Deutsch­lands Schul­den­berg wächst im Eiltempo

Nach aktu­el­len Berech­nun­gen des Bun­des der Steu­er­zah­ler (BdSt) wer­den die Staats­schul­den Deutsch­lands auch im neu­en Jahr 2021 deut­lich zuneh­men – um 216 Mil­li­ar­den Euro bzw. 6.855 Euro pro Sekun­de. Die­se Daten erge­ben sich aus den Haus­halts­ge­set­zen des Bun­des und der Län­der bzw. Haus­halts­ent­wür­fen, Finanz­plä­nen und eige­nen BdSt-Schät­zun­gen. „Coro­na wird die Bür­ger, die Wirt­schaft und die öffent­li­chen Haus­hal­te noch lan­ge im Griff haben“, betont BdSt-Prä­si­dent Rei­ner Holz­na­gel.

„Der Schul­den­berg Deutsch­lands wird wei­ter­hin wach­sen und neue Rekord­mar­ken auf­stel­len. Vor allem die hohe Neu­ver­schul­dung des Bun­des sorgt für die­sen nega­ti­ven Trend.“

© 2021 Cri­ti­cal News – Lie­ber Schmuck als Papier

In einem Inter­view mit der Neu­en Zür­cher Zei­tung vom 03.12.2020 drück­te auch der Öko­nom Hans-Wer­ner Sinn sei­ne Befürch­tun­gen aus:

„Seit dem Kol­laps der US-Bank Leh­man Brot­hers im Jahr 2008 läuft das so. Danach hat es immer wie­der neue Run­den von Geld­schöp­fungs­kre­di­ten und Asset-Käu­fen durch die Zen­tral­ban­ken gege­ben. Dadurch wur­de die Geld­men­ge dra­ma­tisch auf­ge­bläht. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hat die bereits sehr hohe Geld­men­ge M 0 vom Jah­res­be­ginn bis zum Novem­ber um 1,4 Bil­lio­nen Euro auf 4,6 Bil­lio­nen Euro auf­ge­bläht. Die­ser Zuwachs ist wesent­lich mehr als die knapp 900 Mil­li­ar­den Euro, die kurz vor der Leh­man-Kri­se des Jah­res 2008 ins­ge­samt als Schmier­mit­tel für die Euro-Zone aus­ge­reicht hat­ten. Die Ban­ken haben rie­si­ge Bestän­de an Zen­tral­bank­geld auf ihren Kon­ten bei der Euro­päi­schen Zen­tral­bank.“[1]

Die Schul­den­uhr Deutsch­lands tickt wei­ter im Coro­na-Kri­sen­mo­dus: 3 Fak­ten für 2021

Mit der aktu­el­len Umstel­lung der Schul­den­uhr betra­ge die sekünd­li­che Neu­ver­schul­dung laut BdSt jetzt 6.855 Euro pro Sekun­de – im Ver­gleich zu 10.424 Euro wie zuletzt im Jahr 2020. Den­noch ver­weist der BdSt auf 3 bedroh­li­che Fak­ten für 2021:

  • Die hohe Net­to-Kre­dit­auf­nah­me 2020 grün­det auch auf Beschlüs­sen der Län­der, die zur Finan­zie­rung von diver­sen Coro­na-Son­der­ver­mö­gen (Extra-Haus­hal­te) eine über meh­re­re Jah­re ver­teil­te Schul­den­auf­nah­me vorsehen.
  • Ein Teil der hohen Neu­ver­schul­dungs­be­schlüs­se des Vor­jah­res wird sich somit erst ab 2021 im Schul­den­berg Deutsch­lands wider­spie­geln – näm­lich dann, wenn die Kre­dit­er­mäch­ti­gun­gen des Jah­res 2020 wei­ter­hin Stück für Stück rea­li­siert werden.
  • Wenn die kon­kre­ten Schul­den­da­ten für 2020 ver­öf­fent­licht wer­den, bleibt unterm Strich eine Rekord-Neu­ver­schul­dung in der Geschich­te der Bundesrepublik.

Der BdSt for­dert fai­re Las­ten­tei­lung zwi­schen Bund und Ländern

Auf­fäl­lig für das Jahr 2021 ist, dass der Bund mit Abstand die höchs­ten Las­ten in Form von Schul­den zur Bewäl­ti­gung der Pan­de­mie leis­tet. Kon­kret: Mit einer geplan­ten Neu­ver­schul­dung von knapp 180 Mil­li­ar­den Euro schul­tert er 83 Pro­zent der geplan­ten Gesamt-Neu­ver­schul­dung von Bund und Län­dern. Des­halb for­dert Holznagel: 

„Je län­ger die Pan­de­mie dau­ert und je höher die Kri­sen­kos­ten stei­gen, des­to drän­gen­der stellt sich die Fra­ge nach einer fai­ren Las­ten­tei­lung zwi­schen Bund und Län­dern. Die Kraft­re­ser­ven des Bun­des sind nicht uner­schöpf­lich, auch wenn die Poli­tik gern das Gegen­teil sug­ge­riert. Hier braucht es mehr Team-Geist von den Ländern!“ 

Appel­liert wird an Bedeu­tung der Schul­den­brem­se und Tilgungspflichten

Erneut über­schrei­ten Bund und Län­der die regu­lä­ren Gren­zen der grund­ge­setz­li­chen Schul­den­brem­se, wenn auch mit gro­ßen Unter­schie­den von Bun­des­land zu Bun­des­land. Die­se mas­si­ve Über­schrei­tung begrün­den Bund und zahl­rei­che Län­der mit einer anhal­ten­den Not­la­ge, um sich dadurch deut­lich stär­ker ver­schul­den zu kön­nen. Zur Bedeu­tung der Schul­den­brem­se erklärt Holznagel: 

„Die Schul­den­brem­se lässt dem Staat aus­rei­chend Spiel­raum, um auf Not­la­gen zu reagie­ren.  Dies bedingt aber auch eine Spar­po­li­tik bei den Finan­zen! Die Schul­den­brem­se darf nicht auf­ge­weicht wer­den – schließ­lich hat sie sich in der aktu­el­len Kri­se bewährt. Des­halb müs­sen Bund und Län­der schnellst­mög­lich wie­der die Kri­te­ri­en der Schul­den­brem­se einhalten.“

Auf­ge­nom­me­ne Kre­di­te sind auch zu tilgen

Vor die­sem Hin­ter­grund macht der BdSt auf die Til­gungs­pflich­ten auf­merk­sam. Denn: Nach dem Grund­ge­setz erzwin­gen erneu­te Not­la­gen-Kre­di­te zusätz­li­che Til­gungs­pflich­ten für die öffent­li­chen Haus­hal­te in den kom­men­den Jah­ren. Allein der Bund wird durch sei­ne geplan­te Not­la­gen-Ver­schul­dung von mehr als 164 Mil­li­ar­den Euro 2021 ab dem Jahr 2026 über 17 Jah­re hin­weg bis zu 9,6 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich til­gen müs­sen – zusätz­lich zu den Mil­li­ar­den­las­ten, die durch die Not­la­gen-Ver­schul­dung 2020 und dar­aus resul­tie­ren­den Til­gungs­pflich­ten bereits ab dem Jahr 2023 ent­ste­hen. BdSt-Prä­si­dent Holz­na­gel bringt die Pro­ble­ma­tik auf den Punkt:

„Wäh­rend eine Hand­voll Län­der in die­sem Jahr wie­der die nor­ma­len Regeln der Schul­den­brem­se ein­hal­ten und dadurch auf Not­la­gen-Kre­di­te ver­zich­ten kann, ver­sinkt der Bun­des­haus­halt wei­ter im Schul­den­sumpf. Die Finan­zie­rung von üppi­gen Mehr­aus­ga­ben, die mit der Coro­na-Kri­se teils gar nichts zu tun haben, basie­ren zu 91 Pro­zent auf gigan­ti­schen Not­la­gen-Kre­di­ten. Das beschränkt die künf­ti­gen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten des Bun­des gra­vie­rend, wozu sich die Poli­tik bis­her ausschweigt.“ 

Des­halb for­dert der BdSt eine struk­tu­rel­le Kon­so­li­die­rung der Bun­des­aus­ga­ben. Hier­für sind über Jah­re hin­weg stren­ge Prio­ri­tä­ten bei den Aus­ga­ben und eine kon­se­quen­te Haus­halts­dis­zi­plin nötig – ansons­ten geht dies zu Las­ten künf­ti­ger Generationen. 

Quel­le: Pres­se­er­klä­rung des Bun­des der Steu­er­zah­ler Deutsch­land e.V.  Die­se wur­den in Tei­len bear­bei­tet und erweitert.

Pres­se­kon­takt zum Bund der Steu­er­zah­ler Deutsch­land e.V.:

Pres­se­spre­che­rin Hil­de­gard Filz
Tel.-Nr. 030/25 93 96–0
E‑Mail: presse@​steuerzahler.​de


[1] Micha­el Fer­ber, Es ist zu hof­fen, dass es nicht so schlimm kommt wie nach dem Ers­ten Welt­krieg, Neue Zür­cher Zei­tung, 03.12.2020 um 05:30 Uhr, https://​www​.nzz​.ch/​f​i​n​a​n​z​e​n​/​h​a​n​s​-​w​e​r​n​e​r​-​s​i​n​n​-​i​m​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​u​e​b​e​r​-​c​o​r​o​n​a​-​i​n​f​l​a​t​i​o​n​-​u​n​d​-​d​e​n​-​e​u​r​o​-​l​d​.​1​5​8​9​720, zuletzt auf­ge­ru­fen am 07.01.2021 um 19:59 Uhr

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