Flur­stück­pro­ble­ma­tik in der Wohngebäudeversicherung

Im Rah­men der Wohn­ge­bu­de­ver­si­che­rung besteht Ver­si­che­rungs­schutz nur auf dem Ver­si­che­rungs­grund­stck. Hier­bei knnen Ver­si­cher­te aller­dings bei dem Bestre­ben um umfas­sen­den Ver­si­che­rungs­schutz leicht in eine Deckungs­fal­le lau­fen. So heit es in den unver­bind­li­chen Mus­ter­be­din­gun­gen des Gesamt­ver­ban­des der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (VGB 2022 – Wert 1914 Glei­ten­der Neu­wert Plus bzw. den VGB 2022 – Wohn­flchen­mo­dell) wie folgt:

A 8 Was ist unter dem Ver­si­che­rungs­ort zu verstehen?

Der Ver­si­che­rungs­ort ist das Ver­si­che­rungs­grund­stck. Das Ver­si­che­rungs­grund­stck ist das Flurstck/sind die Flurstcke, auf dem das ver­si­cher­te Gebu­de steht. Ste­hen auf einem Flurstck meh­re­re Gebu­de, ist der­je­ni­ge Teil des Flurstcks Ver­si­che­rungs­ort, der durch Ein­frie­dung oder ander­wei­ti­ge Abgren­zung aus­schlie­lich zu dem/den ver­si­cher­ten Gebude(n) gehrt.

Post­an­schrift und Ver­si­che­rungs­ort knnen auseinanderfallen

An die­ser Stel­le sind erst­mal die Begrif­fe Ein­frie­dung sowie ander­wei­ti­ge Abgren­zung zu defi­nie­ren. Eine Ein­frie­dung knnen z. B. eine Hecke, eine Mau­er oder ein Zaun sein. Als sons­ti­ge Abgren­zun­gen knn­te man z. B. als Lrm­schutzwn­de oder Auen­wn­de von Gebu­den verstehen.

Nicht immer ent­spricht die Post­an­schrift eines Ver­si­che­rungs­neh­mers dem Ver­si­che­rungs­ort gem Ver­si­che­rungs­schein (sie­he LG Dort­mund, Urteil vom 15.05.2008 – 2 O 211/07):

Der Ver­si­che­rungs­ort ist nicht zwangs­lu­fig mit der im Ver­si­che­rungs­schein in Bezug genom­me­nen Post­an­schrift gleich­zu­set­zen; er kann auch ein im sel­ben Eigen­tum ste­hen­des Flurstck mit umfas­sen, wel­ches an das mit einer Post­an­schrift ver­se­he­ne bebau­te Flurstck angrenzt, wenn die grund­buch­li­che Tren­nung aus der rtlich­keit nicht erkenn­bar ist.[1]

Von einem ande­ren Mak­ler als Son­der­fall beschrie­ben wur­de eine Lager­hal­le, die an einen Drit­ten ver­kauft wur­de. Unter die­ser liegt ein Kel­ler, der zu einem der Hal­le benach­bar­ten Gebu­de gehrt. Unzwei­fel­haft stnde hier das ver­si­cher­te Gebu­de auf einem Flurstck, der Kel­ler wie­der­um unter einem nicht dem Ver­si­che­rungs­neh­mer zugeh­ri­gen Flurstck. In sol­chen Fllen soll­te eine etwa­ige Mit­ver­si­che­rung der Kel­ler­r­um­lich­kei­ten zwin­gend vor Antrags­stel­lung vom ange­streb­ten Ver­si­che­rer aus­drck­lich best­tigt werden.

Nicht immer steht alles auf einem Flurstck

In der Pra­xis kann es vor­kom­men, dass das Ver­si­che­rungs­grund­stck eines Kun­den zwar aus meh­re­ren Flurstcken besteht, hier­zu aber nur eine ein­zi­ge Haus­num­mer ver­ge­ben wur­de. Dann steht ggf. das Haupt­ge­bu­de nur auf einem die­ser Flurstcke, Anbau­ten oder Neben­ge­bu­de jedoch auf einem ande­ren Flurstck. Es ist sogar mglich, dass sich auf einer Haus­num­mer meh­re­re Flurstcke mit ver­schie­de­nen Eigent­mern befinden.

Mglich sind auch Flle, bei denen einem Ver­si­che­rungs­neh­mer zwei (unter Umstnden angren­zen­de) Flurstcke mit sogar zwei Haus­num­mern geh­ren; auf einem steht ein Wohn­ge­bu­de, auf dem zwei­ten nur eine Gara­ge. Im Zwei­fel ist die Haus­num­mer auf der Gara­ge nicht ersicht­lich, so dass bei­de Flurstcke unter einer Post­an­schrift erfasst sind.

Mit­un­ter fin­den sich auch Flurstcke, auf denen nur ein Car­port mit dar­auf befind­li­cher Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge zu fin­den sind, whrend das Wohn­ge­bu­de auf einem ande­ren Flurstck mit einer eige­nen Haus­num­mer ver­or­tet ist.

Sol­che Kon­stel­la­tio­nen knnen etwa dadurch gesche­hen, dass ein Ver­si­che­rungs­neh­mer sich eigen­ver­ant­wort­lich Flurstcke von Nach­barn hin­zu­ge­kauft hat, dass durch einen Erb­fall wei­te­re Flurstcke in des­sen Eigen­tum kamen oder dass aus ande­ren Grn­den eine Real­tei­lung von Flurstcken vor­ge­nom­men wur­de. Es kommt auch vor, dass Ehe­gat­ten oder frhere Ehe­gat­ten aus diver­sen Grn­den Antei­le einer Lie­gen­schaft abkau­fen, dann aber gegen­sei­ti­ge Dienst­bar­kei­ten (z. B. Nut­zungs­rech­te an einer gemein­schaft­li­chen Klein­kl­r­an­la­ge oder einem gemein­sa­men Wsche­kel­ler) ver­ein­ba­ren (mssen).

Die neu­en Bundeslnder

In der Pra­xis ein groes Pro­blem kann auch das Grund­stcks­be­rei­ni­gungs­ge­setz bedeu­ten, wel­ches am 25.12.1993 in Kraft trat. Betrof­fen davon sind Grund­stcks­ei­gent­mer in den neu­en Bun­desln­dern. Durch das Gesetz wur­de es mglich, dass Grund­dienst­bar­kei­ten (z. B. Durch­lei­tung von Roh­ren fr Brauch­was­ser) zu Las­ten der Ver­sor­ger (z. B. Gas‑, Was­ser- oder Strom­ver­sor­gung) ent­ste­hen konn­ten. Dabei galt:

Nach dem Inkraft­tre­ten des GBBerG waren Grund­dienst­bar­kei­ten aus­ge­schlos­sen, wenn Anschluss­ver­trge mit dem Grund­stcks­ei­gent­mer bestan­den ( 9 Abs. 2 GBBerG). In die­sen Fllen waren die Ver­sor­ger hin­rei­chend durch die Ver­ord­nun­gen ber All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen fr die Ver­sor­gung mit Gas (AVB­GasV) oder fr Fern­wr­me (AVB­Fern­wr­meV) oder fr Strom (AVBEltV, jetzt Nie­der­span­nungs­an­schluss­ver­ord­nung NAV) abge­si­chert, nach denen die Grund­stcks­ei­gent­mer jeweils Ener­gie­an­la­gen dul­den muss­ten.[2]

Gut­glau­bens­schutz vom Gesetz­ge­ber befris­tet ausgehebelt

Das neue Gesetz fhr­te in der Pra­xis zu einem gro­en Problem:

Durch das gesetz­li­che Ent­ste­hen­las­sen einer beschrnk­ten persn­li­chen Dienst­bar­keit wur­den mit einem Schlag alle Grundb­cher der betrof­fe­nen Eigent­mer falsch. Das Grund­stck, auf dem eine Ver­sor­gungs­lei­tung ver­lief, war mit einer Grund­dienst­bar­keit belas­tet. Die­se Grund­dienst­bar­keit war aber im Grund­buch nicht ein­ge­tra­gen. [3]

In der Fol­ge war es mglich, dass Ver­sor­ger bei einer bertra­gung von Grund­stcken auf Drit­te ihrer Grund­dienst­bar­kei­ten ver­lus­tig wur­den, whrend der neue Eigent­mer ein las­ten­frei­es Grund­stck erwarb. 

Um hier ent­ge­gen­zu­wir­ken, wur­de der Gut­glau­bens­schutz fr Grund­buch­ein­tra­gun­gen vom Gesetz­ge­ber aus­ge­he­belt, dies aller­dings mit Frist­set­zung zum 31.12.2010. Eigent­mer oder Eigent­mer­ge­mein­schaf­ten, die die­se Frist ver­strei­chen lie­en, tra­gen im Scha­den­fall  die Beweis­last fr Fremd­lei­tun­gen, die auf ihrem eige­nen Grund­stck ver­legt lie­gen. Dabei haben kom­mu­na­le Trger jeder­zeit das Recht, vor­han­de­ne Lei­tun­gen ins Grund­buch ein­zu­tra­gen, dies auch dann, wenn kei­ne Dienst­bar­keit besteht. Nur, wer erst seit dem 01.01.2011 ein Grund­stck erwarb, durf­te sich wie­der auf die Ein­tra­gun­gen im Grund­buch ver­las­sen. Das Lei­tungs­recht des Ver­sor­gers besteht dann nur noch, wenn es zwi­schen die­sem und dem Grund­stcks­ei­gent­mer zu einer ent­spre­chen­den Eini­gung kommt[4].

Pro­ble­ma­tik der Lei­tungs­fh­rung auf frem­dem Grund und Boden

Neben der oben dar­ge­stell­ten Pro­ble­ma­tik kann es in den neu­en Bun­desln­dern vor­kom­men, dass ein Ver­si­che­rungs­neh­mer eige­ne Ver­sor­gungs­lei­tun­gen hat, die ber ein frem­des Grund­stck mit Lei­tun­gen des kom­mu­na­len Ver­sor­gers ver­bun­den sind. Pro­ble­ma­tisch ist es, wenn die Lei­tungs­fh­rung ber frem­den Grund geht und  nicht bis zum 31.10.2010  ins Grund­buch des Nach­barn als Dienst­bar­keit ein­ge­tra­gen wur­de. Gem Nach­bar­schafts­recht sind die­se Lei­tun­gen z. B. in Sach­sen vom frem­den Grund­stcks­ei­gent­mer grund­stzlich zu dul­den. Dafr darf der Besit­zer des Fremd­grund­stcks aller­dings eine Mie­te ver­lan­gen. Im Detail knnen sich die Bestim­mun­gen zum Nach­bar­schafts­recht je nach Bun­des­land deut­lich unterscheiden.

Haft­pflicht­ri­si­ko bei Roh­ren auf frem­dem Grund

Rohr­lei­tun­gen auf frem­dem Grund soll­ten in der Bera­tung auch auf die damit ver­bun­de­nen Haft­pflicht­ri­si­ken unter­sucht wer­den. Geht ein sol­ches Rohr z. B. durch Bruch oder Wur­ze­lein­wuchs kaputt, so hat erst ein­mal der Grund­stcks­ei­gent­mer fr eine Repa­ra­tur des Scha­dens zu sor­gen. Dabei besteht das Risi­ko, dass es durch den Scha­den auch zu einem Umwelt­scha­den am eige­nen Grund des fik­ti­ven Eigent­mers kommt. 

Stellt der Grund­stcks­ei­gent­mer dann fest, dass es sich bei der kaput­ten Leis­tung um eine sol­che han­delt, die im Eigen­tum eines Drit­ten steht, dann steht ihm Regress beim eigent­li­chen Eigent­mer zu. Im Zwei­fel kann es sich dabei her­aus­stel­len, dass der tat­schli­che Eigent­mer nicht liqui­de ist, so dass der fik­ti­ve Eigent­mer auf den Repa­ra­tur­kos­ten sowie den Fol­gen eines Umwelt­scha­dens sit­zen bleibt. Hier knn­te gege­be­nen­falls eine For­de­rungs­aus­fall­de­ckung im Rah­men der Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung des Geschdig­ten Abhil­fe verschaffen,

Sowohl in den alten als auch in den neu­en Bun­desln­dern ist nicht nur zu beach­ten, ob Flurstcke wirk­lich bebaut oder unbe­baut sind, son­dern auch, ob auf unbe­bau­ten Grund­stcke etwa­ige Roh­re ver­legt sind, die nicht der Ver­sor­gung des ver­si­cher­ten Grund­stcks die­nen (z. B. Fremd­lei­tungs­roh­re einer gemein­schaft­li­chen Klr­an­la­ge oder Roh­re / ver­rohr­te Bach­l­ufe der Oberflchenentwsserung).

Abwei­chen­de Eigen­tums­verhlt­nis­se bercksichtigen

Mit­un­ter kann es auch sein, dass fr ein­zel­ne Flurstcke der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht ein­zi­ger Eigent­mer ist, son­dern dass sich die­se im Eigen­tum einer Woh­nungs­ei­gent­mer­ge­mein­schaft befin­den. Sol­che Kon­stel­la­tio­nen soll­ten dann nicht nur bei der bedarfs­ge­rech­ten Ver­si­che­rung von Woh­nungs­ei­gen­tum im Rah­men einer Wohn­ge­bu­de­ver­si­che­rung berck­sich­tigt wer­den; dar­ber hin­aus spie­len abwei­chen­de Besitz­verhlt­nis­se auch eine wich­ti­ge Rol­le bei der Beschaf­fung von Ver­si­che­rungs­schutz im Rah­men etwa einer Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung, Haus- und Grund­be­sit­zer­haft­pflicht­ver­si­che­rung sowie einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen­ver­si­che­rung / Ver­si­che­rung zur Absi­che­rung erneu­er­ba­rer Ener­gien. Eben­falls zu beach­ten ist, inwie­fern z. B. Fahrsth­le vor­han­den sind, fr die eine ergnzen­de Elek­tro­nik- bzw. Haus­tech­nik­ver­si­che­rung anzu­ra­ten ist.

Klein­kl­r­an­la­gen mitversichert?

Zu beach­ten ist, dass Klr­an­la­gen im lndli­chen Raum Anla­gen­ge­mein­schaf­ten sein knnen, in den neu­en Bun­desln­dern in der Regel (DDR-)Gemeinschaftsanlagen. Mit­un­ter wer­den sol­che Gemein­schafts­kl­r­an­la­gen von meh­re­ren Gemein­den gemein­sam betrie­ben[5].

Bei Eigent­mer­ge­mein­schaf­ten besteht oft kei­ne Mit­ver­si­che­rung des Umwelt­scha­den­ri­si­kos im Rah­men einer vor­han­de­nen Pri­vat- bzw. Haus- und Grund­be­sit­zer­haft­pflicht­ver­si­che­rung (z. B. Schden an frem­dem Grund und Boden nach Bruch von Roh­ren zur Ablei­tung von Klr­schlamm). Inso­fern soll­te ber die rei­ne Bera­tung zur Wohn­ge­bu­de­ver­si­che­rung auch die­ses The­ma ange­spro­chen werden.

Beach­ten Sie, dass nicht alle Ver­si­che­rer Klr­an­la­gen zu den ver­si­cher­ten Sachen zhlen. Dies gilt auch fr Roh­re, die mit einer Klr­an­la­ge ver­bun­den sind, also sowohl Zu- und Ablei­tun­gen auf und auer­halb des Ver­si­che­rungs­grund­stcks. Prfen Sie hier, inwie­fern eine umfas­sen­de Absi­che­rung besteht. Ins­be­son­de­re gilt die­ser Hin­weis fr Gemein­schafts­kl­r­an­la­gen auf dem Grund­stck eines Ver­si­che­rungs­neh­mers, die auf dem glei­chen Flurstck wie des­sen Gebu­de stehen. 

Umwelt­scha­den­de­ckung nicht immer gegeben

Hier kann es im Ein­zel­fall nach recht­li­cher Prfung sinn­voll sein, eine gemein­schaft­lich genutz­te Klr­an­la­ge einem getrenn­ten Flurstck zuzu­wei­sen. Andern­falls besteht das Haft­pflicht­ri­si­ko fr ffent­lich-recht­li­che Regress­an­spr­che wegen eines Umwelt­scha­dens nach dem Umwelt­scha­den­ge­setz am eige­nen Grund und Boden des Ver­si­che­rungs­neh­mers. In der Regel ist die­ses Risi­ko nicht versichert.

Da Dekon­ta­mi­na­ti­ons­kos­ten in der Wohn­ge­bu­de­ver­si­che­rung in der Regel nur als Fol­ge eines ver­si­cher­ten Scha­dens am Gebu­de ver­si­chert sind, ent­fllt regel­mig der Ver­si­che­rungs­schutz fr Umwelt­sch­den nach dem Umwelt­scha­den­ge­setz fr Schden am eige­nen Grund und Boden durch z. B. Klr­an­la­gen oder Elektrofahrzeuge.

Im Rah­men der Wohn­ge­bu­de­ver­si­che­rung sind Ab– und Zulei­tungs­roh­re auer­halb des Ver­si­che­rungs­grund­stcks in der Regel nur teil­wei­se oder gar nicht mit­ver­si­chert. In die­sem Kon­text sind die Besitz­verhlt­nis­se der auf dem eige­nen Grund­stck des Ver­si­che­rungs­neh­mers ver­leg­ten Roh­re zu prfen und auch sol­che Roh­re bei der Gestal­tung des Ver­si­che­rungs­schut­zes zu berck­sich­ti­gen, die sich zwar im Eigen­tum des Ver­si­che­rungs­neh­mers befin­den, jedoch auf ande­ren Grund­stcken ver­legt sind.

Eige­ne Gebu­de auf frem­dem Grund

Einen Son­der­fall stel­len auch Grund­stcke dar, die einem Ver­si­che­rungs­neh­mer im Rah­men von Erb­bau­recht, der so genann­ten Erb­pacht, ber­las­sen wur­den. Hier wird das Land nicht gekauft, son­dern nur auf befris­te­te Zeit gepach­tet. Inso­fern steht der Ver­si­che­rungs­neh­mer auch nicht als Eigent­mer im Grund­buch. Viel­mehr steht das eige­ne Gebu­de des Ver­si­che­rungs­neh­mers auf frem­dem Grund und Boden. Gera­de in den neu­en Bun­desln­dern ist Pacht­land bis heu­te weit verbreitet.

Ver­si­che­rungs­mak­ler knnen unter ande­rem durch Sich­ten der jewei­li­gen Flur­kar­ten– / Geo­por­ta­le der Bun­desln­der  Infor­ma­tio­nen zu den mageblich vor­han­de­nen Flurstcken eines Kun­den erhal­ten. Dazu exis­tie­ren kom­mu­na­le Kar­ten der jewei­li­gen Stadt, die meist sehr aktu­ell sind.

Wnschens­wert wre es, wenn Ver­si­che­rer ihre Bedin­gun­gen so gestal­ten wrden, dass smt­li­che im Eigen­tum eines Ver­si­che­rungs­neh­mers befind­li­chen Grund­stcke, die sich eine Post­an­schrift tei­len, als gemein­sa­mer Ver­si­che­rungs­ort defi­niert wrden.

Flur- und Grund­stck nicht immer deckungsgleich

Pro­ble­ma­tisch kann ein Aus­ein­an­der­fal­len von Ver­si­che­rungs­ort und Flurstcken fr bestimm­te Scha­den­fl­le sein. So muss­te etwa das Land­ge­richt Ber­lin ber einen ber­schwem­mungs­scha­den an einem Ein­fa­mi­li­en­haus urtei­len. Dabei uer­te sich das Gericht in sei­nem Urteil vom 29.03.2019 (Az. 23 O 111/18) unter ande­rem wie folgt:

Schon die­ser jedem Leser des Bedin­gungs­werks unmit­tel­bar ein­leuch­ten­de Rege­lungs­zu­sam­men­hang macht deut­lich, dass die bloe ber­flu­tung des Kel­ler­ge­schos­ses des ver­si­cher­ten Gebu­des die Defi­ni­ti­on der ber­schwem­mung nicht erfl­len kann. Denn es ist eine ber­flu­tung des Flurstcks, auf dem das ver­si­cher­te Gebu­de steht, erfor­der­lich. Das Bedin­gungs­werk unter­schei­det erkenn­bar zwi­schen dem ver­si­cher­ten Gebu­de einer­seits und dem Flurstck, auf dem das Gebu­de steht, ande­rer­seits. Damit ist eine bedin­gungs­ge­me ber­schwem­mung nur dann anzu­neh­men, wenn zunchst die auer­halb des Gebu­des lie­gen­de Geln­de­ober­flche ber­flu­tet ist, was vor­lie­gend nicht der Fall war.[6]

Ver­schmel­zung nur, wenn Angren­zung gegeben

Befin­den sich meh­re­re Flurstcke im Besitz nur eines Eigent­mers und gren­zen die­se unmit­tel­bar anein­an­der, so kommt unter Umstnden eine Zusam­men­le­gung zu einem Gre­ren in Betracht. Fr Nie­der­sach­sen fin­det sich hier­zu fol­gen­de Grundlage:

rtlich und wirt­schaft­lich eine Ein­heit bil­den­de Flurstcke knnen zu einem neu­en Flurstck ver­schmol­zen wer­den, wenn sie im Grund­buch unter einer lau­fen­den Num­mer gefhrt wer­den und nicht unter­schied­lich belas­tet sind.

Die Ver­schmel­zung dient dazu, unber­sicht­li­che Flurstcks­si­tua­tio­nen zu berei­ni­gen und nicht mehr ben­tig­te Flurstcks­gren­zen zu lschen. Antrge auf Ver­schmel­zung von Flurstcken knnen beim rtlich zustndi­gen Katas­ter­amt des Lan­des­am­tes fr Geo­in­for­ma­ti­on und Lan­des­ver­mes­sung Nie­der­sach­sen (LGLN) oder bei ffent­lich bestell­ten Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­rin­nen bzw. ffent­lich bestell­ten Ver­mes­sungs­in­ge­nieu­ren (bVI) gestellt werden.

Das rtlich zustndi­ge Katas­ter­amt des LGLN erstellt einen Fortfh­rungs­nach­weis, in dem die Vern­de­rung im Lie­gen­schafts­ka­tas­ter (z. B. Lage, Gre und Beschrei­bung der Flurstcke) doku­men­tiert wer­den. Die­ser wird dem Grund­buch­amt zur Ein­tra­gung der Ver­schmel­zung auto­ma­ti­siert ber­mit­telt.[7]

Kos­ten fr Zusam­men­le­gung je nach Bun­des­land unterschiedlich

Laut ser​vice​.nie​der​sach​sen​.de erfol­ge eine sol­che Ver­schmel­zung gebh­ren­frei und sei mit einer Bear­bei­tungs­dau­er von etwa 30 Tagen ver­bun­den[8]. Auf bay​ern​por​tal​.de heit es zu den Kos­ten abwei­chend wie folgt:

Ver­schmel­zun­gen von Flurstcken, die im Zusam­men­hang mit einer bean­trag­ten Tei­lungs­ver­mes­sung ent­stan­den sind, knnen inner­halb einer Frist von 2 Jah­ren kos­ten­frei bean­tragt wer­den. [9]

Dar­ber hin­aus wer­den fr Bay­ern Kos­ten in Abhn­gig­keit von der Zahl der Grenz­punk­te (260 Euro fr den ers­ten sowie 60 bis 85 Euro fr jeden wei­te­ren Grenz­punkt), der Anzahl der Flurstcke (410 Euro fr das ers­te sowie 55 Euro bis 170 Euro fr jedes wei­ter Flurstck) sowie der Anzahl der durch die Ver­schmel­zung weg­fal­len­den Flurstcke (zwi­schen 10 und 40 Euro je weg­fal­len­dem Flurstck) erho­ben. Dar­ber hin­aus erfol­ge die Mul­ti­pli­ka­ti­on mit einem Wert­fak­tor zwi­schen 0,8 und 4,0, eine Umsatz­steu­er von 19 % sowie ggf. ein 20 %iger Auf­schlag fr vor­dring­li­che Bear­bei­tung. Im Ein­zel­fall sind noch wei­te­re Kos­ten mglich[10].

Zusam­men­le­gung von Flurstcken anzuraten?

Eine Ver­schmel­zung ver­schie­de­ner Flurstcke zu einem gre­ren Flurstck kann nach­tei­lig sein, wenn z. B. spte­re Erben Tei­le des Grund­stcks ver­kau­fen wol­len oder mssen und hier­zu erst Grund­dienst­bar­kei­ten oder ande­re Rege­lun­gen (z. B. Zug­n­ge zu gemein­sa­men Anschls­sen fr die Grund­stcks­entws­se­rung) zu tref­fen sind. Wei­ter ist zu beach­ten, dass es Flurstcke geben kann, in denen vie­le kom­mu­na­le Lei­tun­gen ver­legt sind oder fr die spe­zi­el­le Wege­rech­te ver­ein­bart wur­den. Sol­che Grund­stcke sind prak­tisch wert­los, wes­halb eine Zusam­men­le­gung sol­cher Flurstcke mit angren­zen­den Flurstcken zu einer (teil­wei­sen) Ent­wer­tung des gre­ren Grund­stcks fhren kann.

Durch eine Zusam­men­le­gung von Flurstcken erge­ben sich fer­ner nde­run­gen fr Grund­steu­er und Zensus.

Mgli­che Ersparnisse

Wird ein Bau­grund­stck erst­mals erschlos­sen und bestand die­ses zuvor aus meh­re­ren Flurstcken, so knnen durch eine Zusam­men­le­gung von Flurstcken ggf. Anschluss­gebh­ren fr die std­ti­sche Ver­sor­gung mit Gas, Was­ser, Strom oder Kabel­an­schluss ein­ge­spart werden.

Ver­si­che­rungs­sei­tig kann eine Zusam­men­le­gung von Flurstcken vor­teil­haft sein. So bezie­hen sich ver­ein­bar­te Kos­ten­po­si­tio­nen (z. B. Auf­rum- und Ent­sor­gungs­kos­ten) nur auf das Flurstck, auf dem das ver­si­cher­te Gebu­de steht.


[1] LG Dort­mund, Urteil vom 15.05.2008 – 2 O 211/07 auf open​jur​.de. Auf­zu­ru­fen unter https://​open​jur​.de/​u​/​1​3​1​1​1​6​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 27.02.2024.

[2] Zunft, Diet­mar Lei­tungs­rech­te auf­grund 9 Grund­buch­be­rei­ni­gungs­ge­setz (GBBerG): Dul­dungs­pflich­ten, Ent­sch­di­gung, Ver­jh­rung auf anwalt​-dres​den​.com vom 19.09.2014. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.anwalt​-dres​den​.com/​l​e​i​t​u​n​g​s​r​e​c​h​t​/​l​e​i​t​u​n​g​s​r​e​c​h​te-grund­buch­be­rei­ni­gungs­ge­setz-dul­dungs­pflich­ten-ent­schae­di­gung-ver­jaeh­run­g/, zuletzt auf­ge­ru­fen am 04.03.2024.

[3] Zunft, Diet­mar Lei­tungs­rech­te auf­grund 9 Grund­buch­be­rei­ni­gungs­ge­setz (GBBerG): Dul­dungs­pflich­ten, Ent­sch­di­gung, Ver­jh­rung auf anwalt​-dres​den​.com vom 19.09.2014. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.anwalt​-dres​den​.com/​l​e​i​t​u​n​g​s​r​e​c​h​t​/​l​e​i​t​u​n​g​s​r​e​c​h​te-grund­buch­be­rei­ni­gungs­ge­setz-dul­dungs­pflich­ten-ent­schae­di­gung-ver­jaeh­run­g/, zuletzt auf­ge­ru­fen am 04.03.2024.

[4] Zunft, Diet­mar Lei­tungs­rech­te auf­grund 9 Grund­buch­be­rei­ni­gungs­ge­setz (GBBerG): Dul­dungs­pflich­ten, Ent­sch­di­gung, Ver­jh­rung auf anwalt​-dres​den​.com vom 19.09.2014. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.anwalt​-dres​den​.com/​l​e​i​t​u​n​g​s​r​e​c​h​t​/​l​e​i​t​u​n​g​s​r​e​c​h​te-grund­buch­be­rei­ni­gungs­ge­setz-dul­dungs­pflich­ten-ent­schae­di­gung-ver­jaeh­run­g/, zuletzt auf­ge­ru­fen am 04.03.2024.

[5] Sie­he z. B. Aus­bau der Gemein­schafts­kl­r­an­la­ge. Klr­stu­fe 4 auf cdu​-hem​min​gen​-bw​.de vom 11.05.2023. Auf­zu­ru­fen unter https://www.cdu-hemmingen-bw.de/aktuelles/ausbau-der-gemeinschaftsklaeranlage-klaerstufe‑4/, zuletzt auf­ge­ru­fen am 04.03.2024.

[6] LG Ber­lin, Urteil vom 29.03.2019 – 23 O 111/18 auf open​jur​.de. Auf­zu­ru­fen unter https://​open​jur​.de/​u​/​2​2​5​5​0​4​2​.​h​tml, zuletzt auf­ge­ru­fen am 27.02.2024.

[7] Flurstcks­bil­dung, Ver­schmel­zung auf ser​vice​.nie​der​sach​sen​.de. Auf­zu­ru­fen unter https://​ser​vice​.nie​der​sach​sen​.de/​d​e​t​a​i​l​?​p​s​t​I​d​=​4​2​9​3​5​5​964, zuletzt auf­ge­ru­fen am 26.02.2024.

[8] Flurstcks­bil­dung, Ver­schmel­zung auf ser​vice​.nie​der​sach​sen​.de. Auf­zu­ru­fen unter https://​ser​vice​.nie​der​sach​sen​.de/​d​e​t​a​i​l​?​p​s​t​I​d​=​4​2​9​3​5​5​964, zuletzt auf­ge­ru­fen am 26.02.2024.

[9] Flurstcke; Bean­tra­gung einer Ver­mes­sung zur Zer­le­gung oder Ver­schmel­zung auf bay​ern​por​tal​.de. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.bay​ern​por​tal​.de/​d​o​k​u​m​e​n​t​e​/​l​e​i​s​t​u​n​g​/​6​2​2​2​0​6​2​3​4​5​?​l​o​c​a​l​i​z​e​=​f​a​lse, zuletzt auf­ge­ru­fen am 26.02.2024.

[10] Flurstcke; Bean­tra­gung einer Ver­mes­sung zur Zer­le­gung oder Ver­schmel­zung auf bay​ern​por​tal​.de. Auf­zu­ru­fen unter https://​www​.bay​ern​por​tal​.de/​d​o​k​u​m​e​n​t​e​/​l​e​i​s​t​u​n​g​/​6​2​2​2​0​6​2​3​4​5​?​l​o​c​a​l​i​z​e​=​f​a​lse, zuletzt auf­ge­ru­fen am 26.02.2024.

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