Neue Nor­ma­lität in Berlin.
Ein Erfahrungsbericht

Eine Leserin dieser Seite berichtet von der aktu­ellen Situa­tion in Berlin. Offenbar sind die lokalen Märkte bereit, ihre eigene Exis­tenz­grund­lage zu ver­nichten und sie lieber der digi­talen Kon­kur­renz zu überlassen. 

Die Autorin der Zeilen ist Cri­tical News per­sön­lich bekannt, möchte an dieser Stelle aber anonym bleiben.

© 2021 Cri­tical-News — Berlin in bes­seren Tagen

Hier nun ein aktu­eller Erfah­rungs­be­richt aus der Landeshauptstadt:

»Ich meinem Garten haben sich die Ratten im Kommst ein­ge­nistet – sie schmausen von den Küchen­ab­fällen. Ich höre, bei den Nach­barn ist es ähnlich.

Was tun? Ich baue eine rat­ten­si­cheren Kom­post­haufen. Fast alles an Mate­rial habe ich schon. Nur für den Boden möchte ich noch Beton gießen, damit das Metall­gitter nicht so schnell rostet, unten, wo es feucht bleibt.

Beton bestellen? Für einen Sack ist die Lie­fer­ge­bühr ein­fach sehr hoch und lohnt dann ja gar nicht mehr.

Also schnell zum Bau­markt radeln – ich gedenke, den Sack auf dem Gepäck­träger zu balan­cieren und zurück zu schieben.

Ich habe gehört, dass man sich wegen Corona vorher anmelden soll. Auf der Home­page des Ber­liner Bau­marktes in finde ich aber nichts zum Anmelden. Viel­leicht gibt es ja die Anmel­dung vor Ort?

15 min später bin ich ange­kommen, Fahrrad ist ange­schlossen, ich hole einen Einkaufswagen.

Doch ich werde abge­wiesen, obwohl ich eine nagel­neue P2-Maske trage. Ich müsse mich Online voranmelden! 

Hab ich doch ver­sucht!!!! Da gab es nichts zum Vor­anmelden auf der Homepage.

Doch, es gäbe eine sepa­rate Seite „Click & Buy.“ (Nicht-Eng­lisch-Kenner sind auf­ge­schmissen, Leute ohne Com­puter sind auf­ge­schmissen; ja: die Seite sei leider nicht mit der Home­page ver­linkt, das wäre wohl zu schwierig gewesen).

Nein, mit Handy mal eben schnell ginge das nicht, wirk­lich nur mit Computer.

Nein, es gäbe keine Liste, in der man sich vor Ort hand­schrift­lich ohne Com­puter ein­tragen könne.

Ich bemerke etwas: dort drüben werden Corona-Tests ver­an­staltet. Angeb­lich kostenfrei.

Bin kern­ge­sund, also viel­leicht kann ich mit dem TEST die läs­tige Hin- und Her­fah­rerei ver­meiden. Wollte doch nur Beton kaufen, Kos­ten­punkt, etwas mehr als 3 Euro. Ich stelle mich in die Test-Schlange. Warten. Vorne ange­langt, sagt man mir jedoch: Nein, der Test reicht nicht. Selbst wenn er negativ sei, bräuchte ich noch diese Online-Voranmeldung.

Wie Bitte???? Warum denn dop­pelt? Ich ver­stehe die Welt nicht mehr. Bei Netto kann ich mich mit 10 Leuten gleich­zeitig an der Gemü­se­theke drän­geln (ja, die haben alle halb­herzig ihre Masken über­ge­stülpt). Oder bei den Süßig­keiten. Oder am Grab­bel­tisch, der auch Bau­sa­chen ver­kauft, jedoch leider keinen Beton.

Klar sind Lebens­mittel etc. wichtig. Aber ALLE Waren bei Netto? Ist nicht viel­leicht mein Beton zur Vor­beu­gung der nächsten Beu­len­pest wich­tiger als Süßig­keiten, Alkohol und Ziga­retten, die eh nur krank machen und ganz ohne Vor­anmel­dung bei Netto zu haben sind?

Ich fahre wieder nach Hause, warte auf bes­sere Zeiten und füt­tere wei­terhin unge­wollt die Ratten. Wenn die jetzt eine neue Seuche ein­schleppen, ist das ja wohl nicht so wichtig. Denn ohne Com­puter wäre es ja auch nicht gegangen. Und meine Zeit ist auch begrenzt, 2x am Tag zum Bau­markt radeln (und 1x umsonst), und dann noch mit diesem Test (1h mit Anstehen): das ist die reinste Schikane.

…und seltsam: in Bran­den­burg darf man auch ohne Vor­anmel­dung Bau­märkte besuchen.«

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