​t​a​s​t​r​o​p​h​e​n​.​6​3​b​1​3​d​1​c​-​5​0​d​1​-​4​8​f​2​-​a​3​d​a​-​8​c​2​2​0​d​3​1​1​9​f​a​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 12.09.2021

[6] Oli­ver Stock „Mit der Hoch­was­ser-Pflicht­ver­si­che­rung kom­men vier­stel­li­ge Kos­ten auf Haus­be­sit­zer zu“ auf „focus​.de“ vom 09.09.2021 um 12:09 Uhr. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.focus​.de/​f​i​n​a​n​z​e​n​/​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​e​n​/​o​e​k​o​n​o​m​e​n​-​u​n​d​-​p​o​l​i​t​i​k​e​r​-​f​o​r​d​e​r​n​-​s​i​e​-​n​a​c​h​-​h​o​c​h​w​a​s​s​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​f​u​e​h​r​t​-​z​u​-​n​e​u​e​n​-​b​e​l​a​s​t​u​n​g​e​n​-​f​u​e​r​-​h​a​u​s​b​e​s​i​t​z​e​r​-​u​n​d​-​m​i​e​t​e​r​_​i​d​_​2​0​9​2​1​0​8​1​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 12.09.2021

[7] Den­nis Ber­ger „Debat­te nach Hoch­was­ser-Pflicht­ver­si­che­rung: Das Für und Wider“ auf „zdf​.de“ vom 29.07.2021 um 22:25 Uhr. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.zdf​.de/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​h​o​c​h​w​a​s​s​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​n​a​t​u​r​k​a​t​a​s​t​r​o​p​h​e​n​-​1​0​0​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[8] „Ände­rung des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes; Ein­schrän­kung von Grund­rech­ten“ auf „bun​des​tag​.de“ vom 07.09.2021. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.bun​des​tag​.de/​p​a​r​l​a​m​e​n​t​/​p​l​e​n​u​m​/​a​b​s​t​i​m​m​u​n​g​/​a​b​s​t​i​m​m​u​n​g​?​i​d​=​755, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[9] „Natur­ge­fah­ren. Nach der Flut ist vor der Flut“ auf „gdv​.de“ vom 01.09.2014. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.gdv​.de/​d​e​/​t​h​e​m​e​n​/​p​o​s​i​t​i​o​n​e​n​-​m​a​g​a​z​i​n​/​n​a​c​h​-​d​e​r​-​f​l​u​t​-​i​s​t​-​v​o​r​-​d​e​r​-​f​l​u​t​-​3​7​332, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[10] Andre­as Staak „Inter­view vom 2. Mai 2014. Eine Ver­si­che­rungs­pflicht gegen Hoch­was­ser?“ auf „ufz​.de“ vom 02.05.2014. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.ufz​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​d​e​=​3​6​807, zuletzt auf­ge­ru­fen am 12.09.2021

[11] Den­nis Ber­ger „Debat­te nach Hoch­was­ser-Pflicht­ver­si­che­rung: Das Für und Wider“ auf „zdf​.de“ vom 29.07.2021 um 22:25 Uhr. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.zdf​.de/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​h​o​c​h​w​a​s​s​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​n​a​t​u​r​k​a​t​a​s​t​r​o​p​h​e​n​-​1​0​0​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[12] Bar­ba­ra Schä­der „Mehr­heit für Pflicht­ver­si­che­rung gegen Natur­ka­ta­stro­phen“ auf „stutt​gar​ter​-nach​rich​ten​.de“ vom 08.09.2021 um 17:24 Uhr. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.stutt​gar​ter​-nach​rich​ten​.de/​i​n​h​a​l​t​.​n​a​c​h​-​h​o​c​h​w​a​s​s​e​r​-​m​e​h​r​h​e​i​t​-​f​u​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​g​e​g​e​n​-​n​a​t​u​r​k​a​t​a​s​t​r​o​p​h​e​n​.​6​3​b​1​3​d​1​c​-​5​0​d​1​-​4​8​f​2​-​a​3​d​a​-​8​c​2​2​0​d​3​1​1​9​f​a​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 12.09.2021

[13] Sie­he z. B. Rei­ner Will „Ele­men­tar­schä­den: Pflicht­ver­si­che­rung ist kei­ne Kar­di­nal­lö­sung“ auf „pro​con​tra​-online​.de“ vom 07.9.2021. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.pro​con​tra​-online​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​d​a​t​e​/​2​0​3​8​/​0​1​/​e​l​e​m​e​n​t​a​r​s​c​h​a​e​d​e​n​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​-​i​s​t​-​k​e​i​n​e​-​k​a​r​d​i​n​a​l​l​o​e​s​u​n​g​/​?​u​t​m​_​s​o​u​r​c​e​=​p​r​o​c​o​n​t​r​a​+​N​e​w​s​l​e​t​t​e​r​&​u​t​m​_​c​a​m​p​a​i​g​n​=​5​1​6​9​4​1​5​6​e​9​-​N​e​w​s​l​e​t​t​e​r​_​p​r​o​c​o​n​t​r​a​_​K​W​1​9​-​0​1​_​C​O​P​Y​_​0​1​&​u​t​m​_​m​e​d​i​u​m​=​e​m​a​i​l​&​u​t​m​_​t​e​r​m​=​0​_​f​0​c​7​f​7​4​b​8​5​-​5​1​6​9​4​1​5​6​e​9​-​1​0​1​3​7​3​505, zuletzt auf­ge­ru­fen am 11.09.2021

[14] Jörg Asmus­sen im Gespräch mit Jörg Mün­chen­berg „Deut­sche Ver­si­che­rer: Pflicht­ver­si­che­rung reicht als allei­ni­ge Lösung nicht aus“ auf „deutsch​land​funk​.de“ vom 23.07.2021. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.deutsch​land​funk​.de/​f​l​u​t​s​c​h​a​e​d​e​n​-​d​e​u​t​s​c​h​e​-​v​e​r​s​i​c​h​e​r​e​r​-​p​f​l​i​c​h​t​v​e​r​s​i​c​h​e​r​u​n​g​.​6​9​4​.​d​e​.​h​t​m​l​?​d​r​a​m​:​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​5​0​0​711, zuletzt auf­ge­ru­fen am 12.09.2021

[15] „Von der Ver­sie­ge­lung zur Ent­sie­ge­lung“ auf „abwas​ser​-bera​tung​.nrw“ vom 09.04.2021. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.abwas​ser​-bera​tung​.nrw/​w​i​s​s​e​n​/​v​e​r​b​r​a​u​c​h​e​r​z​e​n​t​r​a​l​e​/​v​o​n​-​d​e​r​-​v​e​r​s​i​e​g​e​l​u​n​g​-​z​u​r​-​e​n​t​s​i​e​g​e​l​u​n​g​-​5​0​358, zuletzt auf­ge­ru­fen am 12.09.2021

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